Wut im Raumschiff: Hamilton löst Debatte um Funkverbot aus

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Weltmeister Lewis Hamilton machte seinem Ärger Luft. Foto: Valdrin Xhemaj

Nach Nico Rosbergs Sieg bei der Baku-Premiere entfacht sein wütender Teamkollege Lewis Hamilton eine Diskussion um die Funkregeln der Formel 1. Mit seinem Ruf nach mehr Hilfe von der Box ist der Titelverteidiger nicht allein.

Baku (dpa) - Lewis Hamiltons ganzer Frust über den nächsten Rückschlag im Titelrennen mit Nico Rosberg entlud sich über den Regelwächtern der Formel 1.

"Gefährlich" seien die zu Saisonbeginn verschärften Beschränkungen beim Funkverkehr, schimpfte der Mercedes-Star nach seinem Technik-Pech von Baku und löste vor der Weiterreise zum nächsten Grand Prix in Österreich eine Regeldebatte aus. "Diese Bestimmungen müssen überprüft werden", ermahnte der Titelverteidiger den Weltverband FIA, nachdem seine Ingenieure ihm während des Rennens nicht via Funk helfen durften.

Die Wut über Platz fünf bei der Premiere in Aserbaidschan und den wieder auf 24 Punkte angewachsenen Rückstand auf WM-Spitzenreiter Rosberg saß tief bei Hamilton. Nach zuletzt zwei Siegen hatte ihn schon wieder ein Defekt am Silberpfeil gebremst. Vor allem aber nervte den Briten seine 15 Runden währende Hilflosigkeit im Cockpit, obwohl seine Boxencrew das Problem bei der Motor-Einstellung mit einem Funkspruch hätte lösen können. "Aber das untersagten uns die Regeln", erklärte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Eigentlich sollte die neue Regel gerade Instinktfahrern wie Hamilton helfen. "Alleine und ohne Hilfe" müsse der Fahrer seinen Boliden steuern, ein "Coaching" von der Box soll verhindert werden. Auch Anweisungen zu Einstellungen am hochkomplexen Lenkrad sind daher verboten. Das aber erzürnt Hamilton, der in Baku selbst bei 320 km/h immer wieder verzweifelt den Blick aufs Steuer statt auf die Strecke heftete. "Die einzigen Menschen, die solche Probleme erkennen können, sind die Jungs in der Garage. Die FIA weiß doch, dass die Formel 1 fast schon zu technisch geworden ist", sagte der 31-Jährige.

Sogar sein früherer Erzrivale Fernando Alonso sprang Hamilton bei. "Ich habe von Anfang an gedacht, dass diese Regel nicht viel Sinn macht", sagte der spanische McLaren-Pilot und erklärte: "Mit all dieser Technologie ist das wie ein Raumschiff, das wir da steuern. Aber wir bekommen keine Information, daher ist es manchmal schwer zu erkennen, was im Auto passiert und was die Lösung ist."

Auf dem neuen Stadtkurs in Baku erkannten auch andere die Nachteile des Funkverbots. "Das war eine verrückte Situation. Bisweilen haben wir uns die Fragen der Fahrer angehört, ohne ihnen eine Antwort geben zu dürfen", sagte Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene.

Keinen aber traf es härter als Hamilton, zumal Stallrivale Rosberg in der gleichen Situation zufällig wusste, an welchem Regler des Steuerrads er drehen musste, um das Motorenproblem zu beheben. Die Mercedes-Führung nahm die Schuld für die fehlerhafte Einstellung auf sich, das aber tröstete Hamilton kaum. "Wir müssen die Regel anpassen, sodass wir mit dem Fahrer reden dürfen, wenn es ein Problem gibt", sagte Team-Boss Wolff.

Die Regeldiskussion allerdings hatte für Hamilton zumindest einen angenehmen Nebeneffekt. Niemand sprach mehr darüber, dass sich der Dreifach-Champion mit seinen Fahrfehlern und seinem Unfall in der Qualifikation selbst schon um ein besseres Ergebnis gebracht hatte. Seine Aufholjagd auf Rosberg ist damit vorerst gestoppt.

"Im sogenannten Land des Feuers wird die Flamme von Nico Rosberg wieder entzündet", dichtete der "Corriere della Sera" am Montag. Die spanische "Marca" beobachtete "eine Spazierfahrt" des Deutschen, die auch sein zweitplatzierter Landsmann Sebastian Vettel im Ferrari nicht gefährden konnte. Und so formulierte Rosberg voll sichtbarer Genugtuung einen Satz, der dem angesäuerten Hamilton mit Blick auf die kommenden Rennen zu denken geben dürfte. "Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass etwas schiefgehen könnte", sagte Rosberg und verschwand auf einem Golfwägelchen in die Nacht von Baku.

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