Die Spiele von Brasilien

Zanardi und Co.: Die Stars der Paralympics in Rio

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Alessandro Zanardi bejubelte in London 2012 mit seinem Handbike den doppelten Goldgewinn.

Rio de Janeiro - Die Paralympics 2012 in London waren Spiele der Superlative. In London stieß der Behindertensport mit Blick auf das Leistungsniveau, die Berichterstattung und Zuschauerzahlen in neue Dimensionen vor. Wer werden die Stars in Rio?

Markus Rehm (Weitsprung):

Er ist der Überflieger im Weitsprung. Weil er im Behindertensport keine Gegner hat, wollte er wie Oscar Pistorius auch bei den Olympischen Spielen starten. Daraus wurde nichts. Ein Gutachten konnte nach Ansicht des Weltverbandes nicht eindeutig klären, ob Rehm bei seinem Absprung mit der Carbonfeder einen Vorteil hat oder nicht. Vielleicht springt der London-Sieger in Rio wieder Weltrekord und verbessert seine Bestweite von 8,40 Metern. Ein Aushängeschild des deutschen Behindertensports ist er ohnehin schon. Rehm verlor als Teenager bei einem Wassersport-Unfall seinen rechten Unterschenkel. Doch er wollte zurück zum Sport und schaffte mit Leidenschaft und Ehrgeiz den Sprung nach oben. Als Orthopädietechniker baut er seine Prothese selbst und hilft vielen Betroffenen zurück auf die Beine.

Alessandro Zanardi (Handbike):

Der Italiener raste einst als Formel-1-Pilot über den Asphalt. Bei einem Horror-Unfall verlor er am 5. September 2001 auf dem Lausitzring beide Unterschenkel. Vor dem Abflug in die Klinik gab der Rennpastor ihm die letze Ölung - mit Motoröl. Die Ärzte sprechen von einem Wunder, dass Zanardi überlebte. Er wurde im Hubschrauber mehrere Male wiederbelebt, lag acht Tage im künstlichen Koma und bekam etwa 100 Blutkonserven. Nach 15 Notoperationen und sechs Wochen nach dem Unfall verließ er die Klinik - mit einem strahlenden Lächeln: Das war und ist sein Markenzeichen. Er stieg ins Handbike und holte bei den Paralympics 2012 in London zweimal Gold und einmal Silber. Der Weltmeister von 2015, in Italien ein Star, absolvierte auch den Ironman auf Hawaii. Sein Ziel: Gold an der Copacabana.

Daniel Dias (Schwimmen):

Der Brasilianer gewann im Schwimmen in London sechsmal Gold. Insgesamt kommt der 28-Jährige, der mit Fehlbildungen an Armen und Beinen geboren wurde, auf zehn Paralympics-Titel. Der 24-fache Weltmeister ist der erfolgreichste Schwimmer der letzten Dekade. Der Vater zweier Söhne wurde von Brasiliens Behindertensport-Legende Clodoaldo Silva bei den Paralympics 2004 inspiriert. Der damals 16-Jährige erlernte alle vier Schwimmstile innerhalb von zwei Monaten und nahm nur zwei Jahre später an seinem ersten internationalen Wettkampf teil: Bei der WM in Durban gewann Dias dreimal Gold und zweimal Silber. Er wurde 2009 mit dem Laureus Award geehrt. Bei der WM 2015 holte er siebenmal Gold.

Jessica Long (Schwimmen):

Acht Medaillen, davon fünfmal Gold, holte die amerikanerische Schwimmerin in London. Mit 20 Jahren hatte die gebürtige Russin schon eine Karriere-Bilanz von zwölf Paralympics-Siegen. Als Tatjana Olegowna Kirillowa in Sibirien geboren, wurde sie im Alter von 13 Monaten adoptiert. Wegen Fehlbildungen wurden ihr mit 18 Monaten die Unterschenkel amputiert. Die vielfache Weltmeisterin und Weltrekordlerin schwimmt von 100 bis 400 Meter.

Sarah Storey (Radsport):

Sie ist die erfolgreichste britische Behindertensportlerin. 22 Mal stand sie seit 1992 auf dem Siegerpodest, zunächst als Schwimmerin, inzwischen als Radsportlerin. Schon bei ihrer Paralympics-Premiere 1992 gewann sie als 14-Jährige Gold. Bei den Heimspielen 2012 in London ragte sie auf dem Rad mit je zweimal Gold auf der Bahn und auf der Straße heraus, fuhr zudem in der 3000-Meter-Verfolgung Weltrekord. Insgesamt kommt sie auf elfmal paralympisches Gold, achtmal Silber und dreimal Bronze. Bei ihren siebten Paralympics peilt die „Dame Commander of the Order of the British Empire“ ihren nächsten Coup an. Storey, ohne funktionierende linke Hand geboren, nahm als erste Behindertensportlerin Englands an den Commonwealth-Spielen teil und fuhr gegen „normale“ Athleten.

Hannah Cockroft (Leichtathletik):

„Hurrikan-Hannah“ avancierte in London zum Liebling der Massen: Mit Gold über 100 und 200 Meter sie den Zuschauern auch allen Grund, sie zu lieben. Die 20-jährige Britin hat in ihrem Heimatland schon regelrechten Kultstatus erreicht. Sie ist Weltrekordlerin über 100, 200, 400 und 800 Meter. In Rio fährt sie auch für ihre im vergangenen Jahr gestorbene enge Freundin Tahlia Banks. Die hatte Weihnachten 2014 eine Lungentransplantation. Aber der Körper stieß das Organ ab, sie starb im April. Nach ihr, ihr Spitzname war Tinker Bell, benannte Cockroft ihren Rollstuhl: Tinker. „Ich hoffe, sie kann mit mir über die Ziellinie fahren. Sie war so eine große Inspiration für mich.“

Jason Smyth (Leichtathletik):

Der Ire wird auch „The Fastest Paralympian on the Planet“ genannt - der schnellste Para-Sprinter der Welt oder der Usain Bolt der Paralympics. Er wurde 2010 in Barcelona zum ersten Behindertensportler, der an einer EM teilnahm. Bei der WM 2011 war er ebenfalls am Start und lief gegen den echten Bolt. Sein früherer Trainingspartner Tyson Gay konstatierte dem an Morbus Stargardt erkrankten Iren sogar „einen technisch besseren Laufstil als ich ihn habe. Er gehört für mich zu den fünf Sprintern mit dem schönsten Laufstil aller Zeiten“. Nicht nur seine Ehefrau Elise und Baby Evie werden dem Weltrekordler die Daumen drücken. Er wollte eigentlich wie Bolt zum dritten Mal nacheinander Doppel-Gold über 100 und 200 Meter holen. Aber die 200 Meter wurden in seiner Startklasse gestrichen. Jetzt will er wenigstens Weltrekord über 100 Meter laufen.

dpa

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