Überpünktlich bei neun Grad Plus

Erste deutsche Athlethen in Sotschi gelandet

Claudia Pechstein
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Claudia Pechstein und die Eisschnelllauf-Teams sind bereits in Russland angekommen.

Sotschi - In gut einer Woche fangen die olympischen Winterspiele in Sotschi an. Die ersten deutschen Athleten sind überpünktlich in der russischen Stadt angekommen.

Die Debütanten sind nervös, Routiniers wie Claudia Pechstein gehen das Abenteuer Sotschi zuversichtlich und selbstbewusst an: Eine Woche vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele ist die Stimmung im deutschen Team wechselhaft. „Ich bin in einer super Verfassung und nehme das Ziel, meine zehnte Medaille zu gewinnen, ganz klar an“, sagte Pechstein. Nach einem knapp vierstündigen Flug mit der Lufthansamaschine LH 1474 landeten die Berlinerin und 13 weitere Eisschnellläufer am Donnerstag als erste der deutschen Olympia-Teilnehmer in Sotschi.

Das Wetter präsentierte sich gut eine Woche vor der Eröffnungsfeier sehr mild. Neun Grad plus und ein leichter Wind sorgten im Tal im olympischen Park von Sotschi für ein angenehmes Klima. Schnee war nur auf den Bergen im Hinterland auszumachen. Die Unterkünfte der Eisschnellläufer liegen gerade mal 30 Meter vom Schwarzen Meer entfernt. „Man hört beim Einschlafen das Rauschen der Wellen“, sagte Dobbratz.

Pechstein winkte am Flughafen Adler gut gelaunt aus dem Bus - andere deutsche Olympia-Asse wie Maria Höfl-Riesch, Felix Neureuther oder Andreas Wellinger müssen sich dagegen noch gedulden. Für sie steht an diesem Wochenende die Generalprobe an - im Langlauf, Ski alpin, Skispringen und Snowboard sind Weltcup-Wettkämpfe angesetzt. Die Nordischen Kombinierer um Gold-Hoffnung Eric Frenzel gehen vor der Abreise sogar in ein viertägiges Trainingslager in Oberstdorf.

Für IOC-Ehrenmitglied Walther Tröger ist Pechstein neben Höfl-Riesch und der Biathletin Andrea Henkel eine mögliche Kandidatin als deutsche Fahnenträgerin. Nur weil sie schon zwei Tage nach der Eröffnung den wichtigen Wettkampf über 3000 Meter bestreiten muss, rate er Pechstein davon aber ab.

Der krisenerprobte Tröger, bis 2002 allein achtmal Chef de Mission der deutschen Wintermannschaft, geht die politisch belasteten Spiele mit großer Gelassenheit an. „Man kann in der heutigen Zeit Spiele nicht mehr nach Gutsherrenart nach Europa oder Nordamerika vergeben, wie es früher der Fall war. Man muss sich auch mit Ländern beschäftigen, wo es politisch und finanziell komplizierter wird“, sagte der 84 Jahre alte Routinier des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). „Es gilt nun, das Beste für die Sportler daraus zu machen.“

Pechstein, mit fünf Gold-, zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen deutsche Rekord-Olympionikin der Winterspiele, weiß bei ihrer sechsten Teilnahme in etwa, was auf sie zukommt. Für ihre Eisschnelllauf-Kollegin Jenny Wolf, zum vierten Mal bei Olympia dabei, ist das Ringe-Spektakel immer noch etwas Besonderes: „Ich erlebe die Spiele jedes Mal so, als ob es die ersten wären. Olympia ist immer wieder faszinierend.“

Die Stimmung bei den Olympia-Neulingen im deutschen Team ist angespannter. „Meine Nervosität steigt von Tag zu Tag. Ich bin zum ersten Mal dabei und total gespannt, was mich dort erwartet“, sagte Eishockeynationalspielerin Nina Kamenik. Die 28-Jährige holte sich vor ihrer Olympia-Premiere Tipps von Eishockey-Legende Sven Felski. „Ich finde es sehr schade, dass die Männer nicht dabei sind“, sagte Mannschaftsführerin Susann Götz. „Jetzt stehen wir im Fokus, doch das genießen wir und wollen zeigen, dass Frauen auch Eishockey spielen können.“

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Keinen Druck macht sich die 17 Jahre alte Ski-Freestylerin Lisa Zimmermann. „Ich will nicht selber behaupten, dass ich um Gold mitwirken kann. Ich versuche, so zu fahren wie immer. Dann werde ich sehen, Wievielte ich werde“, sagte die Junioren-Weltmeisterin im Slopestyle.

Die 21 Eishockeyspielerinnen folgen dem Eisschnelllauf-Team am Freitag, am Samstag fliegen sechs Rodler und Rodlerinnen nach Russland. Die Rennrodler um Felix Loch - neben Pechstein eine der deutschen Hoffnungen am ersten Olympia-Wochenende - haben ihre Schlitten bereits am vergangenen Wochenende nach Sotschi bringen lassen. „Das Kribbeln fängt jetzt langsam an“, sagte Gold-Hoffnung Natalie Geisenberger im Bayerischen Fernsehen.

Andere wie Riesenslalom-Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg, mit Geisenberger seit langem befreundet, müssen auf ihre Abreise noch ein bisschen warten. Die Alpinen sind an diesem Wochenende bei den Weltcuprennen in St. Moritz und im slowenischen Kranjska Gora beschäftigt. Die Snowboarder bestreiten ihr Weltcup-Finale am Sudelfeld in den bayerischen Alpen, die Skispringer starten in Willingen, die Langläufer in Toblach in Südtirol. Jetzt hoffen die deutschen Leistungsplaner nur noch, dass sich dabei niemand verletzt.

dpa/SID

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