Hüfner sauer

Offener Streit nach Rodel-Gold für Geisenberger

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„ Natalie Geisenberger bekommt deutlich mehr Unterstützung“, sagt die Vancouver- Olympiasiegerin mit Blick auf die Gold-Gewinnerin von Sotschi.

Krasnaja Poljana - Nach dem zweiten Gold durch Natalie Geisenberger ist ein offener Streit im deutschen Rodel-Lager entbrannt. Silber-Gewinnerin Tatjana Hüfner ist stocksauer.

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Nicht einmal zwei Stunden nach der Goldfahrt von Natalie Geisenberger eskalierte der lange schwelende Konflikt mit Rodel-Rivalin Tatjana Hüfner zum offenen Eklat. „Es wurde gerade mir persönlich schwer gemacht und mir wurden viele Steine in den Weg gelegt“, klagte Silber-Frau Hüfner am Dienstag nach dem Rennen in der Olympia-Eisrinne in Krasnaja Poljana.

Die Vancouver-Olympiasiegerin warf dem Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) vor, sie im Vergleich zu Geisenberger bewusst benachteiligt zu haben. „Natalie Geisenberger bekommt deutlich mehr Unterstützung“, resümierte Hüfner bei der Pressekonferenz.

Prompt war die ganze gute Stimmung dahin. Schon seit längerem gilt das Verhältnis zwischen den beiden deutschen Top-Rodlerinnen als zerrüttet. Im vergangenen Jahr musste dann Hüfners Trainer André Florschütz nach Unstimmigkeiten mit dem in Berchtesgaden ansässigen Verband gehen - sehr zum Unwillen der viermaligen Weltmeisterin. „Ich habe viel geschluckt“, sagte sie am Dienstag. Geisenberger war von den Vorwürfen überrascht: „Da kann ich nicht viel dazu sagen.“

Natalie und Carina: So schön jubeln unsere Gold-Damen

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Nach der finalen Fahrt hatte zunächst noch nichts als Jubel um Geisenberger geherrscht. Innig umarmte die neue Kufenkönigin Bundestrainer Norbert Loch und stürmte mit der Deutschland-Fahne zu ihrem Vater Helmut. Geisenberger hatte Tränen in den Augen. „Ich bin gerade einfach ein bisserl sprachlos. Ich wollte in Kurve 17 schon kreischen, das war einfach nur geil. Das kann man dann schon genießen.“ Die Gratulation von Hüfner fiel indes unterkühlt aus.

Zwei Tage nach dem Coup ihres bayerischen Kollegen Felix Loch war die 26 Jahre alte Geisenberger ihrer Favoritenrolle gerecht geworden. Mit mehr als 1,1 Sekunden Vorsprung auf Hüfner fuhr sie überlegen zu ihrem ersten Olympiasieg. Im rasanten Rodel-Sport eine Ewigkeit - und der größte Vorsprung in einem olympischen Frauen-Rennen seit 50 Jahren.

Hüfner machte als Zweite den deutschen Doppelerfolg perfekt und hat nach Bronze 2006 und Gold 2010 nun den kompletten Medaillensatz beisammen. Dritte wurde die frühere Weltmeisterin Erin Hamlin (USA). Dagegen gingen die hoch gewetteten russischen Frauen um die frühere WM-Zweite Tatiana Iwanowa leer aus. „Ich bin sprachlos, ein Doppelsieg! Das ist einfach grandios, dass die Rodler zum Höhepunkt ihre Leistung so abrufen können“, frohlockte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Geisenberger völlig entspannt

Völlig entspannt präparierte Geisenberger ihren Schlitten vor dem letzten Durchgang - der bayerische Teamkollege Loch direkt an ihrer Seite. „Ich kann mit dem Druck umgehen. Ich habe ihn mir ja selber gemacht“, hatte die Top-Favoritin vor ihrem Gold-Rennen betont. Und tatsächlich ließ die blonde Miesbacherin, die im Weltcup in diesem Winter sieben von acht Rennen gewinnen konnte, vor den Augen ihrer Eltern im selektiven Eiskanal des „Sanki“ Sliding Centers nie einen Zweifel an ihrem Sieg aufkommen.

„Man kann Natalie zu so einer Saison nur gratulieren. Wir haben selten so einen souveränen Olympiasieg gefeiert“, lobte BSD-Sportdirektor Thomas Schwab und hob auch die Leistung von Hüfner hervor. „Tatjana hat sich aus dem Trainingstief herausgearbeitet. Da ziehe ich den Hut vor.“

Im Auftaktdurchgang zauberte Geisenberger einen fantastischen Bahnrekord in die Eisrinne und lag gleich mal fast eine halbe Sekunde vorne. Eng ist anders! Die Konkurrenz war geschockt, da störte die Miesbacherin selbst ihr Missgeschick kurz vor dem Start nicht. „Mein Rennschuh ist einfach aufgeplatzt, zum Glück hatte ich einen anderen dabei“, erzählte sie nachher - und zeigte fast schon ein Siegerlächeln. Auch in Lauf zwei fuhr Geisenberger Bestzeit und hatte vor den entscheidenden Durchgängen bereits beinahe acht Zehntelsekunden Vorsprung.

Einseitiges Gold-Rennen

„Da geht nichts mehr. Da müsste schon einiges passieren“, prophezeite Nagano-Olympiasiegerin Silke Kraushaar-Pielach vor dem zweiten Teil des einseitigen Gold-Rennens. Und die Oberhoferin, die zusammen mit ihrer früheren Konkurrentin Sylke Otto den Gold-Triumph Geisenbergers verfolgte, sollte recht behalten: Geisenberger legte auch in Lauf drei Bahnrekord vor. Ihre siegesgewissen Fans stimmten schon einmal „Natalie“-Sprechchöre an. Der vierte Durchgang wurde dann zur Triumphfahrt für die Weltmeisterin. Es war der fünfte Olympia-Sieg in Serie für die deutschen Rodel-Frauen. Anke Wischnewski wurde Sechste.

Lange, viel zu lange angesichts ihrer eigenen Ansprüche hatte Geisenberger im Schatten von Hüfner gestanden. Meist blieb ihr nur Rang zwei, die ganz große Aufmerksamkeit erhielt ihre Konkurrentin. Dies änderte sich erst in der vergangenen Saison: Erstmals holte Geisenberger den Gesamt-Weltcup und den WM-Sieg. Seitdem ging es für die ehrgeizige Athletin nur nach oben. „Sie zweifelt nicht mehr an sich, rodelt locker und befreit auf, macht weniger Fehler als früher“, sagte Trainer Georg Hackl. Nun ist Geisenberger endlich am Ziel ihrer Träume.

Von Michael Fox und Maximilian Haupt

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