Disqualifikations-Chaos

Schaffelhuber bekommt ihr Gold zurück

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Anna Schaffelhuber bekommt ihr Gold zurück.

Sotschi - Anna Schaffelhuber (21) hat nach ihrer zwischenzeitlichen Disqualifikation wegen eines angeblichen Startfehlers einen Tag nach dem Rennen Gold im Slalom bei den Winter-Paralympics zugesprochen bekommen.

Anna Schaffelhuber hatte sich für ihren großen Auftritt extra schick gemacht. Im feinen schwarzen Blazer statt im Rennanzug kämpfte die Blondine für die Aufhebung ihrer Disqualifikation und um ihr drittes Gold bei den Winter-Paralympics - mit Erfolg. 25 Stunden nach dem eigentlichen Rennende und einem Verhandlungsmarathon hinter verschlossenen Türen stand Schaffelhuber endlich als Siegerin im Slalom fest. Die Monoski-Fahrerin lässt sich auch von den hohen Herren des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) am Grünen Tisch nicht aufhalten und peilt in Sotschi weiter den ganz großen Triumph an - fünf Mal Gold in fünf Wettbewerben.

„Ich bin wahnsinnig erleichtert. Die Nacht war sehr schwierig, ich konnte kaum abschalten“, sagte Schaffelhuber dem SID nach den zähen Gesprächen und dem Ende des Chaos: „Die Entscheidung ist richtig. Ich habe nichts falsch gemacht.“ Für die nächsten Tage kündigte sie einen weiteren Goldrausch an: „Now or never. Natürlich will ich immer alle Rennen gewinnen.“

Ausgerechnet Anna-Lena Forster, die sich mit Schaffelhuber ein Zimmer teilt, muss sich nun mit Silber zufrieden geben. Bronze geht an Kimberly Joines (Kanada), Laurie Stephens aus den USA fällt auf Rang vier zurück.

40 Minuten lang wurden Schaffelhuber und die deutsche Teamleitung von den obersten Regelhütern des IPC wegen des angeblichen Startfehlers der 21-Jährigen verhört. Schaffelhuber soll sich beim Start regelwidrig mit ihren Krücken zwei Mal abgestoßen haben, lautete der Vorwurf der Österreicher. Nach der Verteidigung begann das große Zittern.

„Das ist schlimmer als am Start, da hat man wenigstens alles selber in der Hand“, sagte Schaffelhuber über den Nervenkrieg. Erst zwei Stunden später verkündete das IPC: „Sie hat sich keinen Vorteil verschafft.“ Im offiziellen Endergebnis hat sie nun über vier Sekunden Vorsprung auf Forster.

„Das ist eine wunderbare Entscheidung, vor allem im Interesse des Sports. Anna hat nachweisbar keinen Regelverstoß begangen und wurde zusätzlich einem 24-stündigen Hin und Her ausgesetzt“, sagte Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS). Forster, mit 18 Jahren das Küken im deutschen Team, hatte schon am Mittwoch angekündigt, jede Entscheidung zu akzeptieren: „Ich freue mich über jede Medaille - egal, welche Farbe sie hat.“

Die deutsche Teamleitung hatte nach dem Protest der Österreicher die Anhörung beim IPC erstritten, nachdem Schaffelhuber in Führung liegend nach dem ersten Slalom-Durchgang am Mittwoch zunächst disqualifiziert worden war. Die Weltmeisterin durfte dann im zweiten Durchgang nur unter Vorbehalt als Erste starten, ihre Zeit wurde unter Verschluss gehalten. Das Drama um Protest und Gegenprotest nahm seinen Lauf. Schaffelhuber standen Tränen der Wut und Verzweiflung im Gesicht, am Donnerstag fiel sie Beucher dann freudestrahlend um den Hals. In den ausstehenden Wettbewerben Super-Kombination und Riesenslalom gilt Schaffelhuber ebenfalls als Top-Favoritin - der Gold-Sweep ist nun zum Greifen nahe.

Das Disqualifikations-Chaos hatte auch für erhebliche Irritationen zwischen der deutschen und österreichischen Delegation gesorgt. Maria Rauch-Kallat, Präsidentin des Österreichischen Paralympischen Komitees, hat sich mittlerweile bei Beucher und Schaffelhuber für die Aufregung entschuldigt. „Das war eine schreckliche Situation für das Mädchen. Sie konnte nichts dafür“, sagte Rauch-Kallat, die sich beim IPC für Schaffelhuber stark gemacht hatte: „Ich bin sehr froh, dass sie für Anna entschieden haben.“

sid

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