Was ein Experte sagt

Ist Sex vor dem Wettkampf ratsam?

London - Gar nicht? Nur passiv wie einst Ronaldo? Oder doch alles ganz normal? Die Meinungen, wie sich Sex vor dem Wettkampf auf die Leistung auswirkt, gehen auseinander.

Selbstverständlich hat Boris Johnson zum Thema Sex etwas beizutragen. Der exzentrische Bürgermeister von London steht erstens im Ruf, ein Womanizer zu sein, ein Weiberheld. Zweitens ist er nie um einen flapsigen Spruch verlegen. Die Olympischen Spiele in seiner Stadt hält Johnson wie zu erwarten für eine großartige Sache, die Athleten aber, findet er, sollten sich doch bitteschön mäßigen: Es gehe darum, eine „Generation zu inspirieren“, nicht darum, „eine Generation zu zeugen“.

Die alten Griechen würden Johnson recht geben. Sex vor einem Wettkampf hielten sie für nicht leistungsfördernd. Muhammad Ali, heißt es, enthielt sich in den sechs Wochen vor einem großen Fight. Belastbare Studien gibt es offenbar nicht, Wissenschaftler sind sich folglich nicht einig. „Prinzipiell ist gegen Sex am Vorabend eines Wettkamps nichts einzuwenden“, sagt etwa der Diplom-Wissenschaftler Alexander Haas (Köln). „Es kommt allerdings darauf an“, ergänzt er, „wann der Wettkampf stattfindet und wie man den Sex praktiziert.“

Beim Sex werden jedenfalls Kraft und Energie verbraucht. Der Energieumsatz liegt in der halben Stunde etwa zwischen 150 bis 200 Kilokalorien. Intensiver Sex dürfte in der direkten Wettkampfvorbereitung also nicht gerade förderlich sein. Der frühere Weltfußballer Ronaldo schwor wohl deshalb auf passiven Sex vor einem wichtigen Spiel. Sex, so sagen Wissenschaftler, entspanne, und nach einem Orgasmus schlafe man besser. Verschiedene Studien legen nahe, dass in der Tat alles eine Frage des Wann und des Wie ist.

Es ist wohl auch eine Frage der Etikette. Der australische Sportschütze und Olympissieger Russell Mark hatte angekündigt, er werde sich nächstens zu seiner Frau Lauryn, ebenfalls als Schützin in London aktiv, ins Zimmer schleichen. Die Mannschaftsleitung der Australier untersagte es - andere Athleten könnten sich ja gestört fühlen. Die Auswirkungen auf Lauryn Mark: Sie schied am Sonntag in der Qualifikation beim Doppel-Trap aus. Und ihr Mann? Russell muss am Donnerstag in die Qualifikation.

Dabei gilt Sex bei einigen Sportarten in der Tat als passende Vorbereitung: Durch die Entspannung der Muskulatur ist er etwa bei den Zielsportarten wie Bogenschießen oder Skeet förderlich. Dagegen müssen männliche Schnellkraftsportler wie Sprinter oder Kugelstoßer eher mit Leistungsabnahmen rechnen. Der Grund: Das männliche Hormon Testosteron, das auch für die Aggressivität zuständig ist, wird beim Liebesakt abgebaut. Für Frauen gilt das Gegenteil: Sie produzieren beim Sex vermehrt Testosteron.

Über Sex nach dem Wettkampf gibt es aber offenbar keine zwei Meinungen. Vor Olympia haben die Organisatoren im Olympischen Dorf in vermutlich weiser Vorahnung 150.000 Kondome verteilt.

sid

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