Rennabbruch und Sicherheitsdiskussion

Sturzserie auf der Streif: Landung im OP-Saal

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Georg Streitberger stürzte schwer - wie andere Läufer auch.

Kitzbühel - Hart, härter, Streif. Oder muss der Spruch vielleicht doch umgeschrieben werden? Hart, zu hart, Hahnenkamm… Kitzbühel erlebte ein grenzwertiges Wochenende.

Nach den üblen Stürzen in der Abfahrt am Samstag erwischte es am Sonntag auch noch Slalomolympiasieger Giuliano Razzoli mit einem Kreuzbandriss.

Den besten Durchblick beim Horror-Sturz-Festival in Kitz behielt Peter Fill. Der Italiener siegte vor Beat Feuz und Carlo Janka (beide Schweiz) und widmete den Triumph seinem Sohn Leon, der am Samstag an der Strecke seinen zweiten Geburtstag feierte. „Dieser Erfolg ist das zweitbeste, das mir in meinem Leben passiert ist, das beste war die Geburt meines Sohnes“, sagte der 33-Jährige und verriet mit einem Schmunzeln sein Sieggeheimnis: „Manuela (Pitschieler, Anm. d. Red.) und ich haben im Sommer geheiratet, vielleicht liegt es daran.“

Sport ist eben nicht alles im Leben. Das wurde im Hahnenkammstadion spätestens nach dem Sturz von Aksel Lund Svindal (Kreuzbandriss) zwischen Hausbergkante und der Traverse klar. Bis zum ersten Lebenszeichen des Norwegers waren die 45 000 Zuschauer mucksmäuschenstill. Selbst Terminator Arnold Schwarzenegger und seinem Sohn Patrick, der trotz einsetzendem Schneefall konsequent bei offener Jacke und Sonnenbrille blieb und sein V-Ausschnitt-Shirt präsentierte, stockte der Atem. An der selben Stelle flogen zuvor bereits die Österreicher Hannes Reichelt (Knochenstauchung) und Georg Streitberger (Kreuzbandriss) ab. Letzterer fand sich am Nachmittag in der Privatklinik Hochrum bei Innsbruck im Bett neben Svindal wieder. Das Rennen wurde nach 30 Startern, der Mindestanzahl für ein offizielles Ergebnis, abgebrochen.

Same kompression, same injury, same room!!! and same nurse!󾬴󾬴󾌴󾌴󾌴 but we have fun!!✌️✌󾭞󾭞#axellundsvindal #floscheiber #streif #hochrum #saalbach #itsgettingbetter

Posted by Georg Streitberger / offizielle Fanpage on Sonntag, 24. Januar 2016

Populär war die Entscheidung der Rennleiter Markus Waldner und Hannes Trinkl nicht bei allen. Während Kurssetzer Trinkl für die jungen Athleten keine Verantwortung übernehmen wollte und konnte, sagte US-Trainer Sasha Rearick: „Wir waren überrascht. Ob und welcher Athlet fahren kann oder nicht, wissen wir Trainer am besten.“ Kjetil Jansrud und Norwegens Cheftrainer Christian Mitter bezeichneten die Strecke als „fahrbar“, Marcel Hirscher, Svindals Konkurrent um den Gesamtweltcup, kritisierte: „Es ist momentan der Punkt, wo man sich Gedanken machen muss, was ist möglich und was ist schaffbar und was ist fahrbar und was ist zu gefährlich.“

Svindal wird knapp ein Jahr fehlen, nahm’s aber verhältnismäßig gelassen: „Ich habe mein Knie ein bisschen kaputtgemacht und werde gleich operiert. Es ist irgendwie scheiße mitten im Winter, aber so ist das Leben“, ließ er seine Fans aus dem Krankenhaus wissen. Per Pressemitteilung ergänzte der 33-Jährige: „Es ist immer ein großes Risiko, wenn man Abfahrt fährt. Ich bin dankbar dafür, dass es in dieser Saison so gut gelaufen ist, das ist keine Selbstverständlichkeit.“ Sport ist eben nicht alles, das gilt im Positiven wie im Negativen.

Mathias Müller

Mathias Müller

Mathias Müller

E-Mail:Mathias.Mueller@tz.de

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