"Shades of Winter: Between" ist ihr letzter Film

Ski-Ass Hargin: Eine Lawine nahm ihm seine Ehefrau

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Bessere Zeiten: Mattias Hargin und seine verstorbene Ehefrau Matilda Rapaport.

München - Der Film "Shades of Winter: Between" hat in München Premiere gefeiert. Eine der Protagonistinnen ist Matilda Rapaport, die durch eine Lawine ums Leben kam.

Das Schicksal kann man nicht austricksen, deswegen ereignen sich manchmal so grausame Geschichten, wie die von Weltcupskifahrer Mattias Hargin. Ende April heiratete der 31-Jährige in Engelberg seine schwedische Freundin Matilda Rapaport, die seit 2009 in der Schweiz lebte. Nur drei Monate später nahm ihm eine Lawine seine Ehefrau. Die Ärzte kämpften nach Rapa­ports Unfall bei einem Werbedreh in Chile noch vier Tage um die Freeriderin. Vergebens.

Das ­Skifahren war Rapaports ­Leidenschaft.

Vergangenen Freitag war Hargin in der BMW Welt in München, auch Rapaport war anwesend, nicht physisch, aber sie war eine von sieben Protagonistinnen des Freeski-Films Shades of Winter: Between, der Weltpremiere feierte. Vor Beginn gedachte das Publikum Rapaport – mit einem einminütigen, herzlichen Applaus und nicht mit Schweigen.

Mattias Hargin.

„Ich bin stolz auf das, was ich gesehen habe, und darauf, dass Matilda dabei war“, schreibt Hargin auf seiner Homepage und ergänzt: „Matilda ist so gegenwärtig und lebendig durch den Film, aber das ist genau das, was ich will.“ Gedreht und produziert hat Between die österreichische Freeriderin Sandra Lahnsteiner. Im tz-Interview (unten) erzählt die 35-Jährige, wie schwer es ihr gefallen ist, den Film nach dem Unglück fertigzustellen und wie Mattias Hargin und die Familie auf den Film reagiert haben.

Mathias Müller

Frau Lahnsteiner, was ist an „Between“ neu?

Lahnsteiner: Es geht mir nicht nur um das Skifahren, sondern um die Momente dazwischen. Die Zuschauer sollen die Athleten kennenlernen und erfahren, was sie motiviert.

Kannten Sie alle Mädels?

Lahnsteiner: Ich kannte alle gut, Matilda Rapaport am besten. ­Julia Mancuso war neu dabei, die Geschichte ist amüsant, ein gemeinsamer Freund hat uns vorgestellt, und ich habe sie in Salzburg zum Sushi eingeladen – mein schlimmstes Sushi-Dinner überhaupt, denn Julia lebt in Maui, dem Thunfisch-Paradies, und ich gehe mit ihr in Salzburg Sushi essen. Aber es hat gefunkt.

Was ist anders, wenn man nur mit Mädels auf dem Berg ist?

Lahnsteiner: Schwer zu beantworten, ich fahre auch gerne mit Jungs und bin keine Emanze, die etwas beweisen muss. Als ich 2008 erstmals als Athletin Teil einer Produktion war, gab es so einen Film nicht, deswegen wollte ich ihn machen. Mittlerweile ist es mein Markenzeichen.

Wann war alles abgedreht?

Lahnsteiner: Das Skifahrerische Mitte Mai, im Juni haben wir ein paar Dinge nachgedreht, danach sind wir in den Schnitt.

Dass heißt, Sie mussten Szenen mit Matilda Rapaport erst nach ihrem Tod schneiden?

Lahnsteiner: Der Schnitt war vor ihrem Unfall dreieinhalb Wochen alt, ein kompletter Rohschnitt. Matilda so nah vor mir zu sehen, war extrem herausfordernd, die vielen Interviews sieht man in einem anderen Licht. In der ersten Woche war es schwer, da ging nichts weiter, dann kam der Befreiungsschlag.

Nämlich?

Lahnsteiner: Die Gespräche mit ihrer Familie und Mattias Hargin, sie sind auf mich zugekommen, haben mich bekräftigt und gesagt: Mach den Film so, wie Matilda ihn gewollt hätte. Während der Schnittarbeit habe ich immer überlegt: Was hätte Matilda dazu gesagt?

Hilft es, dass Mattias bei der Premiere war?

Lahnsteiner: Ja, zu sehen, wie die Familie damit umgeht, und dass ihnen der Film gefällt, hilft mir. Ich hatte die Ehre und Verantwortung, die schönsten Bilder von Matilda zu zeigen, und wir haben viele Between-Momente eingefangen, ihr Lachen oder ihr Strahlen und die Art, wie sie mit anderen Athleten umgegangen ist. Sie würde wollen, dass wir uns auf den Winter freuen, die Premiere ist der Startschuss dafür.

Wird einem das Thema Risiko immer dann wieder vor Augen geführt, wenn so etwas passiert?

Lahnsteiner: Nein, Risikoma­nangement ist ein permanentes Thema, wir haben die Verantwortung nicht nur zu faszinieren und inspirieren. Im Film sehen die Leute nur die geilsten Bilder und alles ist easy, aber so ist es nicht. Es würde noch einen Film brauchen, um zu zeigen, was alles dahintersteckst, wie lange wir warten, bis das richtige Wetterfenster da ist. Was mir dadurch bewusster wird, ist welche Verantwortung ich gegenüber meiner Familie habe. Andererseits fährt in Nizza ein Autobus in achtzig Menschen, man kann nicht alles erklären und vorhersehen. Das Risiko beim Freeriden ist da, wir versuchen es zu minimieren.

Fahren Sie auch mit einem unguten Gefühl in Hänge?

Lahnsteiner: Es gibt immer wieder Situationen, in denen ich oder wir als Crew umdrehen. Als Profifreeskier haben wir zum Glück dies Luxussituation, wir müssen nicht am einzigen freien Tag in der Woche alles zerreißen. Aber auch für uns geht eben nicht immer alles.

Interview: Mathias Müller

Mattias Hargin (re.) war teilweise bei den Drehs dabei, hier mit Julia Mancuso.

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