tz-Experten-Kolumne

Schlickenrieder zu Tour de Ski: Absolute norwegische Dominanz

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ARD-Experte Peter Schlickenrieder.

München - In seiner tz-Experten-Kolumne befasst sich ARD-Experte Peter Schlickenrieder mit der absoluten norwegischen Dominanz bei der Tour de Ski.

Was die Norweger sowohl bei den Damen als auch bei den Herren abliefern, ist absolut beeindruckend. Sie haben es in den vergangenen zehn Jahren geschafft, der natürlichen Wellenbewegung zu trotzen. Im deutschen Sport heißt es immer, dass ältere erfolgreichen Athleten die Entwicklung der Jüngeren blockieren, weil sie die Weltcupplätze lang besetzen. In Norwegen scheint das kein Problem zu sein. Bei den Damen fehlt im Moment Marit Bjoergen, das macht aber nichts, weil Therese Johaug diese Rolle eins zu eins übernommen hat. Und gestern überrascht plötzlich auch noch Ingvild Flugstad Östberg. Kopieren kann man das norwegische System nicht oder nur mit sehr hohem Aufwand. Ich habe kürzlich den mehrfachen Olympiasieger Thomas Alsgaard getroffen, der hat mir erzählt, wie hoch der Stellenwert in Norwegen ist und dass es dort bei den Männern bis zu hundert Athleten im Alter zwischen 20 und 30 Jahren gibt, die alles aufgeben, um Profi zu werden. Der Tour-de-Ski-Führende Martin Sundby beispielsweise hatte mit 25 Jahren noch nicht annähernd die Weltklasseform, wie er sie heute mit 31 Jahren hat. In Deutschland bist du mit 25 Jahren längst aussortiert, wenn du nicht in der erweiterten Weltspitze bist. Die finanzielle Unterstützung kann der DSV nicht auf die Dauer aufrechterhalten. Um das in ein Verhältnis zu setzen, Alsgaard hat für sein Privatteam ein Budget das fast dreimal so hoch ist, wie das gesamte deutsche Langlaufbudget. Dementsprechend werden wir auch bei den kommenden Rennen in Oberstdorf dominierende Norweger und Norwegerinnen sehen. Die Duelle untereinander sind aber nicht minder interessant. Johaug scheint etwas angeschlagen und viel Zeit zur Regeneration bietet der heutige freie Tag nicht. Die Athleten beziehen die neuen Unterkünfte, laufen aus und machen Materialtests, heute spüren sie erst richtig, wie kaputt sie nach dem straffen Auftakt sind.

Von Peter Schlickenrieder, ARD-Experte

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