Deutsche Ski-Hoffnung im Interview

Rebensburg: "Ich suche das Risiko"

Immer rasant unterwegs: Viktoria Rebensburg feierte in Flachau ihren ersten Saisonsieg.
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Immer rasant unterwegs: Viktoria Rebensburg feierte in Flachau ihren ersten Saisonsieg.

München - Viktoria Rebensburg ist nach dem Rücktritt von Maria Höfl-Riesch die deutsche Hoffnung bei den Ski-Damen. Im Interview spricht sie über neue Herausforderungen und Lindsey Vonn.

Drei Jahre musste Viktoria Rebensburg auf ihren elften Weltcupsieg warten, zuletzt in Flachau war es so weit. Am Samstag (10.15 Uhr, ARD) steigt die Abfahrt in Cortina d’Ampezzo, am Sonntag folgt der Super-G (11.30 Uhr, ARD). Das tz-Interview:

Frau Rebensburg, das Knie, der Rücken, auch an Ihrem Körper hinterlässt der Skisport Spuren. Wer hält Sie in Schwung?

Rebensburg: Mein Physiotherapeut Max Merkel, ich kenne ihn seit über zehn Jahren, wir haben schon vor meinem Weltcupdebüt zusammen gearbeitet. Ich bin froh, dass er an meiner Seite ist.

Täuscht es, oder hatte er in der jüngsten Vergangenheit mehr Arbeit, weil die Belastungen gestiegen sind?

Rebensburg: Das Thema Rücken wird immer mehr zum Problem, soweit ich gehört habe, treten Rückenbeschwerden auch im Nachwuchsbereich vermehrt auf. Die Ursache dafür ist aber schnell gefunden.

Und zwar?

Rebensburg: Seit den Regeländerungen bzw. den Radiusveränderungen an den Ski in der Saison 2012/13 wirken höhere Kräfte auf uns. Bisher hat noch niemand das richtige Mittel gefunden, wie man das im Training auffangen kann. Es gibt dort großen Redebedarf, die FIS (Internationaler Skiverband, Anm. d. Red.) muss sich Gedanken machen, wie sie uns Athleten besser schützen kann. Gefühlt wird das Thema immer dringender, wobei die Herren davon vielleicht noch etwas mehr betroffen sind.

Henrik Kristoffersen fordert von seiner Skifirma, den schnellstmöglichen Ski zu bauen, er passt sich dann an.

Rebensburg: Das ist eher ein ungewöhnlicher Ansatz, die meisten Athleten machen es umgekehrt. Jede Saison seinen Stil anzupassen ist sicherlich schwieriger, als am Material zu arbeiten. Ich brauche Material, das sich an mich und meine Fahrweise anpasst. Was nützt mir der härteste Ski mit größtmöglicher Taillierung, wenn er nicht zu mir passt? Aber die Vorlieben sind individuell unterschiedlich. Es ist auf jeden Fall immer eine ziemliche Tüftlerei, bis man das Set-up gefunden hat.

Unterschiedlich sind auch die Wünsche hinsichtlich des Trainers. Wie gut ist in diesem Zusammenhang Ihr Französisch?

Rebensburg: Es ist besser geworden, aber noch ausbaufähig. Wie kommen Sie darauf?

Ihr neuer Techniktrainer Rudi Soulard ist doch Franzose, wie kommunizieren Sie mit ihm?

Rebensburg: Am Hang sprechen wir meistens Englisch, aber er kann auch Deutsch. Sein Deutsch ist definitiv besser als mein Französisch. Aber abgesehen davon, dass ich meine Sprachkenntnisse verbessern kann, bringt Rudi viel Erfahrung und neue Sichtweisen von seinen Stationen bei den Amerikanern oder in Schweden mit. Er ist immer dabei und kümmert sich um mein Riesenslalomtraining zwischen den Speed-Wettbewerben.

Die Tennisspielerin Andrea Petkovic hat zuletzt darüber referiert, welche Anforderungen ihr Trainer erfüllen muss. Welchen Charakter bevorzugen Sie?

Rebensburg: Es muss jemand sein, der auch menschlich auf meiner Wellenlänge ist. Er sollte mich nicht nur als Skifahrerin sehen, sondern auch als Mensch, als Viktoria Rebensburg. Dementsprechend baut man ja auch das Training auf, die Trainingstheorie muss der Realität oder der aktuellen Situation, den Rahmenbedingungen und individuellen Bedürfnissen des Athleten angepasst werden.

Es muss also jemand sein, mit dem Sie nicht nur über den Linksschwung sprechen können?

Rebensburg (lacht): Sondern auch über den Rechtsschwung, richtig.

Für Technikdiskussionen taugt sicher auch Lindsey Vonn. Wie ist Ihr Verhältnis und was hilft Ihnen ihr Lob, wenn Vonn letztlich doch immer schneller ist als Sie?

Rebensburg: Wenn wir uns sehen, verstehen wir uns sehr gut. Lindsey hängt die Messlatte wahnsinnig hoch, aber ich war in dieser Saison nahe dran, sie zu schlagen. Irgendwann wird das jemandem gelingen, und am liebsten möchte ich das sein.

Lindsey Vonn ist dafür bekannt, immer volles Risiko zu gehen. Sind Sie in den vergangenen Speedrennen hier und da zu viel Risiko gegangen?

Rebensburg: Nein, ich suche das Risiko, ein Platz im Mittelfeld bringt einen nicht weiter. Ich werde diesen Weg durchziehen, irgendwann wird sich das auszahlen. Die Trainer, die letztlich die Platzierungen ihrer Athleten verantworten müssen, sehen das genauso. Niemand hat mich für mein Risiko kritisiert, sie waren happy, über die schnellen Zwischenzeiten.

Interview: Mathias Müller

Mathias Müller

Mathias Müller

E-Mail:Mathias.Mueller@tz.de

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