tz-Besuch im Bayerischer Wald

Weltcup für Behinderte und Blinde: Respekt vor der Leistung!

Ein Teamkollege gratuliert Anja Wicker. Rechts neben ihr tz-Reporter Stefan Dorner.
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Ein Teamkollege gratuliert Anja Wicker. Rechts neben ihr tz-Reporter Stefan Dorner.

Finsterau - Behinderte und Blinde kämpften im Bayerischen Wald eine Woche lang um Weltcup-Punkte und machten dabei eine Riesen-Werbung für ihren Sport. Die tz besuchte sie.

Schaffen Sie 12,5 oder 15 Kilometer Ski-Langlauf in 38 oder 41 Minuten? Und können Sie sich vorstellen, in dieser Zeit sechs Minuten im Biathlon-Schießstand zu verbringen. Nein? Für die über 100 Athleten aus 19 Nationen beim IPC-Weltcup für Behinderte und Blinde in Finsterau (Kreis Freyung-Grafenau) war dies kein Problem. Sie kämpften im Bayerischen Wald eine Woche lang um Weltcup-Punkte und machten dabei eine Riesen-Werbung für ihren Sport. Respekt vor diesen Leistungen! Die tz war dabei und hat mit der von Geburt an querschnittsgelähmten Anja Wicker (24), unserer Paralympics-Siegerin von Sotschi 2014, nach einem ihrer Rennen gesprochen.

Anja, Glückwunsch zum zweiten Platz. Wie war das heute hier in Finsterau?

Anja Wicker: Super! Ich hab’ mir einiges vorgenommen für die lange Strecke. Es waren super Bedingungen, es hat richtig Spaß gemacht, hier zu laufen. Und am Schießstand alle 20 Scheiben getroffen! Was will man mehr?

Viele Zuschauer reiben sich die Augen, wenn sie euch so um die Runden flitzen sehen. Da würde wohl manch einer ohne Handicap alt aussehen …

Anja Wicker (lacht): Das kann schon sein! Aber dafür schinden wir uns ja bei Wind und Wetter. Und bei mir musste eine Ausdauersportart her. Etwas, das einen richtig fertig macht – und da ist Langlauf und Biathlon genau das Richtige! Immer an die Grenzen gehen und manchmal auch ein bisschen drüber hinaus.

Wie oft trainierst Du dafür?

Anja Wicker:  Mindestens einmal täglich, so acht bis zehn Einheiten pro Woche. Mein Papa und ich haben uns daheim in Stuttgart unser eigenes Trainingszentrum Stuttgart-Nord eingerichtet. So wie im Film Rocky!

Seit wann bist Du im Weltcup aktiv?

Anja Wicker:  Seit 2006 – von da an hab’ ich mich im Langlauf und Biathlon an die Weltspitze herangekämpft …

… mit dem großen Höhepunkt, der Gold- und Silbermedaille bei den Olympischen Spielen!

Anja Wicker (strahlt): Das war der Wahnsinn. Aber jetzt geht es schon weiter. Nächstes Jahr steht hier in Finsterau die Heim-WM an. Das ist das nächste Ziel!

Mit dem, was Ihr leistet, kann man doch eigentlich jedem Menschen nur Mut machen, der einen Rückschlag zu verkraften hat!

Anja Wicker:  Es geht immer irgendwie weiter. Und dafür ist Sport die beste Lösung. Da kriegst du Gemeinschaftsgefühl und es gibt den Leistungsgedanken.

Hast Du schon Pläne, was nach Deiner aktiven Zeit kommt?

Anja Wicker:  Ich studiere Sportmanagement an einer Fern-Uni. Und das will ich jetzt neben dem Training und den Wettkämpfen parallel meistern. Aber ich will meinem Sport verbunden bleiben. Das ist mein Leben!

Alles bereit für die WM

Wettkampfleiter Karl Eder

Finsterau ist als Schneeloch berühmt. Fürs Langlaufzentrum auf 1100 Metern gilt: Wenn hier nix mehr geht mit Wintersport, dann nirgendwo. Doch was ist heuer schon normal? Das bekamen die Organisatoren um Wettkampfleiter Karl Eder beim Weltcup zu spüren. Er und seine über 200 Helfer haben aber den Launen der Natur getrotzt. „Wir hatten in dieser Woche hier alles“, schildert Eder. „Schneefall, Dauerregen, zum Schluss Sonnenschein.“ Vor allem Mitte vergangener Woche, als es aus Kübeln goss, schien ein Jahr der Weltcup-Vorbereitungen buchstäblich den Bach runter zu fließen. „Wenn es weitergeschüttet hätte, hätten wir wohl absagen müssen!“

Das Team ging an seine Grenzen. Laster karrten etwa 50 Ladungen Schnee ins Skistadion, die Loipencrew zauberte in der Nacht eine super Spur hin. Eder: „Das war sensationell. Und die letzten Tage wurden wir mit diesem Traumwetter für die Mühen belohnt!“ So wurde Finsterau zum erstklassigen Austragungsort des Heim-Weltcups auf der IPC-Tour. Die Generalprobe für die Weltmeisterschaft im Jahr 2017 ist bravourös bestanden.

Stefan Dorner

Stefan Dorner

Stefan Dorner

E-Mail:stefan.dorner@tz.de

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