Schauspieler wird 60

August Zirner hat den "Unterhaltungs-Bazillus"

Der Schauspieler August Zirner wird am 07.01.2016 60 Jahre alt. Foto: Horst Ossinger/Archiv
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Der Schauspieler August Zirner wird am 07.01.2016 60 Jahre alt. Foto: Horst Ossinger/Archiv

München - Der Schauspieler August Zirner ("Der blinde Fleck") empfindet vor seinem 60. Geburtstag eine große Gelassenheit. Die Zahl macht ihm nichts aus, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagte. Er sei vielmehr dankbar für sein "volles Leben".

Eine Sache will er im neuen Jahr aber dennoch angehen: "Egal, ob bei einem Abendessen oder am Set, ich fühle mich geradezu dazu verpflichtet, die Leute zu unterhalten. Ich habe den Unterhaltungs-Bazillus. Den muss ich zähmen. Den Entertainer in mir zu bändigen - das nehme ich mir für die nächsten 20 Jahre vor", scherzte er.

Zirner gehört zu den wohl meistbeschäftigten Schauspielern in Deutschland. Die Liste seiner Film-, Fernseh- und Theaterrollen scheint endlos. In etwa 140 Produktionen hat Zirner im Laufe seiner 40-jährigen Karriere mitgewirkt. „Irgendetwas muss ich halbwegs richtig gemacht haben, dass man mich so lange ausgehalten und beschäftigt hat“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur kurz vor seinem 60. Geburtstag (7. Januar). Der gebürtige Amerikaner mit österreichischen Wurzeln lebt seit vielen Jahren mit seiner Familie am oberbayerischen Chiemsee.

Sein Name ist wie ein Qualitätssiegel: Wenn in einer Filmbeschreibung August Zirner steht, kann der Zuschauer davon ausgehen, dass der Film anspruchsvoll und sehenswert ist. Dabei lässt er sich nicht auf ein Genre festlegen. Komödie, Krimi, Kinderfilm - Zirner schlüpft in unterschiedlichste Rollen. „Ich spiele gerne Menschen mit Widersprüchen.“

Zuletzt war der Schauspieler unter anderem in dem viel beachteten dokumentarischen Film „Der blinde Fleck“ über das Münchner Oktoberfestattentat und in dem Thriller „Neben der Spur - Adrenalin“ zu sehen. In vielen großen TV- und Kino-Produktionen wirkte er mit: etwa in „Stadtgespräch“ (1995), „Die Apothekerin“ (1997), „Das Sams“ (2001/2012), „Contergan“ (2007) oder „Die Fälscher“, der 2008 mit einem Oscar als Bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet wurde.

Seine Ausbildung hat Zirner Mitte der 70er Jahre am Max-Reinhardt-Seminar in Wien absolviert, anschließend spielte er an den Staatstheatern Hannover und Wiesbaden sowie bei den Salzburger Festspielen. Und obwohl sich Zirner seit den 80er Jahren vor allem auf Film und Fernsehen konzentrierte, stand er immer wieder auch auf der Bühne. In München gehört er zum Ensemble des Residenztheaters und spielt seit dem Frühjahr die Hauptrolle in Lessings „Nathan der Weise“. Das Stück hat sich zum Dauerbrenner entwickelt, soll bis 2017 laufen. Zwei oder drei Mal im Monat ist der „Nathan“ zu sehen und nahezu immer ausverkauft.

Im Vorfeld der US-Wahlen zeigt der Kultursender Arte die Produktion „Travels with Betsy“ in Anlehnung an John Steinbecks „Travels with Charley“: Ein Roadtrip durch Amerika, in dem Zirner an unterschiedlichsten Orten Station macht und versucht, dem Land und seinem Lebensgefühl nachzuspüren. Zirner ist in Illinois geboren und aufgewachsen. Seine Eltern waren wegen ihrer jüdischen Abstammung im Dritten Reich in die USA ausgewandert.

Lange Zeit sei er kaum in Amerika gewesen, erzählte Zirner. Seinen Lebensmittelpunkt hat er seit Jahrzehnten in Deutschland. „Ich bin zum Europäer mutiert. Aber tief in mir drin bin ich Amerikaner.“ Wegen der Dreharbeiten reiste er zuletzt mehrmals in die USA und will das künftig möglichst einmal im Jahr tun. Was ihm an den Amerikanern gefalle, sei das „Ausmaß an Individualität“, sagte er. „Auch ich habe ein unbedingtes Verlangen nach Individualität. Außerdem haben die Amerikaner etwas sehr Pragmatisches, das habe ich auch.“

Auch auf der Kinoleinwand ist Zirner demnächst zu sehen: Am 18. Februar läuft „Colonia Dignidad“ an. An der Seite von Emma Watson und Daniel Brühl spielt er darin die Rolle eines deutschen Botschafters. „Daneben gibt es viele Pläne, viele Ideen, viele Drehbücher. Spruchreif ist aber noch nichts.“ Zwischen Dreharbeiten ist er immer wieder auch als Musiker mit seinem Jazzensemble auf Tour.

Seinem runden Geburtstag blickt Zirner gelassen entgegen. „Der 60. Geburtstag bedeutet mir insofern etwas, weil mir das ganze Jahr etwas bedeutet. Ich bin nun seit 40 Jahren in dem Beruf, habe in 140 Filmen mitgespielt. Das gibt mir eine gewisse Genugtuung und das Gefühl: Ich habe ein volles Leben gehabt. Dafür bin ich sehr dankbar.“ Die 60 sieht Zirner als Aufforderung, mehr auf sich zu horchen und entspannt zu sein. „Ich empfinde eine große Gelassenheit. Danach habe ich mich gesehnt und es wurde mir geschenkt - ganz ohne Yogakurse.“

dpa

Agenturseite August Zirner

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