"Boardwalk Empire"-Star im Interview

Christiane Seidel: "Manchmal muss ich mich kneifen"

Christiane Seidel
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Die deutsche Schauspielerin Christiane Seidel, aufgenommen am 02.09.2014 in New York, USA.

New York - Sie hat geschafft, wovon viele träumen: Als deutsche Schauspielerin feiert Christiane Seidel in den USA Erfolge ("Boardwalk Empire"). Im Interview gewährt sie Einblicke hinter die Kulissen.

Schon als kleines Mädchen wollte Christiane Seidel unbedingt Schauspielerin werden - und unbedingt in den USA. Inzwischen hat die in Texas geborene und in Schleswig-Holstein und Niedersachsen aufgewachsene Seidel ihren Traum verwirklicht: Mit der TV-Serie "Boardwalk Empire" feiert die 29-Jährige in den USA Erfolge. Nun hat sie erstmals eine große Rolle in ihrer deutschen Heimat ergattert. Sie werde die Hauptrolle in dem Film "Schmidts Katze" spielen, sagte Seidel der Nachrichtenagentur dpa in New York. Der Film handelt von einem Mann, der aus Frust zum Brandstifter wird und dabei eine Frau verletzt. Die zieht dann bei ihm ein und bringt sein Leben gehörig durcheinander. Neben Seidel spielt unter anderem auch Tom Gerhardt mit. Regie bei den bereits angelaufenen Dreharbeiten führt Marc Schlegel.

Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa erzählt sie von Drehtagen mit Superstars wie Steve Buscemi, Auftritten auf dem roten Teppich und warum sie trotz alledem immer wieder gerne in Deutschland ist.

Warum sind Sie in die USA gegangen, um Ihren Traum von der Schauspielerei zu verwirklichen?

Ich habe zuerst in Deutschland studiert, aber ich bin in den USA geboren und habe auch einen amerikanischen Pass. Als Teenager war ich dann zu Besuch in New York und war so fasziniert. Ich stand am Times Square und dachte: "Hierhin musst du nochmal zurück, hier willst du mal wohnen." Das war immer so das Ziel das ich vor Augen hatte, jahrelang. Und irgendwie ist einem auch von Anfang an bewusst, dass die besten Lehrer und Schulen in New York sind.

Nach ein paar Jahren hat es dann mit einer Rolle in der Erfolgsserie "Boardwalk Empire" geklappt - wie war das, mit Superstars wie Steve Buscemi vor der Kamera zu stehen?

Das war eine Riesen-Ehre und fast so, als würde man zur Schule gehen, weil man von denen so viel lernt. Das Tolle ist, dass sie einen auf gleicher Augenhöhe behandeln. Man hört Horrorgeschichten und ich habe mich auf alles gefasst gemacht, aber dann kam ich zum Set und es war so eine warme, nette Atmosphäre, wo einfach nur Leute zusammenkommen um zusammenzuarbeiten und füreinander da zu sein. Manchmal musste ich mich total kneifen.

Haben diese Stars keine Allüren?

Nein, überhaupt nicht. Man denkt, wenn jemand eine Diva sein will, dann auf dem Level, weil die sich das erarbeitet haben, aber überhaupt nicht.

Was war denn die Szene, an die Sie sich am liebsten erinnern?

Das ist die, in der ich einem den Fleischklopfer mehrmals über den Kopf haue, ihn dann zu Boden bringe und ihn gemeinsam mit jemand anderem erwürge. Man muss dann diese Keule schwingen und darf aber den Schauspieler nicht verletzen. Wir hatten natürlich einen Stuntman am Set, und ich habe dann gelernt, wie man schön jemandem einen reinzwiebelt, so haarfein am Gesicht vorbei. Das war sehr witzig. Und der Schauspieler, der dann dort starb, und ich sind mittlerweile sehr gute Freunde geworden, also es hat uns zusammengeschweißt.

Wie haben Sie die Auftritte auf dem roten Teppich erlebt?

Sehr nervenaufreibend. Das erste Mal vor zwei Jahren wusste ich überhaupt nicht, dass ich auf den roten Teppich soll. Ich habe mich nur ein bisschen schick gemacht, selber geschminkt und sogar noch vergessen, meine Ohrringe anzuziehen - und dann musste ich auf einmal auf den Teppich und die sind ja zum Teil extrem lang. Da muss man ein paar Schritte gehen, dann werden Fotos gemacht, dann geht man ein paar Schritte, dann werden Fotos gemacht, von allen Seiten, manchmal werden die Füße fotografiert - was mache ich denn, wenn meine Pediküre völlig daneben ist? Das war krass das erste Mal. Dann werden Interviews gemacht und man muss schön knackige Antworten parat haben und auf Englisch - das ist schon sehr schwierig manchmal, aber es macht natürlich total Spaß.

Inwiefern unterscheidet sich die Branche in Deutschland und den USA?

Ein großer Unterschied ist, dass man hier - auch wenn die Branche wahrscheinlich in den USA am härtesten ist, weil jeder aus aller Welt hierher kommt - viel mehr Möglichkeiten hat. Es gibt viel mehr Bedarf, weil der Markt einfach viel größer ist. Hier schreiben auch oft viele Autoren an einer Serie und dadurch kann man natürlich höhere Qualität bekommen. Und in Deutschland hört man oft Klagen, dass man immer dieselben Gesichter auf der Leinwand sieht, und das ist schade. Es scheint unglaublich schwierig zu sein, in diesen engen Kreis hereinzukommen.

Wie oft sind Sie noch in Deutschland?

In Niedersachsen bin ich oft, da sind meine Eltern. In Schleswig-Holstein bin ich immer auf der Durchreise nach Dänemark, weil ein Großteil meiner Familie in Dänemark ist. In Kiel stoppe ich manchmal und besuche Freunde. Ich bin supergerne bei meinen Eltern in Wildeshausen, das ist für mich fast so ein bisschen wie Wellness, weil das so ruhig und leise da ist. Es ist total schön, da schlafen zu gehen, es ist mucksmäuschenstill.

Zur Person: Die in Texas geborene und in Deutschland aufgewachsene Schauspielerin Christiane Seidel (29) hat in New York Schauspiel studiert. Den Durchbruch feierte sie mit einer Rolle in der TV-Serie „Boardwalk Empire“. Derzeit steht sie für den Film „Schmidts Katze“ in Deutschland vor der Kamera.

dpa

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