Comeback-Interview

Böhse Onkelz schießen gegen Ärzte und Hosen

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In einem großen Comeback-Interview schießen die Böhsen Onkelz (oben) gegen Die Ärzte (unten links) und die Toten Hosen (unten rechts).

Berlin - In einem Comeback-Interview schießen die Böhsen Onkelz massiv gegen Die Ärzte und Die Toten Hosen. Das dürfte dem gegenseitigen Hass zwischen den Bands neue Nahrung geben.

Dass die Böhsen Onkelz mit den Ärzten einerseits sowie den Toten Hosen andererseits ein Hass-Verhältnis pflegen ist wahrlich nichts Neues. Seit über 20 Jahren fliegen die verbalen Giftpfeile zwischen den Bands hin und Her. Der Grund für den Hass ist in der Vergangenheit der Bands zu suchen: Während die Böhsen Onkelz in ihrer Anfangszeit zeitweilig in der rechtsradikalen Skinheadszene unterwegs waren, kommen die Ärzte und die Hosen aus einem dezidiert linken Milieu.

Im großen Interview der Onkelz zu ihren zwei Comeback-Konzerten auf dem Hockenheimring (20. und 21. Juni) mit dem Magazin "Metal Hammer" (aus dem die "Bild"-Zeitung vorab Auszüge veröffentlicht hat) schießen die Frankfurter volle Kanne in Richtung Farin Urlaub, Campino & Co.   

Gitarrist Matthias "Gonzo" Röhr betont: "Die Ärzte und die Toten Hosen waren nie eine Konkurrenz für uns. Das waren doch eher Bands für die kleinen Spießer, die mal Rocker sein wollten; für Warmduscher. Während die Hosen und Die Ärzte uns immer schlechtgeredet haben, betonen Frei.Wild stets, dass wir ihre Vorbilder sind. Das ist ein großer Unterschied."

Und Sänger Kevin Russell setzt noch einen drauf: "Noch heute sieht man auf jedem zehnten Auto einen Heckscheibenaufkleber von uns. Findest du so etwas von den Hosen oder den Ärzten? Nein, natürlich nicht. Und warum? Weil die Onkelz Kult sind!"

Campinos Überraschungs-Auftritt im Hackerzelt

Campinos Überraschungs-Auftritt im Hackerzelt

Diese Onkelz-Attacken dürften den Hass mit den Ärzten und den Hosen (wieder mal) neu entfachen.

Ein Rückblick auf die Höhepunkte im Onkelz-Hosen-Ärzte Streit:

Im 1993 erschienen Ärzte-Song "Schrei nach Liebe" (fehlt bei keinem Konzert) singt Farin Urlaub über die Plattensammlung eines Skinheads: "Zwischen Störkraft und den Onkelz steht ne Kuschelrock-LP." Als Frontmann Farin auf zahlreichen Ärzte-Konzerten (und auf dem 2002 erschienenen Unplugged-Album "Rock 'n' Roll Realschule") die veränderte Textzeile "Zwischen Störkraft und den andern steht ne Kuschelrock-LP" sang, dachten viele, dass sich die Sicht der Berliner auf die Frankfurter geändert habe.

Farin Urlaub: "Ich mag die nicht"

Denkste! 2004 erklärte Farin Urlaub in einem Interview unmissverständlich: "Wir haben daraufhin tatsächlich begeisterte E-Mails von Onkelz-Fans gekriegt, mit dem Tenor ‚Endlich habt Ihr’s verstanden!‘. Was ich eigentlich meinte, war viel härter: ‚Störkraft und die anderen‘ – das ist für mich noch viel deutlicher, dass die Onkelz 'ne Naziband sind. Wir singen jetzt auch wieder ‚Onkelz‘ für die ganzen Stumpfen. Ich weiche da keinen Deut von ab. Ich mag die nicht, nach wie vor."

Auch in einem Interview mit dem Punk-Magazin "Ox" sagte der Ärzte-Frontmann, als er auf die Böhsen Onkelz angesprochen wurde: "Wir wollen gar nicht über die reden. Nur noch soviel: Ich finde, das ist eine ganz schlechte Band, und jedes Wort, das man in der Öffentlichkeit über sie verliert, wertet sie nur auf. Selbst wenn ich sage, wie schlecht die musikalisch und textlich sind."

Campino: Landserheftchen-Romantik

Auch Hosen-Sänger Campino machte in der Vergangenheit keinen Hehl aus seiner Abneigung gegenüber den Onkelz. In einem "Playboy"-Interview sagte er 1996: "Die Böhsen Onkelz stehen immer noch für eine abgeschmackte Landserheftchen-Romantik, nach dem Motto: Ich möchte lieber im Kugelhagel im Freien sterben als im Sitzen im Büro."

Die offizielle Antwort der Onkelz auf diese Angriffe kam auf dem 1996 erschienenen Onkelz-Album "E.I.N.S." -  der Song "Ihr sollt den Tag nicht vor dem Abend loben" gilt als eindeutigs Kampfansage der Gruppe an die Ärzte und die Hosen. Die Ansage zu Beginn lautet: "Schöne Grüße nach Düsseldorf und Berlin", womit die Gründungsstädte der Hosen und der Ärzte gemeint sind. Und dann die unmissverständliche Ansage: "Opium fürs Volk, Scheiße für die Massen, ja Ihr habt es geschafft, ich beginne euch zu hassen, wenn ich so etwas sage, ist das nicht gelogen, Ihr sollt den Tag nicht vor dem Abend loben!"

Das Verhältnis der Hosen zu den Onkelz schien eigentlich gebessert, nachdem Campino 2003 in einem Interview auf der Homepage der Toten Hosen gefordert hatte: "Man sollte die Onkelz endlich wie jede andere Hardrock-Band behandeln."

Was wetten, dass die Onkelz Campino mit ihren Attacken wieder einen Grund gegeben haben, sie nicht mehr zu mögen?

fro

Franz Rohleder

Franz Rohleder

E-Mail:franz.rohleder@merkur.de

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