Besuch in der tz-Redaktion

David Garrett als Grenzgänger

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Gut gelaunter Redaktionsbesuch: David Garrett (33) schaute am Freitag in der tz vorbei - mit seiner Crossover-Geige.

München - Pünktlich zur Wiesn stattete Geiger David Garrett der tz einen Besuch in der Redaktion ab.

Es gibt hunderttausende hochbegabte Kinder, die ein Instrument brillant beherrschen – und es nicht bis zum Klassikstar schaffen. Es gibt ein paar Handverlesene, die die großen Konzerthallen der Welt füllen. Und es gibt David Garrett, der von der Klassik kommt und als Crossover-Star gigantisch erfolgreich ist. Pünktlich zur Wiesn stattete der 33-jährige Geiger der tz Freitag einen Besuch in der Redaktion ab. Wobei wir ihn (noch?) nicht überreden konnten, mal in einem Wiesn­zelt aufzutreten. Immerhin: „Vorstellen kann ich mir vieles“, sagt der wie immer gut gelaunte Star.

Herr Garrett, Ihre Oberarme sind ja dicker als meine Oberschenkel!

David Garrett: Haben Sie so dünne Oberschenkel?

Na ja, ich übertreibe ein bisserl. Dennoch, sehr imposant. Ohne Muckibude geht Ihr Beruf wohl nicht?

Garrett: Natürlich muss ich fit sein. Gerade, wenn man wie ich neun Monate pro Jahr unterwegs ist, permanent im Flieger oder im Auto hockt, die Verspannungen… Es gibt einfach ein gutes Körpergefühl, etwas für sich zu tun.

Wobei Ihnen das wohl nicht allzu schwer fällt, oder?

Garrett: Ich kenne eigentlich niemanden, der sich nicht überwinden muss. Keiner hat wirklich Bock, ins Fitnessstudio zu gehen. Aber Disziplin habe ich gelernt, ich bin ja schon ein paar Jahrzehnte im Geschäft. So eine Tournee ist sehr anstrengend, da ist es ziemlich wichtig, gut in Form zu sein, wenn man auf der Bühne steht. So zweieinhalb bis drei Stunden sind wir da ja voll ausgelastet.

Sie betonen gerne, dass Sie bei jedem Programm noch einen drauflegen wollen. Die Messlatte legen Sie sich also selbst ziemlich hoch!

Garrett: Ja, das muss so sein. Immer toppen, egal, ob Crossover oder Klassik. Schneller, höher, weiter.

Auch bei Klassik?

Garrett im Gespräch mit Redakteur Matthias Bieber.

Garrett: Das ist schon sehr fordernd, wenn man zwei Stunden durchgehend musiziert. Normalerweise gibt’s eine Ouvertüre, dann kommt der Geigensolist mit einem Konzert, und nach der Pause erklingt eine Symphonie. Der Geiger steht also ungefähr 40 Minuten auf der Bühne. Bei meinen Klassik-Konzerten spiele ich zwei, drei Violinkonzerte oder ein großes und viele kleine Stücke. Das ist mein Anspruch, und ich glaube, das Publikum rechnet mir das hoch an. Ich will immer an die Grenzen gehen und wissen: Wie weit kannst du dich körperlich und geistig pushen?

Und nach einem Auftritt?

Garrett: Fällt die Anspannung abrupt ab, und man kann schon in ein Loch fallen.

Bei Klassik und Crossover?

Garrett: Im Prinzip ja. Aber bei Klassik ist das stärker. Weil die Körperspannung durchgehend hoch sein muss, um dem Orchester Paroli zu bieten. Beim Crossover gibt es auch Passagen, wo man sich zurücklehnen kann. Und: Natürlich hilft hier der Verstärker. Bei Crossover ist das quasi wellenförmig, bei der Klassik durchgehend auf hohem Level.

Und was erwartet den geneigte Fan im Oktober in der Olympiahalle?

Garrett: Alles! Alles, neu, noch imposanter – und ein tolles musikalisches Niveau. Das ist alles 100-prozentig neu. Obwohl das eigentlich gar nicht so geplant war.

Warum nicht?

Garrett: Ich wollte ursprünglich mit einem Best-of auf Tour gehen. Doch während der vergangenen Reisen durch die USA und Asien entstanden zwischen mir und meinen Kollegen viele Ideen, so dass schließlich 28 neue Demos herauskamen. Jetzt bin ich ein bisschen angespannt.

Warum?

Garrett: Weil in jedem Künstler tief drinnen eine Stimme ist: „Hoffentlich gefällt’s den Leuten!“

Und was wird gespielt?

Garrett: Etwa Mozart, Verdi, Beethoven, Bon Jovi, Metallica, Deep Purple. Wichtig ist, dass die Stücke auf der Geige funktionieren und die Arrangements sitzen. Es muss flashen!

Wie sieht ein perfekter Song aus?

Garrett: Da gibt’s kein Geheimrezept. Das ist wie beim Fußball: Nicht drüber nachdenken, rein mit dem Runden ins Eckige.

Für unsere weiblichen Leser: Wie ist der momentane Beziehungsstand?

Garrett: So, wie er immer ist. Ich halte das vage. Aber Sie können sich vorstellen, dass eine Beziehung schwierig ist, wenn man permanent unterwegs ist. Und dass ich mal alt, grau und einsam bin, fürchte ich nicht: Ich habe Freunde und die Musik.

Matthias Bieber

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