Eurovision Song Contest

Conchita Wurst: Ihr schönster Moment war privat

Conchita Wursts schönster Moment war ganz privat.
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Conchita Wursts schönster Moment war ganz privat.

Wien - Conchita Wurst hat sensationell für Österreich den Eurovision Song Contest in Kopenhagen gewonnen.  Ihr schönster Moment in diesem Jahr war jedoch ein ganz privater.

Der Sieg der österreichischen Dragqueen Conchita Wurst (26) im Mai beim Eurovision Song Contest in Kopenhagen wurde vielfach als Sieg der Toleranz gewertet. Weshalb ihr das aber eigentlich zu wenig ist, was ihr vom vergangenen Jahr in Erinnerung bleibt und wie es im kommenden Jahr weitergehen soll, erzählt Wurst im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

- Conchita, wenn du auf das Jahr zurückblickst, wie siehst du 2014?

Antwort: Ich wusste definitiv, dass 2014 ein spannendes Jahr wird. Die Tatsache, dass ich ausgesucht wurde, um für Österreich am Song-Contest teilzunehmen, war für mich schon eine große Sache. Ich liebe den Song Contest, seit ich denken kann. Dort dabei sein zu dürfen, war für mich der Wahnsinn. Damit wusste ich, dass 2014 spannend wird, aber damit gerechnet, dass es so unglaublich wird, habe ich nicht.

- Gab es auch Momente, in denen dir der Rummel zu viel wurde? 

Antwort: Mein Team und ich sind ganz gut darin, zu entschleunigen. Das haben wir von Anfang an gemacht. Manchmal kann es schon viel auf einmal werden, aber ich hatte immer genug Ruhephasen. Von mir aus kann es so bis ans Ende meines Lebens weitergehen. Es darf sogar ruhig noch ein bisschen mehr werden!

- Bereust du etwas?

Ich habe den Luxus, sagen zu können, dass ich noch nie etwas in meinem Leben bereut habe. Ich habe in gewissen Gesprächen oder Situationen sicher unklug gehandelt. Das kann man bereuen, aber meist braucht es vielleicht nur eine Entschuldigung, um es wieder gutzumachen.

- Ragt ein Erlebnis im vergangenen Jahr für dich besonders heraus?

Nach meinem ESC-Sieg habe ich Leute kennengelernt, von denen ich nie dachte, mal im selben Raum mit ihnen zu sein. Plötzlich war alles möglich. Einer der schönsten Momente war aber eigentlich ganz klein: Kurz nach der Rückkehr aus Kopenhagen habe ich meine Oma angerufen. Sie hat allerdings nur ins Telefon geweint, gesagt, dass sie nicht reden kann, und aufgelegt. Ich kam nicht einmal dazu, etwas zu sagen. Aber ich fand das so entzückend, weil sie aus Freude geweint hat.

- Hast du Angst, dich immer am Erfolg beim ESC messen lassen zu müssen?

Antwort: Der Song Contest war der bisherige Höhepunkt meiner Musikkarriere. Ich will aber nicht, dass es der einzige Höhepunkt bleibt. Ich will einen Grammy. Ich denke, in der Musikbranche ist man immer nur so gut wie das letzte Produkt. Ich glaube, dass man sich täglich daran messen lassen muss.

- Wie sieht es mit deinem neuen Album aus?

Antwort: Ich werde Januar und Februar im Studio sein, um das Album aufzunehmen. Es wird einfach Zeit. Es gab aber vorher so viele Dinge, die ich erleben wollte. Ich wollte auf nichts verzichten, deshalb hat es länger gedauert. Auf einen Termin werde ich aber auch in dieser Zeit nicht verzichten: Ich bin zu den Golden Globes eingeladen, so lange muss die Albumproduktion ruhen.

- Gibt es schon einen Veröffentlichungstermin?

Antwort: Nein. Es liegen schon einige Songs auf dem Tisch. Ich schreibe die Songs ja nicht selbst, sondern sie werden mir vorgelegt und müssen mir in einer Demoversion gefallen. Das macht die Auswahl nicht leicht.

- Gibt es für das Album ein Konzept?

Antwort: Es ist noch offen, welcher Rote Faden sich dann am Ende durchziehen wird. Ich will über nichts Sinnentleertes singen. Songs über gescheiterte Beziehungen werden auch dabei sein, das gehört dazu. Ich liebe auch Orchestrales und dramatische Hymnen. Wir werden sehen, wie gut ich das alles unter einen Hut bekomme.

Frage: Dein Sieg beim ESC wurde auch als Sieg der Toleranz gewertet. Hast du das Gefühl, dass sich seitdem wirklich etwas bewegt hat?

Antwort: Ja. Viele Menschen haben mir seitdem, ihre Geschichten erzählt, daher weiß ich, dass sich einiges geändert hat. Mein Sieg beim ESC war sicher ein Statement. Aber ein Statement allein reicht nicht, um eine Gesellschaft zu verändern. Das ist ein langer Weg. Ich fürchte fast, dass das eine Lebensaufgabe für mich wird.

- Begegnen dir Leute mittlerweile anders?

Antwort: Nein. Leute, die bösartige Kommentare abgeben, haben selten den Mut, mir das ins Gesicht zu sagen. Die Menschen, die mit mir reden wollen, tun dies, weil sie etwas in mir sehen, das ihnen gefällt. Insofern ist alles gleichgeblieben. Es wollen jetzt bloß mehr Menschen mit mir reden.

- Wie sieht eigentlich dein Leben jenseits von Conchita aus?

Antwort: Ich werde ohne Make-up und Perücke zum Glück immer noch kaum erkannt. Ich genieße das sehr. Mein Privatleben soll auch mein Privatleben bleiben. Tom macht keine Fotos, Tom gibt nur selten Autogramme. Im Ausland erkennt mich ohne Make-up niemand. In Österreich ist es öfter passiert, dass mich Menschen ansprechen, das ist auch kein Problem. Ein Problem wird es aber, wenn ich sage, dass ich ohne Make-up keine Fotos mache und mir dann Unverständnis entgegenschlägt. Da verstehe ich nicht, wieso man das nicht einfach akzeptieren kann.

- Wo endet eigentlich für die Toleranzbotschafterin Conchita Toleranz?

Antwort: Zum einen bin ich keine Botschafterin. Ich mache das alles aus sehr egoistischen Gründen, weil ich nicht anders kann. Ich kämpfe für Gerechtigkeit, weil ich mich dann besser fühle. Zum anderen ist Toleranz für mich mittlerweile eigentlich zu wenig. Ich will nicht toleriert werden, ich will akzeptiert werden. Ich will nicht geduldet werden, ich will respektiert werden. Ich versuche auch, allen Menschen diesen Respekt gegenüberzubringen.

- Hat sich nach dem Erfolg dein Verhältnis zu Geld verändert?

Antwort: Ich zitier da gern meine Großmutter: „Über Geld spricht man nicht.“ Ich war aber vor und nach dem Song Contest nie ein Mensch, der Geld mit beiden Händen zum Fenster rausgeschmissen hat.

- In welcher Form wirst du 2015 beim Song Contest in Wien dabei sein?

Antwort: Ich habe mein ganzes Menu noch nicht bestellt. Ich denke, dass es darauf hinauslaufen wird, dass ich singe, eine Trophäe übergebe und vielleicht noch ein wenig mit den Kandidaten plaudere. Das wäre mein Wunschpaket. Von der Moderation habe ich mich verabschiedet, das wäre wohl alles ein bisschen zu viel. Aber es ist ja auch nicht der letzte Song Contest.

ZUR PERSON: Conchita Wurst (26) heißt bürgerlich Tom Neuwirth. Er wurde am 6. November 1988 in Gmunden (Oberösterreich) geboren und wuchs in der 3000-Seelen-Gemeinde Bad Mitterndorf in der Steiermark auf. Mit 14 Jahren ging er ins Internat nach Graz und besuchte die Modeschule. 2011 gab er seiner Kunstfigur Conchita Wurst den letzten Schliff und machte erste Schlagzeilen bei der ORF-Talentshow „Die große Chance“. Am 10. Mai 2014 gewann Conchita den Eurovision Song Contest in Kopenhagen mit der pompösen Ballade „Rise Like A Phoenix“.

dpa

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