Ewiger Lausbub: Thomas Gottschalk wird 60

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Blonde Locken und schrille Outfits sind sein Markenzeichen: ZDF-Moderator Thomas Gottschalk wird 60 Jahre alt.

Frankfurt/Main - Kaum zu glauben: Thomas Gottschalk wird 60. Warum eine TV-Hommage für den Moderator das Schlimmste wäre - und wie lange er noch "Wetten dass..?" moderieren will...

Thomas Gottschalk und die Alterszahl 60 zusammen zu denken, ist gewöhnungsbedürftig. Gefühlt sei er höchstens 25 und “im Herzen ein echter Rocker“, meint seine Ko-Moderatorin Michelle Hunzinger. Echt alterlos ist unbestreitbar sein Abbild im Berliner Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds: Dort soll am Gottschalk-Geburtstag am Dienstag eine “Stadtwette“ über die Bühne gehen: 60 Männer mit blonden Locken und 1,90 Meter Körperlänge sollen ihre Ähnlichkeit mit dem Show-Star beweisen.

Der lebendige Gottschalk hat nur enge Freunde zur Geburtstagsfeier nach New York eingeladen. Eine Show zu seinen Ehren verbittet er sich: “Das Allerschlimmste wäre für mich, dass ich da nun auf einen Thron gesetzt werde und es kommen die ganzen Lemuren meiner Kindheit vorbei, und Gus Backus singt noch mal 'Haben sie schon mal den Mann im Mond geseh'n?'.“ Lieber ließ er das ZDF für seine Show “My Swinging Sixties“ sein “Jugendidol“ aufspüren: Peter Noone, in den 60er Jahren Sänger der Herman's Hermits.

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Gottschalk moderierte in Lederhose und Rüschenhemd unter einem karierten Mantel und stand auf goldenen hochhackigen Stiefeln. Seine Frage “Kann ein Mann über 50 noch Rüschen tragen?“ war wie stets nur rhetorisch gemeint. Mögen sich Gleichaltrige irgendwann den gesellschaftlichen Erwartungen anpassen, er bewahrt sich bruchlos die Haltung seiner Jugendzeit.

Sein Stil ruft inzwischen nicht mehr nur Verwunderung hervor. Der 43-jährige Modedesigner Michael Michalsky lobt seine Kleidung in der aktuellen “Gala“ als “ausgesucht, stylish und geschmackssicher“: Er nennt Gottschalk eine “Lichtgestalt“ im Gegensatz zum Bedürfnis der Deutschen, ja nicht aufzufallen oder anzuecken. 

Für einen flotten Spruch gibt sich Thomas Gottschalk sogar selbstkritisch - etwa wenn er über seine Anfänge sagt: “Ich war bescheuert angezogen und hatte eine dämliche Frisur.“ Er ist nach eigenen Worten “immer auf Sendung“, seine Frau habe damit “jeden Tag zwölf Stunden Fernsehen“. Thea Gottschalk sagte einmal auf die Frage, was sie immer an ihm geliebt habe: “Dass er keinen Witz zweimal macht.“ Schlechte Laune lässt er bei keinem Zuschauer gelten: “Das ist bei mir krankhaft missionarisch: Wenn ich drei Miesepeter sehe, sage ich mir: Euch mische ich auf“, sagte er in einem viel zitierten Interview der “Süddeutschen Zeitung“. Er verlässt sich dabei auf seine Spontaneität. “Solides Briefing, gründliche journalistische Präparierung steht bei ihm im Verdacht, ein Korsett zu sein, das ihn hindert, seine Moderation spontan und leichtfüßig vorzutragen“, schreibt sein Biograf Gert Heidenreich.

Gottschalk traut sich viel zu: So sang er wegen einer verlorenen Wette in Mozarts “Zauberflöte“ im Chor der Komischen Oper Berlin, verbrachte eine Nacht in einer Zelle des Bremer Gefängnisses und besuchte im Weihnachtsmann-Kostüm ein Wiener Bordell. Er hätte auch im Bundestag geredet, wenn ihn dessen damaliger Präsident Wolfgang Thierse nicht gebremst hätte. Immerhin ist der Showmaster in einer Liga mit dem Papst: Gottschalk erhielt 2001 den Karl-Valentin-Orden und wurde damit ein “Ordensbruder“ des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger, wie der Laudator Hans-Dietrich Genscher sagte.

Fast zwangsläufig ist Thomas Gottschalk erst “Kult“ und im Lauf der Jahrzehnte eine “Legende“ geworden. Den Status hat er anscheinend anstrengungslos erreicht. “Ich war auch nie fleißig und habe nie richtig gelitten, weil ich immer den Weg des geringsten Widerstands gegangen bin“, sagte er dem “Stern“. “Und obendrein hatte ich auch noch Riesenschwein.“ Bisher hat er 140 der 188 “Wetten, dass...?“-Ausgaben moderiert (Frank Elstner kommt auf 39, Wolfgang Lippert auf 9).

Sein Vertrag mit dem ZDF läuft bis Ende 2012. Gottschalks ernsthafte Antwort auf die Frage “Wie lange noch?“ lautet so: Die Show sei “zur Größe verdammt. Solange diese zu erreichen ist, bin ich der Letzte, der sagt: Ich lasse es. Und solange ich keinen sehe, der das, was ich mache, besser macht, so lange gibt es keinen Grund, es nicht selbst zu machen.“

Gottschalk hat seinen Namen noch nie gegoogelt, weil er sich sonst ärgern würde. “Manchmal nervt mich auch die Rotznasigkeit jugendlicher Online-Journalisten, die alles wegbügeln wollen, was über 40 ist.“ Er weiß, dass ihm sein Publikum treu bleibt: “Die Zielgruppe, die mit mir aufgewachsen ist, wird ihren Draht zu mir nie verlieren und umgekehrt ich genauso wenig.“ Aber die Uhr tickt auch für ihn, das ist ihm bewusst: “Ich bin ja nicht unsterblich, auch wenn ich überraschenderweise so aussehe.“

dpa

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