Musikalische Vergangenheitsbewältigung

Erkennen Sie dieses Ex-Boyband-Mitglied?

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Kaum wiederzuerkennen ist Lee Baxter, der in den 90er-Jahren als Mitglied der Boyband "Caught in the act" Mega-Erfolge feierte.

Hamburg - Als Boyband-Mitglied war Lee Baxter in den 90ern ein Superstar. Nach dem Aus verlor er erst sich selbst und dann sein Hab und Gut. Jetzt versucht er ein Comeback.

Sein Poster zierte die Wände unzähliger Mädchenzimmer. Seine weiblichen Fans kreischten auf den Konzerten und fielen verzückt in Ohnmacht. In den 90er Jahren war der heute 43 Jahre alte Baxter Sänger der Band "Caught in the Act" und bewegte sich mit seinen Bandkollegen Benjamin, Bastiaan und Eloy synchron zu Liedern wie „Love is Everywhere“. Das ist inzwischen zwei Jahrzehnte her.

„Wir standen immer unter dem Druck, für jeden einzelnen Song zu konkurrieren“, sagt er im Interview der Nachrichtenagentur dpa. „Es ist mir schwergefallen, mich an die Situation zu gewöhnen, obwohl ich nach Erfolg strebte. Als es dann wirklich passierte, war es, als habe mir jemand den Boden unter den Füßen weggezogen.“ Von einem Konzert zum nächsten, ständig unter Beobachtung.

In den 90er-Jahren gehörten "Caught in the act" (v.l.n.r.: Eloy de Jong, Baastian Ragas, Benjamin Boyce, und Lee Baxter) zu den Größten im Musik-Business.

Nach dem Aus der Band habe es eine Zeit gegeben, in der er nicht an "Caught in the act" erinnert werden wollte, Baxter änderte sogar seinen Namen: "Ich wollte einfach alles vergessen, weil die Zeit und die Zeit nach dem Aus für mich auch viel Schmerz bedeuteten." Baxter versuchte "verzweifelt" als Solo-Künstler an den Erfolg anzuknüpfen. Als das nicht klappte, nahm der 43-Jährige sich selbst eine "Auszeit" und versuchte, sich "auch spirituell zu finden". "Irgendwann hatte ich dann kein Geld mehr, musste mein Haus verkaufen, nach Großbritannien zurückziehen und quasi von Null anfangen." Er nahm sich einen Schauspielagenten und spielte Theater - als Collin Baxter."

Single als Vergangenheitsbewältigung

Aber dann merkte er, dass die Fans immer noch da sind. Viele von ihnen würden bis heute auf ein Comeback der Band hoffen, so Baxter. Der Gedanke, dass ihre Anhänger "uns niemals gehen lassen würden", habe ihm "wirklich Angst gemacht". Doch heute sei er "unglaublich dankbar für die Loyalität".

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In der Single „For What It's Worth“, die in den kommenden Tagen erscheint, verarbeitet der Sänger seine Vergangenheit: "In dem Lied geht es darum, zu vergeben und zu vergessen und weiterzumachen." Das Video dazu ist mit bislang unveröffentlichten Aufnahmen aus der besten "Caught in the Act"-Zeit gespickt - von Tourneen in Asien etwa, sowie mit Backstage-Material. Der Clip sei auch ein Versöhnungsangebot an seine ehemaligen Bandkollegen, mit denen er seit Jahren keinen Kontakt hat. Es habe damals viele Spannungen gegeben und Dinge, die unausgesprochen blieben. "Ich denke aber, nach mehr als 20 Jahren sollten wir mal sagen: Schwamm drüber.“

20 Jahre danach: Was wurde aus "Caught In The Act" und Co?

Die einen nennen es ein dunkles Kapitel der Musikgeschichte, für die anderen war es die Zeit ihres Lebens: In den 90er Jahren brachen synchron tanzende Jünglinge mit glatt rasierter, eingeölter Brust über den deutschen Musikmarkt herein und versetzten zwölfjährige Mädchen von Flensburg bis Rosenheim in Ekstase.

Während die ganz Großen wie "Take That", die "Backstreet Boys" und ab und an auch "New Kids On The Block" heute noch Konzerthallen mit in Nostalgie schwelgenden Frauen mittleren Alters füllen, sind viele der Stars von damals heute aber in der Versenkung verschwunden.

"Bed & Breakfast", "Worlds Apart", "East 17", "N'Sync", "Touché" - nur die Älteren erinnern sich. Heute kreischen die Teenies bei "One Direction". Und aus den tanzenden Jungs von damals sind heute Männer geworden, von denen nicht alle glücklich an die Zeit als Teenie-Schwarm denken.

Bed & Breakfast: "Wir wollten Spaß haben - und den hatten wir"

Die Band "Bed & Breakfast" („Stay Together“) verkaufte einst Hunderttausende Platten, hat aber heute keine 500 Likes bei Facebook. Und von den Mitgliedern Florian Walberg, David Jost und Kofi Ansuhenne ist heute nur noch Daniel Aminati bekannt, weil der bei ProSieben „Galileo“ moderiert und „Taff“ und beim „Promi-Boxen“ einmal gegen Nico Schwanz gewann. Ansuhenne schrieb in der Rubrik „Einestages“ für „Spiegel Online“: „Es war anstrengend, aber aufregend. Später sagte man uns nach, die erste erfolgreiche Boyband aus Deutschland gewesen zu sein. Zahlen und Superlative interessierten uns nicht wirklich, wir wollten Spaß haben - und den hatten wir. Satt!“

Morddrohungen gegen die Freundin des Mädchenschwarms

Spaß gab es zwar auch bei "Caught In The Act", jener niederländisch-britischen Band, die mit Liedern wie „Love Is Everywhere“ Erfolg hatte und vor allem von Teenager-Jungs gerne als „Erwischt beim Akt“ verspottet wurde. Die Moderatorin Aleksandra Bechtel war damals mit Baxters Bandkollegen Benjamin Boyce zusammen. „Es war furchtbar, mit einem Mädchenschwarm liiert zu sein“, sagt sie in der Vox-Dokumentation „Das Phänomen Boygroups“, die am 26. Juli ausgestrahlt werden soll. „Ich habe Morddrohungen erhalten. Fans haben meine Autogrammkarten an Viva geschickt, mir mit Zigaretten die Augen ausgebrannt und geschrieben: "Du Schlampe, wir hängen dich am nächsten Baum auf!".“

Backstreet Boys: Depressionen, Drogen und Alkoholsucht

Wohl auch aus diesem Grund versteckten die "Backstreet Boys" ihre Freundinnen damals. Heute stehen sie zwar immer noch auf der Bühne - aber zu eigenen Konditionen. „Natürlich durften wir anfangs unsere Freundinnen nicht zeigen, aber irgendwann haben wir sie nicht mehr versteckt“, sagt der heute frisch verheiratete Nick Carter, der im vergangenen Jahr seine Biografie veröffentlichte, in der er von Depressionen, Drogen und Alkoholsucht schreibt, in der Vox-Dokumentation.

Sein Bandkollege A.J. McLean erinnert sich: „Jack Daniel's und Kokain und all diese Sachen wurden meine besten Freunde.“ Und Kevin Richardson sagt: „Es gibt einen Punkt, an dem du merkst: Wir müssen eine Pause machen oder ich werde verrückt.“

dpa

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