Filmstar der 50er

Schauspielerin Ruth Leuwerik ist tot

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Ruth Leuwerik im Jahr 2004 in Münster.

München - Anfangs stand Ruth Leuweriks Filmkarriere unter keinem guten Stern. Nicht fotogen genug, hieß es. Ein Irrtum, wie die Schauspielerin bald klar machte. Nun ist Leuwerik in München gestorben.

Für das Kinopublikum der Nachkriegsjahre und Wirtschaftswunderzeit war Ruth Leuwerik der Inbegriff der „idealen Frau“: Selbstbewusst, eigenständig und voller Herzenswärme waren die Charaktere, mit denen sie auf der Leinwand zu sehen war. „Die Trapp-Familie“ mit ihr als angehender Nonne, die sich um die Kinder eines adeligen Witwers kümmert und mit Gesang fasziniert, war ein Riesenerfolg, aber auch Filme wie „Königliche Hoheit“ oder „Königin Luise“ ernteten viel Lob.

Mit starken Frauenrollen wurde die Film- und Theaterschauspielerin in den 50er Jahren zum Vorbild einer Generation. Am Dienstag ist Leuwerik, die in München lebte, im Alter von 91 Jahren gestorben.

„Die ideale Frau“ lautete der Titel eines Filmes von 1959, in dem Leuwerik als Bürgermeisterin auftrat - für damalige Verhältnisse ziemlich ungewöhnlich. Auch als Fotomodell, Unternehmerin, Ärztin, Opernsängerin, Fotoreporterin oder Lehrerin stand sie vor der Kamera.

In ihren zahlreichen Rollen als beruflich erfolgreiche Frau war sie weniger die leidenschaftliche Geliebte als vielmehr eine treue Kameradin, die ihre Filmmänner unterstützte, ohne sie herauszufordern. Und die trotz aller Liebe unabhängig blieb und nicht zum hübschen, ergebenen Anhängsel eines Mannes mutierte.

„Die Frauen bilden das Gros des Filmpublikums. Und diese Frauen können sich mit den Problemen, die ich auf der Leinwand habe, identifizieren“, sagte die Darstellerin 1962 auf der Höhe ihres Erfolgs. Eine Femme fatale dagegen war sie nicht und wollte sie auch nicht sein, wie sie selbst einmal bekannte.

Geboren wurde Leuwerik am 23. April 1924 in Essen, als Tochter eines Kaufmanns. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie dienstverpflichtet als Fräserin. Danach arbeitete sie als Stenotypistin. Schon damals reizte sie das Schauspiel. Sie nahm Privatunterricht und erhielt 1947 ihr erstes Engagement.

Über Bremen und Lübeck kam sie 1949 an das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg, wo sie bis 1953 blieb. Besonderen Erfolg hatte sie in Jean Anouilhs „Eurydike“, die sie auch 1955 am Düsseldorfer Schauspielhaus verkörperte. Auch als Gretchen in Goethes „Faust“ bekam sie Beifall.

1950 startete Leuwerik ihre Filmkarriere - bei „13 unter einem Hut“. Eine turbulente Komödie, allerdings nicht für Leuwerik. „Ich spielte unter zwölf Komikern die 13. - Nicht-Komikerin“, sagte sie später in einem Fernsehinterview. Danach kamen erst mal keine weiteren Angebote, sehr zur Verwunderung der Schauspielerin. Nach einiger Zeit habe sie jedoch mitbekommen, was in der Filmbranche über sie geredet wurde: „Die Kleine ist zwar begabt, aber sie ist absolut unfotogen.“

Wirklich? Thomas Mann war von ihrer Schauspielkunst ebenso angetan wie von ihrem Aussehen - und lobte sie als „Frau von beträchtlicher Ansehnlichkeit“. Auch den Verantwortlichen in der Filmbranche dämmerte bald, dass Leuwerik doch einiges zu bieten hatte.

1953 gelang der attraktiven Endzwanzigerin der Durchbruch, wirkte sie doch gleich an vier Produktionen mit, darunter auch „Königliche Hoheit“ nach einem Roman von Thomas Mann.

Mit Dieter Borsche bildete sie das Filmtraumpaar jener Tage, neben zum Beispiel Maria Schell und O.W. Fischer oder Romy Schneider und Karlheinz Böhm aus den „Sissi“-Filmen. Kaum eine Schauspielerin war damals so oft auf den Titelseiten der Zeitschriften zu sehen wie Ruth Leuwerik.

Nur wenige Jahrzehnte währte ihre Filmkarriere, in etwa 30 Streifen spielte sie mit: Komödien, Melodramen und Literaturverfilmungen.

1955 gab sie die Effi Briest in dem Drama „Rosen im Herbst“ nach Theodor Fontanes Roman. Damit gehört sie zur Riege berühmter Effi-Darstellerinnen wie auch Marianne Hoppe, Hanna Schygulla oder Angelica Domröse.

Sie bekam auch einige Auszeichnungen, darunter mehrere Bambis und der Bundesfilmpreis für „Geliebtes Leben“. Für ihre Rolle als Ärztin in „Taiga“ wurde sie zudem bei den Filmfestspielen in San Francisco als beste Schauspielerin geehrt.

Zu ihrem 80. Geburtstag im Jahr 2004 überreichte ihr der damalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) die Medaille „München leuchtet“. Ihre Leistung fasste er so zusammen: „Sie hat eine „Brücke zum Herzen“ aller geschlagen.“

Leuwerik interessierte sich jedoch nicht nur für die heitere Seite des Films, sondern auch für gebrochene Charaktere, für die dunklen Seiten von Figuren. Doch ein Image-Wechsel gelang ihr im Film nicht mehr. In den 60er Jahren zog sich Ruth Leuwerik mehr und mehr zurück.

Man sah sie noch in einigen Produktionen. Auch im Fernsehen, etwa in der Krimireihe „Derrick“ und 1979 als Konsulin in der Serie „Die Buddenbrooks“ nach Thomas Mann war sie zu sehen. Doch der „Neue Deutsche Film“ konnte mit dem Star der 50er Jahre wenig anfangen - und vielleicht auch umgekehrt.

Drei Mal war Leuwerik verheiratet: mit dem Schauspieler Herbert Fleischmann, dem Sänger Dietrich Fischer-Dieskau und mit einem Arzt. Sie liebte Bücher und Antiquitäten. Zuletzt lebte sie zurückgezogen in München. Selbst zu ihrem 90. Geburtstag im Jahr 2014 hatte sie keine große Feier geplant. Stattdessen kommentierte sie den Ehrentag staunend: „In dem hohen Alter ist es ein Wunder, dass ich noch da bin.“

dpa

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