Hans-Werner Meyer im tz-Interview

Darum brennt es am Stachus

+
Hans-Werner Meyer (re.) beim Filmfest am Stachus.

München - Am Stachus steigt am Freitagabend das große Filmfest. Im tz-Interview erklärt Schauspieler Hans-Werner Meyer, warum er mit Kollegen für bessere Bedingungen in der Branche kämpft.

Der rote Teppich ist ausgerollt. München ist im Filmfestfieber und auch am Stachus fährt am Freitagabend eine dicke Stretchlimo vor. Schauspielerin Jule Ronstedt und ihr Kollege Hans-Werner Meyer steigen aus der noblen Karosse. Was für ein hübsches Event – wäre da nicht ein brennender Mann, der sich taumelnd seinen Weg über den roten Teppich bahnt. Eine spektakuläre Szene, inszeniert von Berufsverbänden und Gewerkschaften der Film- und Fernsehbranche, die mit dem Aktionsbündnis Es brennt auf die Missstände in ihrem Geschäft aufmerksam machen wollen. Die tz sprach mit Schauspieler Hans-Werner Meyer, der mit seinen Kollegen für bessere Bedingungen und mehr Qualität kämpft.

Herr Meyer, Sie sind im Vorstand des Bundesverbandes der Film- und Fernsehschauspieler und rufen mit der spektakulären Aktion „Es brennt“ am Stachus zum Protest auf. Warum?

Hans-Werner Meyer: Weil wir uns in einer prekären Situation befinden: Die Budgets und Sendeplätze für fiktionales Programm sinken. Zeitgleich werden die Produktionsbedingungen schlechter: An immer weniger Drehtagen wird immer länger gedreht. Und ­alle Beteiligten bekommen weniger Geld.

Wen trifft es besonders hart?

Meyer: Es trifft uns alle, aber natürlich leidet besonders das Filmteam. All jene, die für kleines Geld schuften, frühmorgens und spätabends auf- und abbauen und nach einem 14-Stunden-Tag noch ihre Transporter nach Hause fahren müssen.

Was müsste sich ändern?

Meyer: Die Wertschätzung. Das Bewusstsein, dass Kultur ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesellschaft ist. Aber da wird auf so vielen Ebenen eingespart. Leider gibt es auch bei den Programmverantwortlichen keine oder zu wenig echte Reformanstrengungen. Die öffentlich-rechtlichen Sender machen sich nicht klar, dass sie einen Kultur- und keinen Konkurrenzauftrag haben.

Glauben Sie denn, dass Ihre Aktion aufrütteln kann?

Meyer: Ich hoffe es, und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Ich glaube, wir müssen etwas tun, um in Zukunft eine fiktionale Qualität made in Germany gewährleisten zu können. Dass wir das Zeug dazu haben, zeigen so erstklassige Produktionen wie Unsere Mütter, unsere Väter.

Sie sind schon einige Jahre erfolgreich im Film- und Fernsehgeschäft. Was hat sich verändert?

Meyer: Früher wurden selbstverständlich Reise- und Übernachtungskosten für Castings übernommen. Heute müssen viele Schauspieler die selbst tragen, nicht selten sogar, wenn sie arbeiten. Gleichzeitig befinden sich die Gagen im freien Fall. Zwei Drittel der Schauspieler verdienen weniger als der Bundesdurchschnitt. Parallel steigt das tägliche Drehpensum und die Zeit für Drehbuchentwicklung und Vorbereitung wird weniger. Ich weiß, dass wir in einer Neidgesellschaft leben, in der viele glauben, dass Schauspieler wenig arbeiten und immer noch genug dafür verdienen, schließlich geht es den meisten Menschen schlechter als früher. Aber noch mal: Ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit ist die Wertschätzung. Und die drückt sich eben auch in den Rahmenbedingungen aus. Wenn ein Schauspieler vor der Kamera wie ein Adler fliegen soll, dann braucht er auch Luft unter den Flügeln.

Mit Ihrem Engagement kämpfen Sie vor allem für namenlose Schauspieler. Sie selbst sind aber gut Geschäft und könnten sich’s eigentlich gemütlich machen …

Meyer: Es ist aber nicht gemütlich, wenn’s um einen stürmt. Die – zugegeben berechtigte – Jammerei am Set ist mir irgendwann auf die Nerven gegangen. Als Schauspieler bist du die meiste Zeit in einer passiven Erwartungshaltung. Du bist darauf angewiesen, dass andere dich mögen und lebst mit der Angst, dass jedes Projekt dein letztes sein könnte. Deswegen war mir wichtig, aktiv zu werden. Nur wenn du auf das, was du machst, stolz bist und dafür kämpfst, kannst du von anderen Wertschätzung erwarten. Einfach rumsitzen und warten, dass sich die Dinge ändern, macht auf Dauer krank.

Astrid Kistner

auch interessant

Meistgelesen

Katzenberger versetzt ihre Fans mit neuer Frisur in Aufruhr
Katzenberger versetzt ihre Fans mit neuer Frisur in Aufruhr
25 Jahre nach "Nevermind": So sieht das Nirvana-Baby heute aus
25 Jahre nach "Nevermind": So sieht das Nirvana-Baby heute aus
Brangelina-Trennung: Das sagt Anistons Ehemann
Brangelina-Trennung: Das sagt Anistons Ehemann
Villa von Heinz Rühmann am Starnberger See zu verkaufen
Villa von Heinz Rühmann am Starnberger See zu verkaufen

Kommentare