Trauriger 70. Geburtstag

Helmut Dietl: Sein Kampf gegen den Krebs

Helmut Dietl
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Helmut Dietl wird am Sonntag 70.

München - Er galt als deutsche Antwort auf Woody Allen - Helmut Dietl gelang es immer wieder, der deutschen Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Im Alter von 70 Jahren kämpft er jetzt gegen den Krebs.

Update vom 30. März 2015: Helmut Dietl galt als einer der populärsten Filmemacher Deutschlands. Er erschuf den ewigen Stenz und Kir Royal. Jetzt starb der Kult-Regisseur in München. Er wurde 70 Jahre alt.

Er hat der Münchner Schickeria den Spiegel vorgehalten, sich über die gefälschten Hitler-Tagebücher lustig gemacht und über das „Suchen und Finden der Liebe“ sinniert. „Die einen kriegen Kinder, die anderen machen Filme. Jeder wehrt sich auf seine Weise gegen den Tod, so gut es geht“, sagte Helmut Dietl, einer der bedeutendsten deutschen Regisseure, einmal in einem Interview. Am Sonntag wird der Filmemacher 70 Jahre alt, und er kämpft gegen den Krebs.

Im November 2013 hatte er seine schwere Krebserkrankung in der Wochenzeitung „Die Zeit“ öffentlich gemacht. Einen Monat zuvor hatte er selbst die erschütternde Diagnose erhalten: Lungenkrebs mit Heilungschancen von höchstens zehn Prozent - „eher drunter“. Überrascht war er von der Krankheit nicht, wie er sagte. „Wenn man bedenkt, wie viel ich geraucht habe, dann ist es geradezu ein Wunder, dass es so lange gut gegangen ist.“ Sechs Jahre zuvor hatte er mit dem Rauchen aufgehört und bis dahin nach eigener Berechnung ungefähr eine Million Gitanes geraucht.

Im Mai hat Dietl seine Chemotherapie abgeschlossen, wie seine Ehefrau Tamara der Zeitschrift „Gala“ sagte. „Es war hart, aber wir sind am Ende damit zufrieden. Denn immerhin hat sich dadurch sein Zustand nicht noch verschlimmert.“

Kurz zuvor war Dietl beim Deutschen Filmpreis in Berlin mit der Goldenen Lola für sein Lebenswerk geehrt und mit Standing Ovations gefeiert worden. „Danke, danke, danke! Bitte setzen Sie sich hin, sonst muss ich weinen“, sagte Dietl, als sich die 1800 Gala-Gäste respektvoll von ihren Plätzen erhoben. Er dankte ausdrücklich seiner Frau. Die Tatsache, dass er an diesem Abend auf der Bühne stehe, habe er ihrer Pflege in den vergangenen Monaten zu verdanken.

Dietls letzter, mit Spannung erwarteter Film „Zettl“, die Fortsetzung seiner Kultserie „Kir Royal“, floppte 2012 zwar grandios, früher aber, zur Zeit seiner ganz großen Erfolge, wurde der Regisseur von Filmkritikern als deutsche Antwort auf Woody Allen gefeiert. Er ist der geistige Vater von Kultfilmen wie „Schtonk“ (1992) und „Rossini oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“ (1997).

Ebenso wie Woody Allen deckte der im oberbayerischen Wiessee geborene Dietl mit Vorliebe und Ironie menschliche Schwächen auf und beleuchtete gesellschaftliche Kuriositäten. Berühmt wurde er mit den Serien „Monaco Franze“ (1983) und eben „Kir Royal“ (1986).

Zu dieser sechsteiligen ARD-Gesellschaftssatire sei Dietl von Papst Benedikt XVI. inspiriert worden, sagte der WDR-Redakteur Jörn Klamroth Jahre später. Im Jahr 1984 hätten Dietl und er in einem Café ein Foto betrachtet, auf dem der damalige Kardinal Joseph Ratzinger, der CSU-Politiker Franz-Josef Strauß und ein in München bekannter Gauner abgebildet waren. „Wir beschlossen daher: Das ist Stoff für eine neue Gesellschaftssatire“, erinnerte sich Klamroth einmal.

Doch es sind nicht nur die Anderen, die Dietl in seinen Filmen beschäftigen. Im Jahr 2005 kam mit „Vom Suchen und Finden der Liebe“, einer modernen Adaption des Orpheus und Eurydike-Stoffes, eine sehr persönliche Komödie in die Kinos. Das Drehbuch dazu schrieb „Das Parfum“-Autor Patrick Süskind, der eng mit Dietl befreundet ist.

Dietl selbst ist zum vierten Mal verheiratet und hat drei Kinder mit verschiedenen Frauen. „Man darf nicht den Glauben an die große Liebe verlieren, selbst wenn die Erfahrung das Gegenteil lehrt“, sagte der Regisseur, der zehn Jahre an der Seite von „Superweib“ Veronica Ferres verbrachte, einmal. „Oder man kann sich gleich hinsetzen und auf den Tod warten.“

Dietl kam nach seinem Abitur an einem Schwabinger Gymnasium, einem abgebrochenen Studium der Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und einem Abstecher in die Münchner Kammerspiele zu Film und Fernsehen. 1973 debütierte er mit den inzwischen legendären „Münchner Geschichten“ im Vorabendprogramm. 1979 kam sein Film „Der Durchdreher“ in die Kinos und wurde mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet.

Beflügelt von diesem Erfolg versuchte Dietl Anfang der 80er Jahre sein Glück in Hollywood. Er kam aber schnell wieder zurück und wurde in Deutschland zu einem der erfolgreichsten und populärsten Film- und Fernsehmacher. Der Bayerische Rundfunk ehrt ihn zu seinem 70. Geburtstag mit einem Sonderprogramm.

Als die Nachricht vom Lungenkrebs über ihn hereinbrach, arbeitete Dietl an einem Film mit dem österreichischen Humoristen Josef Hader. Das Drehbuch thematisiert auch den Schlaganfall, den Dietl im Jahr 2007 erlitt. Der Arbeitstitel lautet nach Angaben des BR: „Ich freu mich, wenn es regnet.“ Es ist ein Karl-Valentin-Zitat, das so weitergeht: „... weil wenn ich mich nicht freu', regnet's auch.“

dpa

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