Kollegen würdigen den großen Regisseur

Trauer um Dietl: "Der Himmel über Schwabing weint"

München - Vor rund anderthalb Jahren machte Helmut Dietl seine schwere Krebserkrankung öffentlich. Wie kein anderer hielt er München den Spiegel vor. Nicht nur diese Stadt weint jetzt um ihn.

Er war einer der bedeutendsten Regisseure Deutschlands: Helmut Dietl ist tot. Er starb im Alter von 70 Jahren, wie engste Familienkreise der Deutschen Presse-Agentur bestätigten. Nach Informationen von „Zeit Online“ waren seine Angehörigen bei ihm, als er am Montagmittag in seiner Münchner Wohnung starb.

Vor knapp eineinhalb Jahren hatte der einst starke Raucher seine schwere Lungenkrebs-Erkrankung öffentlich gemacht. „Wenn man bedenkt, wie viel ich geraucht habe, dann ist es geradezu ein Wunder, dass es so lange gut gegangen ist“, sagte er damals im Interview der „Zeit“. Erst im vergangenen Jahr aber, als er den „Bambi“ für sein Lebenswerk bekam und das Publikum ihn mit Standing Ovations feierte, hatte er noch gesagt, er habe die 960 000 Zigaretten, die er in seinem Leben geraucht habe, überlebt - und könne nun den Lebenswerk-Preis in Empfang nehmen. „Wenn Sie in zehn Jahren wieder einen Lebenspreis zu vergeben haben - ich bin bereit.“

Bully Herbig: "Bin unfassbar traurig"

Sein Kollege Michael „Bully“ Herbig, der die Hauptrolle in Dietls letztem Film „Zettl“ spielte, wandte sich auf seiner Facebook-Seite mit bewegenden Worten an seinen Freund: „Ich muss Dir ja wohl nicht sagen, wie unfassbar traurig ich bin“, schrieb er. „Du warst und bist mein Held. Als ich von Deinem Abschied erfahren habe, weinte auch der Himmel über Schwabing ... es hagelte sogar. Zu Recht, Regen alleine wäre ja auch nicht standesgemäß.“

Helmut Dietl ist gestorben.

Der Bayerische Rundfunk verdanke Dietl große Klassiker, sagte BR-Intendant Ulrich Wilhelm. „Bis auf wenige Ausflüge nach Berlin hat er Bayern immer die Treue gehalten und seiner Heimat ein Denkmal gesetzt.“ Dietl wurde in den 1980-er Jahren berühmt mit den Serien „Monaco Franze“ und „Kir Royal“. Zu seinen bekanntesten Filmen zählen „Schtonk“, eine Persiflage auf die Veröffentlichung der gefälschten Hitler-Tagebücher, und die Komödie „Rossini oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“. Mit großer Begeisterung und viel Ironie deckte der im oberbayerischen Bad Wiessee geborene Dietl menschliche Schwächen auf und beleuchtete gesellschaftliche Kuriositäten. „Er war ein Meister darin, mit eigener künstlerischer Handschrift, satirische Porträts des Münchner Society-Lebens zu zeichnen“, sagte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD).

Zu Ehren Dietls änderte die ARD ihr Programm. Für Montagabend wurde das Dietl-Porträt „Ich mach Regie und Du machst, was ich sage“ ins Programm genommen, für Donnerstag Dietls Spielfilm „Rossini“. „Mit Helmut Dietl verlieren wir einen der ganz großen Filmsatiriker des deutschen Fernsehens“, sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres.

Horst Seehofer würdigt Helmut Dietl

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) würdigte Dietl, den Träger des Bayerischen Verdienstordens, als einen „der ganz großen deutschen Regisseure und Drehbuchautoren“. Er sei eine Institution gewesen. „Er hat Bayern und München mit seinen Werken tief in die Seele geschaut und damit unvergleichliche Charaktere geschaffen.“ Der bayerische Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) nannte Dietl einen „großen Chronisten der Seele Bayerns“.

Dietl war in vierter Ehe mit seiner Frau Tamara verheiratet. Das Paar hat eine Tochter. Aus einer früheren Beziehung stammt sein Sohn David, der als Regisseur („König von Deutschland“) in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist.

Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben

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dpa

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