Interview mit Hollywoodstar

So deutsch fühlt sich Leo DiCaprio

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Leonardo DiCaprio ist wieder im Kino zu sehen.

Los Angeles - Kein Wunder, dass er zu den "Golden Globe"-Favoriten gezählt wird. Für seine neue Rolle als amerikanischer Trapper und Abenteurer Hugh Glass geht Leonardo DiCaprio ins Extrem.

Der 41-Jährige springt in eiskalte Flüsse, macht einen ausgeweideten Tierkadavern zum Schlafsack und (fr)isst rohe Büffelleber. Im Interview spricht er über den Film und seine Zukunftspläne.

War das alles echt?

Das Wasser war eiskalt und die Büffelleber eklig. Aber am Ende des Tages konnte ich immer wieder in mein warmes Hotelzimmer zurück und habe ein vernünftiges Abendessen serviert bekommen. Unglaublich wie Männer damals den unbeugsamen Willen hatten, solch unmenschliche Umstände zu meistern.

Sie haben in der kanadischen Wildnis gedreht.

Wir haben oft den ganzen Tag für eine Szene geprobt und hatten dann vielleicht 90 Minuten, wenn das Licht genau richtig war. Dann musste alles schnell gehen. Wir haben viel improvisieren müssen. Es hat sich fast wie eine Reality-Show angefühlt.

Sie sind schon 30 Jahre erfolgreich im Geschäft und gelten als einer der besten Schauspieler Ihrer Generation. Gibt es etwas, was Sie noch unbedingt erreichen wollen?

Es gibt so viele Dinge in der Welt, die ich will (lacht). Aber ich kann mich wirklich nicht beschweren. Ich hatte in meinem Leben das unglaubliches Glück, tun zu können, was ich mir erträumte. Meine unerfüllten Wünsche sind eher Dinge, die die Welt braucht.

Zum Beispiel?

Ich wünschte, wir würden besser mit unserem Planeten umgehen. Ich hoffe, dass bald alle endlich am selben Strang ziehen, wenn es um die Bekämpfung des Klimawechsels geht. Wir haben gerade das heißeste Jahr, das je gemessen wurde, erlebt. Die extremen Wetterphänomene überall auf der Welt sind wirklich beängstigend.

Warum stellen sich so viele Länder noch quer, zum Beispiel den CO2-Ausstoß zu Verringern?

Weil die verantwortlichen Politiker noch immer nicht genug den Druck der Massen spüren. So viele für uns wichtige Dinge werden hinter verschlossenen Türen ausgeklüngelt.

Woher kommt eigentlich Ihr grünes Bewusstsein?

Von meinem Vater George. Er war schon in meiner Kindheit ein unglaublich wichtiger Einfluss und wir kooperieren in vielen Umweltschutz-Projekten miteinander. Auch mit meiner Karriere hat er mir unglaublich wichtige Tipps gegeben. Mein Dad ist einer der schlauesten und belesensten Menschen.

Was ist die schönste Vater-Sohn-Kindheitserinnerung, die Sie haben?

Wir hatten eine Tradition, ein Ritual. Am Ende der Sommerferien sind wir zusammen zu einem großen Brunnen in Downtown Los Angeles gefahren. Dort haben wir beide eine Münze ins Wasser geworfen und uns etwas für das kommende Jahr gewünscht. Das haben wir 10 Jahre gemacht.

Sie haben in Hollywood die Rolle von George Clooney als ewiger Junggeselle übernommen. Gibt es wirklich niemanden, mit dem Sie ihr Leben teilen wollen?

Ich habe eine wundervolle Familie und Freude, mit denen ich mein Leben sehr genieße. Ansonsten vermeide ich es, über mein Privatleben zu reden. Verstehen Sie bitte, dass ich mich nicht weiter dazu äußern mag. Nur soviel: Ich bin gerade sehr glücklich.

Was macht Sie glücklich?

Ich lebe nach einem Motto, das mir mein Vater mit auf den Weg gegeben hat. Egal was privat oder beruflich laeuft, versuch ein interessantes Leben zu fuehren. Und sei dankbar, dass du dir morgens allein deine Hosen anziehen kannst.

Genug vom Vater, wie ist das Verhältnis zu Ihrer Mutter Irmelin?

Sie ist die Beste. Allerdings ist mir aufgefallen, dass sie mit zunehmenden Alter immer ehrlicher und direkter wird. Sehr deutsch halt (lacht). Sie erinnert mich mehr und mehr an meine Oma Helene – auch wenn Mama das nicht hören will.

Ihre Mutter war vorher nicht so?

Nicht so extrem. Seitdem Sie in Rente ist, scheint sie sich damit das Recht erworben zuhaben, rücksichtslos ehrlich zu sein. Sie erzählt allen Leuten ganz genau, was zum Teufel sie denkt. Oft gerate ich dann in Situationen, wo ich erklären muss, was Mama wirklich meint. Es kann sehr unterhaltsam mit ihr sein...

Sind Sie von Natur aus auch rücksichtslos ehrlich?

Ich kann durchaus diplomatisch sein – weil ich es muss. Ich hoffe aber insgeheim, dass ich später einmal werde wie sie. Würde genetisch ja Sinn machen. Oma hat nie ein Blatt vor den Mund genommen, Mama tut's jetzt auch nicht mehr und ich habe ihre DNA.

Sie sind ein Familienmensch. Wünschen Sie sich nicht manchmal, Ihre eigene zu haben?

LD: Netter Versuch (lacht). Klar, wenn der richtige Zeitpunkt kommt. Aber wie ich schon seit Jahren immer wieder sage, so etwas kann man nicht im voraus planen.

Dierk Sindermann

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