Größenwahnsinniger US-Rapper

Kanye Wests neues Album: So durchgeknallt war die Präsentation

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Dass Kanye West die Bescheidenheit nicht erfunden hat, zeigte sich auch bei der Präsentation seinen neuen Albums.

New York - Ein Knopfdruck auf den Laptop und 20.000 Menschen im Madison Square Garden rasten aus: So wie US-Rapper Kanye West hat wohl noch kein Musiker sein neues Album präsentiert. Skandal inklusive.

Handy-Blitzlichtgewitter im ausverkauften New Yorker Madison Square Garden: In der berühmtesten Konzerthalle Amerikas fand am Donnerstag nicht etwa ein Konzert statt, sondern die Präsentation eines neuen Albums. „The Life of Pablo“ heißt das neue musikalische Werk von Kanye West, das 20.000 Fans feierten. Die Show wurde live im Internet und in mehr als 700 Kinos in 23 Ländern übertragen. Insgesamt waren 20 Millionen Menschen zugeschaltet. Auf die Scheibe, auf der auch die Rapper Frank Ocean und Young Thug sowie Sängerin Rihanna vertreten vertreten sind, mussten sie drei Jahre warten. 

Wer zum Teufel ist Pablo?

Auf den Titel des Albums hatte sich West nach diversen anders lautenden Versuchen festgelegt. Die Frage lautet nun: Wer ist Pablo? In den Onlinemedien entbrannte sogleich eine Debatte: Viele Nutzer tippten auf das Malergenie Pablo Picasso. Anderen fiel spontan der kolumbianische Drogenbaron Pablo Escobar ein. Aber auch der chilenische Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda oder ein reiner Fantasie-Pablo wurden genannt.

"Kanye liebt Kanye"

Letzteres dürfte für West aber eine Nummer zu klein sein. Denn der 38-Jährige, dessen Interessengebiete von Musik über Mode und Kunst reichen, sagte im vergangenen Jahr an der Universität von Oxford: "Wenn ich Kunst - Bildende Kunst - machen würde, wäre mein Ziel, Picasso oder bedeutender zu werden." 

Musikalisch möchte der Mann mit dem gewaltigen Ego und in einer Reihe mit Jimi Hendrix, den Rolling Stones und den Beatles genannt werden. Der Rapper mit dem Faible für die Epoche der Renaissance verglich sich auch bereits mit dem italienischen Universalgenie Michelangelo und äußerte Pläne für eine US-Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2020. „Was wenn Kanye einen Song über Kanye machen würde / Der „Ich vermisse den alten Kanye“ heißt“, rappt er. „Mann, das wäre so Kanye, das war alles Kanye / Wir lieben Kanye immer noch und ich liebe Euch wie Kanye Kanye liebt.“ Die Hauptaussage bleibt: Kanye selbst.

Lächerliche Verhaltensregeln für Topmodels 

Gleichzeitig stellte der US-Rapper seine neue „Yeezy“-Kollektion vor. Hunderte Statisten und zahlreiche Models, darunter auch Topmodels Naomi Campbell und Veronica Webb, zeigten die vergleichsweise schlicht geschnittenen, meist in Erdtönen gehaltenen Stücke. Fast reglos standen sie wie Mannequins eine Stunde lang, während Kanye vom Mischpult aus seine neuen Titel vorstellte. 

Ein Foto mit Anweisungen an die Models, das im Internet kursiert, soll beweisen, dass die lebende Kleiderständer lächerlich strenge Verhaltensregeln auf der Bühne zu befolgen hatten. Demnach sollten sie sich weder schnell noch langsam, weder steif noch cool, locker oder gar sexy, dafür aber "natürlich" bewegen - ohne aber dieselbe Pose wie die anderen in dem Moment einzunehmen. Die wichtigste Regel in dem ganzseitigen Regelwerk: "Haltet Euch an die Regeln!"

Kitschiges PC-Spiel um tote Mutter

Als wäre das alles nicht genug, kündigte der 38-jährige Rapper ein Computerspiel mit dem Namen „Only One“ an, das von seiner 2007 verstorbenen Mutter auf dem Weg in den Himmel handelt. Er zeigte einige Sequenzen einer animierten Frau mit großen Flügeln, die auf einem weißen Pferd durch Wolken reitet. 

Pelziger Kardashian-Glamour in Reihe 1

Kanyes Frau Kim Kardashian erschien zur Show in einem übergroßen weißen Pelz mit Tochter North West auf dem Arm, begleitet unter anderem von ihren Schwestern Courtney und Khloé sowie Ex-Basketballstar Lamar Odom. Es war Odoms erster öffentlicher Auftritt, nachdem er bewusstlos im Zimmer eines Bordells aufgefunden worden und ins Krankenhaus gebracht worden war.

Kanye legt sich mit Taylor Swift an

Natürlich kommt die Show nicht ohne Skandal aus. Auf einem der Titel von "The Life of Pablo" pöbelt West gegen einen anderen Weltstar: Taylor Swift. Man erinnert sich: Der Rapper beschämte die Pop-Diva, als er sich 2009 bei ihrer Dankesrede für einen MTV Award für das beste Video das Mikro schnappte und einem Millionenpublikum erklärte, Beyoncé hätte die Auszeichnung viel eher verdient. 

Im vergangenen Jahr begruben die beiden eigentlich ihr Kriegsbeil öffentlich, Swift überreichte ihm - wieder bei den MTV VMA Awards - den Preis fürs Lebenswerk. doch Kanye kann es wohl nicht lassen, Swift zu piesacken. Wie anders lässt sich folgende Zeile in dem Track "Famous" erklären: "Ich und Taylor könnten immer noch miteinander schlafen. Ich habe die Schlampe immerhin berühmt gemacht."

Eine Sprecherin der Sängerin sagte laut US-Medien, Swift hätte es abgelehnt, den Song auf Twitter zu teilen und den Rapper vor dem Gebrauch frauenfeindlicher Ausdrücke auf seinem Album gewarnt. Scheint, als hätte das keinen besonderen Eindruck bei dem 38-Jährigen hinterlassen.

Seiner Darstellung nach habe Swift ihm nach einem Telefonat nicht nur den Segen für die strittige Zeile erteilt, sie habe sogar die Idee dazu gehabt. 

"Sie aß mit einem gemeinsamen Freund zu Abend und sagte ihm: "Ich kann Kanye nicht böse sein, er hat mich schließlich berühmt gemacht"", schrieb er auf Twitter. Man solle doch bitte aufhören, wahre Künstler zu verteufeln und Kunst zu gefährden, polterte er weiter. "Man will uns mit Geld kontrollieren", schrieb einer der reichsten Musiker dieses Planeten, "und die Kultur zum Verstummen bringen." Das Wort "Schlampe" (bitch) sei im Hiphop kein Schimpfwort sondern "ein liebevoller Ausdruck wie "nigga", erklärte er.

"Bill Cosby ist unschuldig!!!!!"

Um eine Kontroverse ist West jedoch nie verlegen. Vor wenigen Tagen brach ein Shitstorm über den 38-Jährigen herein, als er auf Twitter verkündete, er halte Bill Cosby, den über 50 Frauen der sexuellen Nötigung bezichtigen, für unschuldig.   

Vergesst die Fashion Week

Kanye hat wieder mal alles anders gemacht - vielleicht aus Trotz, vielleicht aus Dummheit, vielleicht, weil er ein Meister der Selbstinszenierung ist. Der Fashion Week, so viel steht fest, hat er die Schau gestohlen. 

dpa/afp/hn

Haakon Nogge

Haakon Nogge

E-Mail:haakon.nogge@merkur.de

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