Schauspielerin wird 85

"Lilo" Pulver: Lachen als Erfolgsrezept

Liselotte Pulver
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Herzlichen Glückwunsch, "Lilo" Pulver!

Berlin - Bei Liselotte Pulver denkt man als erstes an ihre Fröhlichkeit und ihr unbändiges Lachen. Doch das Leben der Schweizerin, die am Samstag 85 Jahre alt wird, war oft mehr Tragödie als Komödie.

Mit "Ich denke oft an Piroschka", in "Das Wirtshaus im Spessart" oder als überdrehte Sekretärin in Billy Wildes "Eins, zwei drei" erlangte sie Weltruhm und kam sogar bis nach Hollywood. Pulver kam am 11. Oktober 1929 in Bern zur Welt. Sie arbeitete ab 1948 als Model und nahm erste Schauspielstunden. Angeblich führte sie eine unglückliche Liebe zu einem verheirateten Mann zur Kunst - es sollte die erste einer langen Reihe von unglücklichen Bindungen zu meist verheirateten Männern werden. "Ich war ja immer nur ein Seitensprung", klagte sie vor wenigen Jahren in der "Süddeutschen Zeitung".

1952 sorgte Lilo Pulver als quasi durchgehend lachende Tochter eines ungarischen Bahnhofsvorstehers in "Ich denke oft an Piroschka" für den Filmerfolg des Jahres. Monatelang hatte sie diese Rolle abgelehnt. "Ich habe immer gesagt, das kann man nicht machen", sagte sie vergangenes Jahr im ZDF zu ihrer Abneigung gegen diese Rolle. Erst als die Produzenten sie mit Cognac willensschwach gemacht hätten, habe sie unterschrieben - und wurde zum Star.

Die zweite bis heute bekannte Hauptrolle bekam sie 1958 in "Das Wirtshaus im Spessart", wo die eher knabenhaft gebaute Pulver in Hosen einen Wanderburschen spielte. Wegen des großen Erfolges gab es sogar eine Spessart-Trilogie - und Pulver war künstlerisch obenauf. "Ich war damals der Nummer-2-Star in Deutschland", sagte sie mal der "Berliner Morgenpost". Nur an Ruth Leuwerik kam sie nicht vorbei. Dafür wurde Pulver auch international bekannt. Weil sie so gut französisch sprach, bekam sie viele Rollen in Frankreich.

Mit Audrey Hepburn und Doris Day wurde die Schauspielerin damals verglichen - und auch eine Weltkarriere winkte ihr. Sie hatte das Angebot, in dem später mit elf Oscars ausgezeichneten "Ben Hur" eine Hauptrolle zu spielen. Doch wegen eines anderen Filmvertrags musste sie ablehnen. 1961 sollte sie im Hollywood-Erfolg "El Cid" die Hauptrolle spielen, wieder standen die Verträge im Weg - Sophia Loren bekam Pulvers Rolle. "Das waren absolute Keulenschläge, nach denen steht man nicht so leicht wieder auf", sagte Pulver der "Süddeutschen Zeitung".

Womöglich wäre ihre Karriere strahlend weiter gegangen. So aber wurde sie eine Verliererin des endenden Kino-Booms in Deutschland, Pulver bekam ab Ende der 60er Jahre kaum noch Rollen. Erst in der deutschen Ausgabe der "Sesamstraße" gelang ihr Ende der 70er ein allerdings nur wenige Jahre andauerndes Comeback.

Auch die privaten Schatten wurden größer. Ihre Tochter Melisanda starb 1989 unter dramatischen Umständen mit 21 Jahren. Nur wenige Jahre nach diesem Schock starb 1992 ihr Mann, der Schauspieler Helmut Schmid, mit dem Pulver seit 1961 verheiratet war und mit dem sie den Sohn Marc-Tell hat.

Mittlerweile plagt Pulver die Einsamkeit. "Menschenskind, warum sitze ich da so alleine", denke sie manchesmal an Abenden in ihrer Villa am Genfer See, sagte sie zu ihrem 84. Geburtstag. Ihr Traum von einer neuen Liebe blieb unerfüllt. Auch ihr Wunsch, noch einmal eine große Rolle zu bekommen. Mit einer Hand lassen sich ihre Rollen des vergangenen Vierteljahrhunderts abzählen.

"Als altes Gesicht möchte man mich nicht sehen", glaubt Pulver inzwischen. Dabei hat ihr Lachen nichts von seiner Kraft verloren, wie ihre inzwischen seltenen öffentlichen Auftritte zeigen.

afp

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