Für Madeline Stuart wird ein Traum wahr

Deshalb feiert New York dieses 1,50 Meter große Model

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Madeline Stuart erobert die Laufstege in aller Welt.

New York - Älter als acht Jahre würde sie nicht werden, da waren sich die Ärzte bei ihrer Geburt sicher. 18 Jahre später erobert Madeline Stuart die Laufstege der Welt - allen Umständen zum Trotz.

Die knapp 1,50 Meter große Australierin mit den langen roten Haaren und dem freundlichen Gesicht hat am Sonntag bei der New Yorker Fashion Week die Schau des italienischen Modelabels „FTL Moda“ eröffnet, mitten in der Grand Central Station.

Bereits bei den ersten Schritten der jungen Australierin mit markant geschminktem Gesicht und wild aufgetürmten roten Haaren stand über die Hälfte der 500 Zuschauer auf, um den Model-untypischen Teenager nicht zu verpassen. Madeline genoss sichtlich ihren Auftritt in der majestätischen Vanderbilt Hall des New Yorker Hauptbahnhofs Grand Central: Wie ein Starmodel präsentierte sie sich mal in rotem Ensemble mit kurzer Hose, mal in sciencefiction-artig angehauchtem Prinzessinnen-Kleid - und klatschte begeistert die Hände ab, die ihr die Zuschauer in der ersten Reihe entgegen hielten.

Für Stuart geht damit ein Traum in Erfüllung. Bei ihrer Geburt im australischen Brisbane stellten die Ärzte der heute 18-Jährigen die Diagnose Down-Syndrom - eine Genommutation, die sich auf das Aussehen und die geistigen Fähigkeiten auswirkt.

Trotzdem wollte Madeline unbedingt Model werden. Vor einem Jahr entdeckte sie ihre Lust an der Mode. Sie posierte vor der Kamera und genoss es, im Mittelpunkt zu stehen - wenn auch zunächst nur vor den Augen ihrer Familie. Sie nahm sich vor, Model zu werden, begann zu trainieren und nahm in nur wenigen Monaten fast 20 Kilogramm ab.

Hunderttausende Fans und Aufträge in der ganzen Welt

Ihre Mutter, die früher selbst als Model gearbeitet hat, unterstützte sie dabei und organisierte ein professionelles Fotoshooting. Die Fotos, auf denen Stuart im orangefarbenen Bikini und bunten Sommerkleidern posiert, veröffentlichte sie auf Facebook - wenige Monate später hatte Madeline Stuart Hunderttausende Fans.

Es folgten Fotoshootings für mehrere Mode- und Kosmetikmarken. Eine New Yorker Handtaschenfirma entwarf sogar eine eigene Kollektion für Stuart und spendet fünf Prozent des Gewinns von jeder verkauften Tasche an eine Down-Syndrom-Stiftung. Noch in diesem Jahr wird die 18-Jährige für Aufträge nach Schweden und Russland reisen.

US-Topmodel Tyra Banks (41) ist Stuarts Vorbild. „Ich bin ihr Fan. Sie glaubt an Inklusion und hat viel für die Modewelt getan“, lässt die 18-Jährige der Deutschen Presse-Agentur über ihre Mutter, die gleichzeitig auch ihre Managerin ist, ausrichten. Stuart, die als Kind eine Herz-OP hatte und noch heute täglich Medikamente nimmt, ist schüchtern und redet nicht gerne mit Fremden.

Madeline wird "Model of the year"

Stuart, die sich in New York gerne die Freiheitsstatue anschauen würde, wird mehrere Tage in der Stadt bleiben. Denn die Modenschau auf der New Yorker Fashion Week ist nicht ihr einziger Auftritt. Am 19. September wird die 18-Jährige am 21. Buddy Walk im Central Park teilnehmen, einem Lauf für und mit Menschen, die genau wie Stuart mit dem Down-Syndrom geboren sind. Anschließend geht es für sie dann weiter nach San Francisco - wo ein weiterer Traum in Erfüllung gehen wird. Denn als erstes Model mit Down-Syndrom wird Madeline Stuart dort der Mélange-„Model of the Year“-Award verliehen.

Models machen aus Makel ihr Markenzeichen

Bei ihrem Auftritt bei der New York Fashion Week stahl Stuart Hollywoodstar Drew Barrymore und ihrer berühmten Laufsteg-Kollegin Adriana Lima die Show. Dabei ist die 18-Jährige dort nicht das erste Model mit Down-Syndrom. Im Februar lief bereits die Schauspielerin Jamie Brewer, die ebenfalls mit der Genommutation geboren ist, in der Millionenmetropole über den Catwalk und bewies damit, dass die Top-Designer dieser Welt längst nicht mehr nur nach dem gängigen Schönheitsideal suchen.

So eröffnete im Februar beispielsweise auch das Model Chantelle Brown-Young (auch bekannt als Chantelle Winnie oder Winnie Harlow) die Show der spanischen Modemarke „Desigual“. Die Kanadierin hat die Vitiligo-Krankheit. Ihre dunkle Haut ist über und über mit weißen Flecken übersät. „FTL Moda“ schickte im Februar schon Models im Rollstuhl, mit Gehhilfen und Beinprothesen auf den Catwalk.

Rebekah Marine (links) macht sich einen Namen als "bionisches Model", bei Leslie Irby (rechts) wird der Laufsteg zum Rollsteg.

Großen Zuspruch erfuhr bei der New Yorker Fashion Week auch Rebekah Marine. Die 28-jährige Autoverkäuferin aus New Jersey ist stolz auf ihren Spitznamen "bionisches Model", eine Anspielung auf ihre ultramoderne Unterarm- und Handprothese. Seit ihrer Kindheit wollte die junge Frau modeln, doch alle Bewerbungen liefen bis Sonntag ins Leere.

Ihr Auftritt im Grand Central habe sie zum "glücklichsten Menschen der Welt" gemacht, sagte die 28-Jährige AFP. "Viele Kinder halten mich jetzt für eine Superheldin", fügte sie mit umwerfendem Lächeln hinzu. Auch heute noch bevorzugten viele Modemarken blonde Models mit blauen Augen und Gardemaßen, sagte sie. Aber das ändere sich, und sie freue sich, dazu beizutragen. "Ich denke, die Modeindustrie hat bereits einen langen Weg zurückgelegt."

Madeline Stuart erobert die Welt

dpa/afp

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