Zweifel an Monarch

Nach OP: König Juan Carlos vor schweren Zeiten

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Spaniens König Juan Carlos stehen schwere Zeiten bevor.

Madrid - Nach seiner Hüftoperation stehen dem spanischen König Juan Carlos schwere Zeiten bevor. Bürger, Politiker und Medien in Spanien zweifeln immer mehr an dem Monarchen.

Nach der komplizierten Hüftoperation von Spaniens König Juan Carlos frohlockte der leitende Arzt Miguel Cabanela vor laufenden Kameras: „Alles ist gut gelaufen, für Seine Majestät, für uns und für das Land.“ In diesen schweren Zeiten mit Wirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit, Korruptionsskandalen und dem rapide zunehmendem Separatismus in Katalonien ist Spanien wie selten zuvor auf den Mann angewiesen, der wie keine andere Person oder Institution die Einheit des Landes verkörpert. Das weiß auch der vor über 40 Jahren - vor der Krönung von Juan Carlos im Jahr 1975 - von Galicien in die USA ausgewanderte Cabanela (71).

Ob aber der Monarch aus dem Haus der Bourbonen, der zuletzt nicht nur von Gesundheitsproblemen, sondern von zahlreichen Affären erschüttert wurde, immer noch der richtige Mann am richtigen Platz ist, bezweifeln in Spanien immer mehr Bürger, Politiker und Medien.

Noch vor ein paar Jahren wären die Szenen, die die Zeitung „El Mundo“ diese Woche bei einer Straßenbefragung auf Video festhielt, undenkbar gewesen. „Er muss abdanken, weil er einfach schon zu alt ist“, sagten viele Passanten. Nicht wenige Blätter analysierten die Lage ähnlich skeptisch wie „La Opinión de Málaga“ am Mittwoch: „Die vielen Operationen des Königs sind ein Problem für Spanien.“

Erneute Operation in zwei Monaten

Operation gelungen, Patient in Not, muss es nun heißen, denn Juan Carlos steht vor schweren Zeiten - nicht nur, weil er in zwei Monaten sich zur Einsetzung einer endgültigen Hüftprothese wieder unters Messer begeben und eine lange Erholungsphase durchmachen muss, bei der er seine offiziellen Aktivitäten zum Ärger der Imagepfleger im Königshaus stark zurückfahren wird.

Als er Anfang September die Schmerzen zu spüren begann, die von einer Infektion der im November eingesetzten Hüftprothese verursacht worden waren, war Juan Carlos laut der Zeitung „El País“ mitten in einer Kampagne, die seinen guten Ruf wiederherstellen soll. Der König habe wenige Stunden vor der OP gearbeitet und gescherzt, um das „Gespenst“ der von vielen geforderten Abdankung zu vertreiben, schrieb das Blatt.

Dass ein Politiker wie Carlos Martínez Gorriarán, Vizesprecher der liberalen Partei UPyD, dem Monarchen einen Thronverzicht zugunsten von Kronprinz Felipe (45) nahelegt - wie dieser Tage geschehen - ist ein absolutes Novum. Cayo Lara, Führer der Vereinten Linken (IU), der drittstärksten Kraft im Parlament, fordert seinerseits, dass das Volk in Spanien in einem Referendum „endgültig“ entscheiden solle, ob es eine Republik oder eine Monarchie wolle.

Nachdem er 1981 die damals noch junge und zerbrechliche Demokratie gegen einen Putschversuch von Militärs entschlossen verteidigt hatte, war Juan Carlos zur am meisten respektierten Figur Spaniens aufgestiegen. Und das blieb er jahrzehntelang. Doch dann begann 2012 das „Annus Horribilis“ („El País“), das „schreckliche Jahr“.

Spanier sind enttäuscht von ihrem König

Juan Carlos enttäuschte zunächst seine Landsleute zutiefst mit der Teilnahme an einer Elefantenjagd in Botsuana, die nur ans Licht kam, weil er sich dabei die rechte Hüfte brach. Dann kursierten nie ganz geklärte Mediengerüchte über eine „Geliebte“ des Königs. Für besonders viel Unmut sorgte die immer noch aktuelle Korruptionsaffäre um Schwiegersohn Iñaki Urdangarín, Mann von Infantin Cristina.

Wie angreifbar der König wegen der Affären und der fünften OP innerhalb von 18 Monaten geworden ist, zeigt die Kritik der IU und des sozialistischen Oppositionsführers Alfredo Pérez Rubalcaba an der Krankenhauswahl. Juan Carlos hätte in dieser von Kürzungen geprägten Zeit einer öffentlicher Klinik den Vorzug geben müssen, hieß es. In einer Online-Umfrage der Zeitung „20Minutos.es“ standen in dieser Streitfrage am Mittwoch nur 19 Prozent auf der Seite des Königs.

Bei der ersten Pressekonferenz überhaupt in der Königsresidenz im Zarzuela-Palast hatte eine Journalistin am Freitag die Ärzte gefragt, mit welchen Geldern denn die Operation finanziert werde. Auch das wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen. Aber noch setzen viele auf „El Rey“, den König: „Hoffen wir nur, dass der König nach einer Erholung von vielen Monaten zur Normalität zurückkehren kann, weil seine Präsenz in der jetzigen Lage Spaniens entscheidend sein kann“, schrieb dieser Tage die Zeitung „El Mundo“.

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dpa

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