"Ich liebe das Leben"

Pierce Brosnan: Dachte nie an Selbstmord

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In dem Film "A Long Way Down", der am Donnerstag in den deutschen Kinos startet, spielt Brosnan einen lebensmüden Fernsehmoderator.

München - Obwohl er "Phasen schlimmen Schmerzes" kenne, hat Pierce Brosnan nie ernsthaft einen Selbstmord in Erwägung gezogen.

Seine 60 Jahre sieht man ihm nicht an: Pierce Brosnan sieht noch immer blendend aus. Mit kräftigem Händedruck begrüßt uns der stattliche Ire in einem Berliner Hotel; mit leiser, aber umso eindringlicher Stimme spricht er über seinen neuen Film „A Long Way Down“, der am Donnerstag in unsere Kinos kommt. In dieser Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Nick Hornby („High Fidelity“, „About a Boy“) spielt der Ex-James-Bond-Darsteller einen abgehalfterten, lebensmüden Fernsehmoderator.

Kannten Sie die Buchvorlage?

Nein, ich hatte noch nie einen Roman von Nick Hornby gelesen. Doch das Drehbuch hat mich gleich fasziniert, vor allem meine Figur, dieser umgängliche, aber eitle Möchtegern-Schauspieler, der nach Ruhm und Anerkennung giert, seine Seele ans Frühstücksfernsehen verkauft hat, allerdings leider nicht sonderlich talentiert ist – weder im Moderieren noch darin, sein Leben zu meistern.

Haben Sie sich bei Ihrer Darstellung an realen Vorbildern orientiert?

Ja, ich habe fleißig verschiedene Moderatoren studiert – eine Hausaufgabe, die mir großen Spaß gemacht hat. Einen fand ich besonders spannend: einen unfassbar leutseligen, ständig gut gelaunten Typen. Das Schönste war, dass er während meiner Recherchezeit plötzlich leibhaftig vor mir stand – in einem Restaurant. Er erkannte mich auch, und wir aßen zusammen zu Mittag. Natürlich habe ich ihm nicht verraten, dass er mein Studienobjekt war.

Hat die Sehnsucht nach Ruhm Sie einst auch angetrieben?

Nein. Als junger Mensch war ich ein schüchterner Einzelgänger. Die Schauspielerei war so ziemlich das Letzte, was mir in den Sinn gekommen wäre. Allein die Vorstellung, auf einer Bühne zu stehen, jagte mir Angst ein. Ich verließ mit 16 die Schule, ohne jede Qualifikation, nur mit einer Mappe voller Bilder und Zeichnungen. Eine private Kunsthochschule nahm mich auf; ich studierte Illustration und war auf dem besten Wege, mein Geld mit Plattencover-Entwürfen zu verdienen.

Und wie kamen Sie dann zur Schauspielerei?

Als ich einem Kommilitonen von bestimmten Filmen vorschwärmte, meinte er, ich sollte doch mal in seinem Institut an einem Schauspiel-Workshop teilnehmen. Ich wusste gar nicht, was ein Workshop ist, ging aber trotzdem hin und fand mich plötzlich in der Welt des Theaters wieder, in einer Gemeinschaft, in der ich mich sofort heimisch fühlte. Ich fing an, diverse Workshops zu besuchen: Clownerie, Straßentheater, Feuerschlucken, Kindertheater. Es war ein tolles Gefühl, Leute zum Lachen oder zum Weinen zu bringen. Und ich wusste: Hier gehöre ich hin.

Haben Sie später je mit Ihrem Ruhm gehadert und sich gewünscht, nicht so sehr im Paparazzi-Fokus zu stehen?

Nein. Ich habe versucht, den Ruhm zu genießen – schließlich ist er nie von Dauer. Und ich habe mich stets bemüht, ein möglichst einfaches, spießiges, unauffälliges Leben zu führen. Ich warte entspannt auf Angebote und träume heimlich immer noch davon, den ultimativen Film zu drehen, der alle umhaut.

Was treiben Sie in Ihrer Freizeit? Malen Sie noch?

Ja, vor allem Landschaften. Gegenständlich, nicht abstrakt. Öl und Acryl. Ansonsten spiele ich Tennis, treffe Freunde und bringe jeden zweiten Tag meine beiden Söhne zur Schule. Der eine ist 17, der andere 13. Der Ältere dreht schon eigene Filme – ein scheuer Knabe, aber sehr clever und talentiert. Neulich hat er eine Geschichte von Joyce Carol Oates verfilmt, und ich habe im Film die Rolle des Vaters übernommen. Er hat es genossen, mir Regieanweisungen zu geben: „Papa, nimm die Baseballkappe ab, die ist albern.“ Für mich war das eine spannende Erfahrung.

Haben Sie ähnlich schlimme Erfahrungen mit der Regenbogenpresse gemacht wie Ihre Filmfigur in „A Long Way Down“?

Es gab Momente, da war ich völlig fassungslos über das, was über mich geschrieben wurde. So etwas trifft dich bis ins Mark: Das sind Worte, die sich anfühlen wie Peitschenhiebe. Heute lese ich solche Zeitungen nicht mehr.

Im Film versuchen Sie, sich das Leben zu nehmen. Haben Sie selbst je an Suizid gedacht?

Auch ich kenne Phasen schlimmen Schmerzes, aber ich war nie so abgrundtief verzweifelt, einen Selbstmord ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Das widerspricht auch meiner Lebensphilosophie.

Heißt das, Sie haben im Gegensatz zu Ihrer Filmfigur ein Talent dafür, Ihr Leben zu meistern?

Wer seine Frau und seine Tochter an den Krebs verliert (Cassandra Harris, Brosnans erste Ehefrau, starb 1991, deren Tochter Charlotte Emily 2013; Anm. d. Red.), der weiß es zu schätzen, selbst noch am Leben zu sein. Ich liebe das Leben. Und ich weiß, wie vergänglich es ist. Drum finde ich, man sollte das Leben feiern, mit seiner Familie und seinen Freunden, man sollte Gutes tun, nett zu den Leuten sein, hart arbeiten und auf sich und seine Liebsten aufpassen. Vor allem sollte man versuchen, Spaß zu haben – so viel wie möglich und so lange es noch geht!

Das Gespräch führte Marco Schmidt

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