Poe-Musical: Eklat bei Weltpremiere

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“Alan Parsons“-Mitbegründer und Musical-Komponist Eric Woolfson.

Halle - Nach einem Streit mit Regisseur Frank Alva Buecheler blieb Komponist Eric Woolfson, Mitbegründer der Rockgruppe “The Alan Parsons Project“, der Uraufführung Eklat bei der Weltpremiere des Musicals “Edgar Allan Poe“ an der Oper Halle fern.

Dabei schrieb der 64-jährige Schotte Buch, Musik und Songtexte. “Ich war nicht da, ich hab es nicht gesehen“, sagte Woolfson der dpa. “Das ist nicht mein Stück.“ Buecheler sprach von einer “schwierigen Zusammenarbeit in den letzten Tagen“.

Mehr als 600 geladene Gäste feierten am Freitagabend das Ensemble, riefen mehrfach “Bravo!“, warteten beim Schlussapplaus aber vergeblich auf den Auftritt des Komponisten. Zum 200. Geburtstag des US-Schriftstellers (1809-1849) wollte sich Woolfson mit dem Musical einen Lebenstraum erfüllen. Mehr als 40 Jahre hat er das schicksalhafte Leben des geistigen Vaters von Detektivromanen und Gruselgeschichten studiert. Es bestimmte bereits die Texte im 1976 veröffentlichten Debütalbum “Tales of Mystery and Imagination“ der Rockgruppe.

“Sie haben fünf Charaktere hinzugefügt, die es in meinem Buch gar nicht gibt - das hier ist eine verpasste Gelegenheit“, sagte Woolfson. “Manche denken, es ist Kunst. Ich nicht. Ich will Poes Leben ziemlich genau wiedergeben.“ Der Regisseur wollte die Übersetzung des englischen Stückes an die Gewohnheiten des deutschen Publikums anpassen - und verzichtete zum Groll des Komponisten auf geschichtliche Genauigkeit. Flugzeuge oder die Masseneinwanderung in die USA hat Poe nie gesehen. Buecheler habe Woolfson Vorschläge gemacht, “aber uns Künstlern lässt er keine Freiheiten. Es wäre schöner gewesen, wenn die Störfeuer von außen ausgeblieben wären, aber das gehört zu einer Uraufführung dazu.“

Der Streit hinter der Bühne gleicht ein wenig der Hassliebe der Hauptdarsteller auf der Bühne. Poes Freund und Feind, Kritikerpapst Rufus Griswold, verkündet gleich zum Auftakt: “Edgar Allan Poe ist tot.“ Als sein Nachlassverwalter und ärgster Konkurrent glaubt der rachsüchtige Griswold, “nur wenige werden ihn vermissen“, und verspricht, die Erinnerung an den Meister der Schwarzen Romantik auszulöschen. Eine Zeitreise zurück zu Poes Wurzeln beginnt. Ein unterhaltsamer Wechsel zwischen Leben und Tod, Freiheit und Gefangensein im Käfig, Wirklichkeit und Alptraum zieht sich wie ein roter Faden durch das Musical. Ein blutrünstig in der Presse ausgeschlachteter Doppelmord, den ein Orang-Utan begangen haben soll, erfasst auch Poes Leben. Erst stirbt seine Mutter, dann seine Ehefrau; beide im gleichen Alter. Die Beerdigung wird ganz im reinen Weiß begangen. Stets dabei ist der todbringende schwarze Rabe.

Auch wenn das Ensemble und das Bühnenbild die schaurig-dämonische Mystik und das Fantastische so darstellen, wie es Poe selbst in seinen Werken geschildert hat, enttäuscht die Aufführung an der Oper. Bei den Tanzeinlagen wird deutlich, wie schlecht die Akustik ist. Der Gesang kommt im zu lauten Musikteppich beim Publikum größtenteils nicht an.

“Edgar Allan Poe“ klingt stark nach “The Alan Parsons Project“. Die musikalische Handschrift von Woolfson ist unüberhörbar. Sparsam setzt er Cembalo, aggressiv klingt die E-Gitarre. Der Komponist will damit sagen: Poes Schicksalsschläge sind auch in der Moderne möglich. Das zeigen Komponist und Regisseur eindrucksvoll. Woolfson lobte die Choreographie und das Bühnenbild, die er in Proben sah. Laut Buecheler haben die Darsteller “nicht geglaubt, was in ihnen steckt - das ist ein ganz tolles Haus“.

In nur kurzer Zeit wurde hier die Premiere realisiert, die eigentlich im Admiralspalast in Berlin stattfinden sollte. Dort sei sie aus finanziellen Gründen abgesagt worden, hieß es. Bis Sommer 2010 soll es in Halle 29 weitere Aufführungen geben.

dpa

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