Rüttgers mischt die Bütt auf

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Kann richtig lustig sein, wenn er muss: Jürgen Rüttgers (CDU).

Aachen - Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hat am Samstag in seiner Antrittsrede als Ordensritter wider den tierischen Ernst überraschend viel Humor bewiesen.

“Ja, der eine oder andere hat sicherlich gedacht: Ja kann der das denn? Ich weiß es auch nicht. Aber klar ist: Ich werde jetzt hier eine Rede halten.“ So begann Rüttgers die Schilderung seiner “Amtsausübung unter verschärften Bedingungen“ - nämlich im Karneval. Und dabei menschelte er mehr, als ihm so mancher zugemutet hätte. Zum Schluss fragte man sich, ob dem bekennenden Frikadellen-Fan Rüttgers in der Karnevals-Session die Lust auf Fleischbällchen nicht vergeht.

In seiner Rede beschrieb er die “Chronologie des täglichen Wahnsinns“ als Ministerpräsident. 8.00 Uhr: Morgenappell beim Reiterkorps “De löstige Husare“ in Godesberg. Es gibt Kölsch und Frikadellen. “Ich bedanke mich beim 2. Vorsitzenden für die sehr originelle Idee, mir eine Flasche Rüttgers Club zu schenken.“ 9.00 Uhr: Biwak der Düsseldorfer Hunnen: “Mir wird ein Bärenfell übergeworfen und ein Helm mit Ochsenhörnern aufgesetzt.“ Ernennung zum Ehrenhunnen - bei Alt und Frikadellen. 10.00 Uhr: Krisensituation in der alternative Kita “Die fröhlichen Jutezwerge“. “Mein Leibwächter soll die Pistole abgeben und durch die Blockflöte ersetzen.“ Dritte-Welt-Bier und Soja-Frikadelle. “Erste Anzeichen von Sodbrennen.“ Pilschen und Frikadelle bei den “jecken Metzgerwivern“ in Eschweiler. (...) 1.00 Uhr: Zuhause. “Ich krieche zur Haustür.“ Rüttgers Mine entspannt sich. Die Menschen feiern ihn.

Der Mann hatte schließlich einen Ruf zu verlieren: Als Mitbegründer des Karnevalsvereins “Brauweiler Freunde 1978“. Beim Gesang gibt es noch Übungspotenzial. Ganz ohne Politik geht es dann doch nicht, am 9. Mai wird in NRW der Landtag gewählt. Zur Melodie von “YMCA“ von den Village People legt Rüttgers sein Bekenntnis zum Land ab. Er habe keine Ambitionen, nach Berlin zu gehen. “... hätte ich ja auch einen Hau, würd' ich von hier weggehen wollen...“, sang der Landesvater.

Als unbequemer Laudator riss Vorjahresritter Mario Adorf alte Wunden auf. Mit Humor beleuchtete er Rüttgers umstrittene “Kinder- statt-Inder-Äußerung“ im Landtagswahlkampf 2000, die ein Aufruf zur besseren Ausbildung von Jugendlichen sein sollte. Und er betrachtete nachsichtig Rüttgers Rumänen-Schelte mit Blick auf die Abwanderung des Bochumer Nokia-Werks bei einem Wahlkampfauftritt im August 2009.

dpa

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