Mit dem "Traumhotel" ist Schluss

Kubitschek macht keine Filme mehr

Ruth Maria Kubitschek
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Ruth Maria Kubitschek.

Berlin - Ruth Maria Kubitschek, Grande Dame des deutschen Fernsehens, will nie wieder auftreten. Im Gespräch redet sie über ihre Zukunft und das, was sie einst geprägt hat.

Sie war die wunderschöne Titelleiche im dreiteiligen Krimi-Straßenfeger „Melissa“ von 1966, die Brauereichefin Margot Balbeck bei den „Guldenburgs“ und das Spatzl des „Monaco Franze“ in den 80er Jahren. Sie reiste mit dem „Traumschiff“ und besuchte „Rosamunde Pilcher“. Gerade sah man sie als attraktive Großmutterfee im TV-Märchen „Cinderella“ (ARD). Dabei hat Ruth Maria Kubitschek, Grande Dame des deutschen Fernsehens, ihrem Beruf inzwischen Lebewohl gesagt - um sich in Zukunft anderen Neigungen zu widmen. „Das ist eine Entwicklung, die sich schon lange angebahnt hat“, sagt die in der Schweiz am Bodensee lebende Kubitschek in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Eigentlich hatte ich mich schon vor drei Jahren dazu entschlossen, wollte nur noch zuhause bleiben und malen.“

Bei Angeboten zum Kinofilm „Frau Ella“ (2013) und der letzten Folge der ARD-Reihe „Traumhotel“ (31. Oktober, 20.15 Uhr, ARD) sei sie jedoch schwach geworden. Bereits zuvor geplant gewesen sei der „Cinderella“-Dreh Ende 2011 in Rom. Nun aber sei wirklich Schluss und das wolle sie auch öffentlich machen, erklärt die 1931 in Nordböhmen geborene Darstellerin, die ihr Debüt in den 50er Jahren am Stadttheater Halle (Saale) in Brechts „Puntila“ gegeben hat. „Zu meinem Geburtstag im August habe ich beschlossen, nicht noch mal umzufallen. Ich finde, mit 83 kann man wirklich sagen, „es war toll“.“ Sie wolle nicht „auf der Bühne“ sterben, sondern freue sich auf eine neue Entwicklung, die mit „schöpferischer Eigenständigkeit“ zu tun habe.

„Ich male, schreibe, habe einen großen Garten und meditiere. Vielleicht biete ich im Winter, wenn im Garten wenig zu tun ist, auch wieder Meditationskurse an. Doch das hängt von äußeren Faktoren wie der Parkplatzsituation in unserem Ort ab“, beschreibt Kubitschek, die 2013 mit ihrem Buch „Anmutig älter werden“ viel Anklang fand, ihre Ideen, „vor allen Dingen möchte ich wieder frei sein von Muss-Terminen.“ Und fügt hinzu: „Ich habe keine konkreten Projekte. Ich mache nie Planung, sondern lasse immer das Leben auf mich zukommen. Inspirationen kommen dann oft nachts von allein.“ Gerade hat die Künstlerin ihr 13. Literaturwerk „Liebeserklärung an die Natur“ beendet, das am 8. September erscheint. In ihm beschäftigt sie sich einmal mehr mit dem Gedanken, dass alles in der Natur beseelt sei. Spiritualität nimmt bekanntlich weiten Raum in Kubitscheks Leben ein.

„Ich habe mich nie vom Fernsehen vereinnahmen lassen, bin zum Beispiel nicht auf Partys gegangen, um einen Job zu bekommen“, sagt Kubitschek, „damit habe ich mir die Balance zwischen Arbeit und Zeit für mich erhalten.“ Stärk geprägt hätten sie ihre Herkunft und zwei Fluchten - die eine kurz nach dem Krieg ohne Familie zu Fuß über das Erzgebirge nach Mitteldeutschland und die andere 1959, als sie nach einem Engagement im Westen blieb. „Ich wusste schon mit vier, dass ich Schauspielerin werden wollte. Ich wollte so schön sein wie unsere Kindergärtnerin, die mit uns Theater gespielt hat. Durch diese Sehnsucht und starken Willen habe ich ziemlich schwere Zeiten überstanden“, erinnert sich die Lebensgefährtin von „Traumschiff“-Produzent Wolfgang Rademann (79) - Aus ihrer Ehe mit dem Berliner Opernchef Götz Friedrich (1930-2000) hat sie einen Sohn (Alexander).

„Ganz allein mit meinem Vater habe ich 1945/46 nach der Flucht in die spätere DDR einen Hof bewirtschaftet. Ich habe den Pflug geführt, weil er - schwer verwundet - in keiner Furche gehen konnte. Meine Bildung habe ich aus Stücken bezogen, die mein Vater mir abends zum Lesen gegeben hat. Das Dorf musste sich dann meine Darbietungen anschauen“, erinnert sich der Star, der in Halle und Weimar Schauspiel studiert hat und Hauptmanns schwere „Rose Bernd“ am Theater in Schwerin als wichtigste Rolle empfindet. Erste Anregung der Fantasie des Kindes Ruth Maria: Im böhmischen Heimatdorf hatte es („das war schon slawisch“) „Hutzenstuben“ gegeben, in denen man sich abends bei Handarbeiten zum Erzählen traf.

Und was würde Kubitschek jungen Menschen - Kollegen oder nicht - heute mit auf den Weg geben? „Schauspieler sollten am besten einen Zweitberuf erlernen, um ein Zubrot zu haben“, antwortet die Künstlerin, „aber am allerwichtigsten ist es, herauszufinden, wer man ist und welche Hauptaufgabe man auf Erden hat. Man ist neben seinem Beruf ja auch Mensch. Dieses Menschsein muss man erfüllen - mit Anstand, Verantwortung und positiven Gedanken.“

dpa

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