Film mit Spannung erwartet

Sat.1-Satire: Ob Hoeneß einschaltet?

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In der kommenden Woche wird die Hoeneß-Satire auf Sat.1 gezeigt. Foto: Nicolas Armer/Archiv

München - Kaum ein Prozess schlug so hohe Wellen wie der gegen den Ex-Präsidenten des FC Bayern. Jetzt zeigt eine Sat.1-Satire, wie es dem Steuersünder Uli Hoeneß hinter Gittern gehen könnte.

Die Lichtgestalt des deutschen Fußballs setzt zum Ständchen an: „Gute Freunde kann niemand trennen.“ Der Freund, dem es gilt, schaut sich peinlich berührt um. Schließlich sind sie nicht allein im Besuchsraum - und die anderen dort sind noch viel krimineller als er selbst. So stellt Sat.1 sich den Gefängnis-Alltag von Uli Hoeneß vor. An diesem Dienstag (20.15 Uhr) strahlt der Sender die mit Spannung erwartete Satire „Die Udo Honig Story“ aus.

Nach dem Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg („Der Minister“), dem von Christian Wulff („Der Rücktritt“) und der Schlecker-Pleite („Die Schlikkerfrauen“) ist der Fall des „Mr. Bayern München“ der vierte große Skandal der jüngsten deutschen Geschichte, den Sat.1 zur Satire verarbeitet - und diesmal haben sich die Macher selbst übertroffen.

Der Film, dessen Arbeitstitel „Der Pate vom Tegernsee“ lautete, beginnt mit dem Haftantritt von Honig (toll: Uwe Ochsenknecht) nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. Kurz bevor er das Gefängnistor durchschreitet, gibt er - wie auch in echt geschehen - noch ein letztes kurzes Interview. Darin sagt Honig viel von dem, was auch Hoeneß gesagt hat. Dass Hass ein schlechter Ratgeber sei und dass er zurückkommen werde. „Das war's noch nicht!“ Im Gefängnis interessiert all das ziemlich wenig. „Wir haben einen neuen Spielstand: Honig: 28 Millionen - Deutschland: 0“ brüllen die Mithäftlinge, als er dort einzieht.

Einziger Verbündeter ist zunächst sein Zellengenosse Stefan (sehr lustig: Max von Thun mit Dauerwelle), der sich das Emblem des FC Rot-Weiß Oberbayern auf den Unterarm hat tätowieren lassen und sein Glück gar nicht fassen kann, als sein neuer, berühmter Zellengenosse plötzlich vor ihm steht.

Im Gegensatz zu Stefan ist der Gefängnisdirektor (Heiner Lauterbach) gar nicht begeistert von seinem neuen Häftling. „Hätten's halt einfach Ihre Steuern gezahlt - Herrgottsakra.“ Das ändert sich allerdings, als er merkt, dass Honig ihm durchaus nützlich sein kann. Er poliert die Gefängnismetzgerei auf und die Gefängnis-Fußballmannschaft ebenso. Es dauert nicht lange, da ist Honig der heimliche Chef im Knast. Den wohl entlarvendsten Satz des Filmes spricht er, als er dem Direktor erklärt, warum Geld so wichtig ist: „An jedem Schein klebt ein bisschen Macht.“

„Er ist ja sehr geschäftstüchtig, hat den FC Bayern nach vorne gebracht und seine Wurstfabrik läuft, glaub ich, auch nicht schlecht. Warum soll es nicht möglich sein, dass er die Gefängniskasse aufbessert und die Fußball-Mannschaft auf Vordermann bringt?“, sagt Hauptdarsteller Ochsenknecht im Interview der Deutschen Presse-Agentur in München.

Hoeneß muss den Pudding abgeben

Der Film ist keine Geschichte über den Fall eines einst großen Mannes, sondern die Geschichte eines beispiellosen Aufstiegs. Wird Honig am Anfang noch von einem Mitinsassen (Martin Feifel) verprügelt und muss ihm seinen Pudding abtreten, hat er ihn zum Schluss komplett um den Finger gewickelt und verfügt auch ansonsten über alle nur erdenklichen Annehmlichkeiten. In der vielleicht unterhaltsamsten Szene des Filmes wird er vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Hofersee (Seehofer-Imitator Wolfgang Krebs) zum nächtlichen Weißwurstessen (die Macher des Films sind keine Bayern...) per Dienstlimousine aus dem Gefängnis abgeholt. Der ans Absurde grenzende Dialog, der sich zwischen den beiden entspinnt, gehört zu den stärksten Szenen des Films.

Die einzigen, die Honig nicht in sein „Team“ kaufen kann, sind die Gefängnispsychologin Ceylan Ataman (Shadi Hedayati) und seine eigene Frau Marion (ganz starker Auftritt von Gisela Schneeberger), die sich nur eines wünscht: Ihr Mann soll seine Spielsucht endlich überwinden.

Die große Stärke des Films sind die unglaublich genauen Beobachtungen der realen Rollenvorbilder, die sich bis in die kleinsten Figuren ziehen. Nicht nur Ochsenknecht hat Hoeneß ganz genau studiert, das gilt auch für Hannes Jaenicke als „Franz Kaiser“ oder Wolfgang Fierek als „Paul Greitner“. Den jungen „Udo Honig“ spielt Ochsenknechts Sohn Wilson Gonzalez. Neben dem großen Unterhaltungswert der an Parodien grenzenden Schauspielerleistung sind die nachdenklichen, leisen Töne, die die Satire vor allem zum Schluss anschlägt, das zweite große Plus.

Lauterbach, der als Gefängnisdirektor zu sehen ist, nannte den Film bei der Premiere in München mutig und einen „Ritt auf der Rasierklinge“. Das ist vielleicht ein bisschen hoch gegriffen. Aber er bietet feinste Fernsehunterhaltung, wie man sie nicht allzu oft zu sehen bekommt.

dpa

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