Fragwürdiger Tabubruch

Als Sexpuppe im Rollstuhl: Kylie Jenner im Shitstorm

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US-Model Kylie Jenner bekommt viel Kritik für ihr Fotoshooting im Rollstuhl.

Los Angeles - Mit ihren gerade einmal 18 Jahren hat Model Kylie Jenner schon bestens raus, wie man Aufmerksamkeit erregt. Ihr jüngster Tabubruch ist aber total nach hinten losgegangen.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters - das hat mittlerweile so langsam sogar die Modelwelt verstanden. Deshalb sieht man neben den üblichen dünnen, blonden, bleichen Mädchen auf den Laufstegen der Welt vereinzelt auch Frauen mit etwas mehr Kurven, ganz wenige haben es sogar geschafft, ihren vermeintlichen Makel zu einem Markenzeichen zu machen. So wurde Madeline Stuart (18), die mit dem Down Syndrom geboren wurde, das "Model of the Year", Chantelle Brown-Young feiert Erfolge mit ihrer dunklen Haut, die wegen der Vitiligo-Krankheit mit weißen Flecken übersät ist, und beim Rollstuhl-Model Leslie Irby wird der Catwalk zum Cat-Roll.

Provokation statt Inklusion

Wenn sich die Rollen aber umdrehen, wird aus lobenswerter Inklusion ganz schnell reine, fragwürdige Provokation. Für ein Fotoshooting für das amerikanische "Interview"-Magazin hat sich die bekanntermaßen nichtbehinderte Kylie Jenner, Halbschwester von Kim Kardashian, in einen Rollstuhl gesetzt. Damit nicht genug: Das 18-jährige Model trägt dabei eine schwarze Latex-Korsage sowie ein Lederhalsband und blickt aus ihrem extrem geschminkten Gesicht völlig ausdruckslos - wie eine Sex-Puppe.

KYLIE JENNER #SHOTBYKLEIN @kyliejenner @interviewmag

Ein von Steven Klein (@stevenkleinstudio) gepostetes Foto am

Auf anderen Bildern verstärkt sich dieser Eindruck: Da wird Jenner nämlich als lebensgroße Fetisch-Barbie in einer Holzkiste geliefert, herumgetragen oder steht stocksteif und ungelenk auf einer Art Podest. Auf einem anderen Foto stützt sie sich mit entblößtem Hintern vornüber gebeugt auf eine Kiste.

@interviewmag @stevenkleinstudio @garrennewyork @markcarrasquillo #karltempler

Ein von King Kylie (@kyliejenner) gepostetes Foto am

Dann wieder hockt sie breitbeinig auf einem auf allen Vieren knieenden Mann.

Rollstuhl als Requisit und falsches Symbol

Sado-Maso und Behinderung - der doppelte Tabubruch ist sicher ein gutes Mittel, um Aufmerksamkeit zu erregen, doch die ist fragwürdig, denn anders als eine Handtasche oder ein Lippenstift ist diese Mobilitätshilfe nämlich kein geeignetes Requisit im Fashion-Zirkus - auch wenn es, wie in diesem Fall, einen goldenen Rahmen und goldene Speichen hat.

Im Interview lässt sich das multimillionenschwere Supermodel über die Grenzen aus, die ihr das Leben in der Öffentlichkeit setzt. Das symbolisiere der Rollstuhl. "Echte" Behinderte hingegen sehen den Rollstuhl nicht als Beschränkung sondern als Hilfsmittel, das ihrer Lebensqualität maßgeblich erhöht, da es ihnen Mobilität verleiht und erlaubt, am Leben teilzunehmen.

Behinderte als Objekt: Das Klischee wird verstärkt

"Es ist verstörend", sagt daher Emily Smith Beitiks vom Paul K. Longmore Institute on Disability in San Francisco. "Behinderte werden sowie schon als machtlos angesehen, und diese Fotostrecke verstärkt das Klischee noch."

Die körperbehinderte US-Autorin Kayla Whaley schreibt: "Ich werde wegen meines Rollstuhls ständig wie ein Kind behandelt. Dass ich ein sexuell aktiver oder gar begehrenswerter Mensch bin, wird mir abgesprochen. Und Kylie bekommt Geld dafür, dass sie ein paar Stunden lang die oberflächlichste Illusion meiner Behinderung darstellt."

"Behinderte Models kriegen kaum Jobs im Mode-Business, aber wenn Kylie sich in einen Rollstuhl setzt, wirft man ihr das Geld hinterher", meint Twitter-Nutzerin Amelia, ein britisches Rollstuhl-Model. "Ach so! Keiner traut sich mir in die Augen zu sehen, wenn im Rollstuhl sitze, aber bei Kylie ist das MODE. Ich Dummerchen", fügte sie sarkastisch hinzu.

"Rollstuhl-Models sind praktisch unsichtbar. Die Fotos wären kein Problem, wenn behinderte wie nichtbehinderte im Geschäft gleiche Chancen hätten", erklärt sie in einem Interview mit E Online. "Aber dem ist nicht so."

"Warum musste es ein Rollstuhl sein? An einer Behinderung ist nichts Glamuröses", findet auch Erica.

Als umso ärgerlicher empfinden Behinderte die Fotos, weil Kylie Jenner vor einer Woche erst in einer von ihr ins Leben gerufenen Anti-Mobbing-Kampagne eine körperbehinderte Künstlerin unter dem Motto "Ich bin mehr als mein Rollstuhl" zu Wort kommen ließ. 

Magazin: "Rollstuhl als Ausdrucksmittel"

Steven Klein, der Fotograf, der sich diese Szenarien ausgedacht hat, habe Kylie "in verschiedene Positionen von Macht und Kontrolle gestellt und mit ihrem Image als Objekt der Massenmedien gespielt", erklärt das Magazin. Man habe niemanden beleidigen wollen, der Rollstuhl sei nur ein "Ausdrucksmittel", zitiert E! News das Blatt.

Kylie Jenner hat die Haare grün

hn

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