Schauspielerin ("Anna") wurde nur 42

Silvia Seidel (†): Der Ruhm wurde ihr zur Last

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Auf einer Party im Münchner Club 8seasons entstand im März dieses Foto von Silvia Seidel

München - Mit 18 Jahren tanzte sie sich als "Anna" in die Herzen der Fans: Silvia Seidel spielte 1987 die Hauptrolle in der ZDF-Weihnachtsserie. Jetzt wurde die Schauspielerin (42) tot aufgefunden.

Silvia Seidel (l.) neben Thekla Carola Wied 1988 bei einer Gala

Sie war Münchens Prima-Ballerina, tanzte sich mit nur 18 Jahren in die Herzen vieler Fans. Silvia Seidel war ein umjubelter Star: In der Rolle als Anna Pelzer in der ZDF-Weihnachtsserie wurde die schöne Schauspielerin Ende der Achtziger Jahre schlagartig berühmt. Doch jetzt nahm ihr Leben ein jähes Ende: Nach tz-Informationen wurde sie vergangene Woche tot in ihrer Küche gefunden. Daneben lag ein Abschiedsbrief, die Ermittler gehen von einem Selbstmord aus: „Es gibt keine Anhaltspunkte auf ein Fremdverschulden“, sagt Peter Preuß, Sprecher der Staatsanwaltschaft München I.

Silvia Seidel ist tot: Bilder aus ihrem Leben

Silvia Seidel ist tot: Bilder aus ihrem Leben

Der traurige Tod der Ballerina im Glockenbachviertel. Wirtin Maria Mukalovic ist geschockt. In ihrer Eckkneipe war Silvia Seidel Stammgast. „Sie war ein so liebes Mädchen, jeder im Viertel hat sie gekannt“, sagt die Wirtin. „Sie kam jeden Tag hier her, meist am Nachmittag. Wir waren gut befreundet, fast wie eine Familie.“ Doch als die Schauspielerin vergangene Woche tagelang nicht auftaucht, da wird die Wirtin stutzig. „Ich kann ja von der Kneipe aus in ihr Fenster sehen. Da brannte die ganze Zeit das Licht. Ich dachte: Vielleicht lernt sie wieder für eine Rolle.“

Doch damit liegt sie falsch: Der einstige TV-Star hat schon länger keine großen Engagements mehr. Nach ihrem Durchbruch als Anna Pelzer spielte die gebürtige Münchnerin noch die Hauptrolle im gleichnamigen Kinofilm an der Seite von Patrick Bach, erhielt sogar einen Bambi. Viele Mädchen schwärmten damals für die wunderbare Geschichte: Die Karriere der Ballerina Anna droht wegen eines Autounfalls zu platzen – doch am Ende erobert sie die schicken Pariser Bühnen.

Silvia Seidel 2001 bei einem Fotoshooting

Im wahren Leben hat die Geschichte von Silvia Seidel kein Happy-End: Nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter Hannelore 1992 leidet auch die Karriere unter langen Durststrecken. In Produktionen wie Um Himmels Willen (2002), Soko Leipzig (2005) und Sturm der Liebe (2007) spielt Silvia nur noch kleinere Nebenrollen, ging später zum Theater. Vom einstigen Erfolg ist nicht viel übrig. „Ich bin oft arbeitslos und weiß dann nicht, wovon ich die Miete bezahlen soll. Ich bin froh, überhaupt noch Arbeit zu bekommen, muss nehmen, was ich kriegen kann. Es ist schwer, davon zu leben“, sagte sie in einem Interview. Wirtin Maria bestätigt das: „Silvia hatte Geldprobleme. Sie sagte, das Guthaben aus ihrer Lebensversicherung reiche nur noch ein paar Monate. Sie wollte kein Sozialfall werden, dafür war sie zu stolz.“

Wirtin Maria fängt an, sich Sorgen um die labile Schauspielerin zu machen. „Ich war sicher, dass etwas nicht stimmt.“ Also nimmt sie ihren Mut zusammen und klingelt im Haus gegenüber. Die Schauspielerin öffnet nicht, aber ein Nachbar lässt sie herein. „Ich habe an ihrer Wohnungstür geklopft und gerufen: Silvia, mach die Tür auf – ich bin es doch, deine Maria.“ Eine halbe Stunde lang probiert es die Wirtin, dann geht sie verzweifelt zurück. „Ich habe einen Freund gebeten, die Polizei zu rufen.“ Wenig später die schreckliche Entdeckung: Die Beamten finden die Schauspielerin leblos in ihrer Wohnung.

„Die geballte Aufmerksamkeit war für mich wie ein Fluch“, sagte Silvia einmal über ihren Starkult. Doch in den letzten Jahren war sie allein, gegrämt vom Jobfrust, auch die Beziehung zu Lebensgefährte und Autor Patrick McGinley ging in die Brüche. Es ist der einsame Tod der Ballerina.

thi, arb

Ihre schwere Last als ewiger Kinderstar

Silvia Seidel als Anna mit Jon Peterson.

Jeder kannte sie, ausnahmslos. Als Anna tanzte sich Silvia Seidel 1987 in der gleichnamigen TV-Serie und dem Kinofilm in die Herzen der deutschen Fernsehzuschauer. Alle Mädchen wollten damals so sein wie sie: mit blonden Locken und rosa Ballettschuhen auf dem Weg zum ganz großen Ballett-Star. „Anna“ wurde ein Mega-Erfolg und Seidel mit zarten 16 Jahren zum Kinderstar, um den sich alle rissen. „Mit diesem Riesenerfolg hatte damals niemand gerechnet“, erinnert sich Schauspielerin Ilse Neubauer, die in der Serie Annas Mutter Ute spielte. „Die Kleine wurde davon so richtig überrollt. Ich glaube, sie wurde damals schon verheizt.“ 1000 Fanpostbriefe bekam allein Ilse Neubauer: „Die meisten wollten aber nur einen Kontakt zu Silvia“, erinnert sie sich, als die tz sie am Telefon erreicht und ihr die tragische Nachricht überbringt.

Der Ruhm wurde Seidel zur Last. Die Rolle klebte an ihr, bremste sie für alles andere aus. „Es war unerträglich geworden für mich. Ich konnte nicht mehr über die Straße gehen, ohne angesprochen zu werden. Ich war nicht mehr Silvia, sondern Anna“, gestand sie einmal in einen ihrer seltenen Interviews der Freizeit Revue.

Nie wieder konnte Seidel an diesem Erfolg anknüpfen. Kleine Episodenrollen in Soko Leipzig und Kitzbühel, Der Alte, oder In aller Freundschaft folgten. Auch auf der Boulevard-Bühne versuchte sie ihr Glück, spielte u.a. mit Sigmar Solbach in dem Stück Romantische Komödie.

Doch von den Rollen hier und da konnte sie nicht leben. Glücklicherweise gab es ihren Freund, den Schriftsteller Patrick McGinley (Das Bootshaus), der sie unterstützte.

2011 versuchte Seidel noch einmal in einer TV-Serie Fuß zu fassen. Bei den Rosenheim-Cops spielte sie eine Mordverdächtige. Christian K. Schaeffer hatte eine Szene mit ihr im Café Times Square. „Ich erinnere mich noch gut an sie. Sie war unglaublich sympathisch. Doch sie wirkte auch niedergeschlagen und traurig. Es ist aber auch kein Wunder, unsere Branche ist brutal hart. Und wer einmal draußen ist, kommt nur schwer wieder rein.“ Ilse Neubauer traf ihre einstige TV-Tochter nur selten. „Und wenn dann wechselten wir nur ein paar Worte. Einen Kaffee wollte sie nie trinken, sie zog sich sehr zurück.“

Maria Zsolnay

ZDF zeigt "Anna - Der Film“ 

Das ZDF änderte anlässlich des Todes von Silvia Seidel kurzfristig sein Programm. Zur Erinnerung an die 42-Jährige zeigt der Jugendsender ZDFneo am Dienstag (20.15 Uhr) im Abendprogramm den größten Leinwanderfolg Seidels, „Anna - Der Film“.

dpa

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