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Monika Gruber ganz privat: „Nur auf der Bühne bin i so goschert“

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Von: Ulrike Schmidt

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Die Kellnerin Monique war Monika Grubers erstes Solo-Programm - das war 2004.
Die Kellnerin Monique war Monika Grubers erstes Solo-Programm - das war 2004. Jetzt steht das sechste Bühnenprogramm an. © Brigitta Erdoedy

Am 2. November startet Monika Gruber ihr sechstes Soloprogramm. Doch Bühnenfigur und die private Gruberin sind zwei Geschichten. Redakteurin Ulli Schmidt begleitete den Kabarettstar für eine tz-Serie ganz privat.

München - Irgendwo mitten in Erding. Da steht das hellblaue Haus der ­Monika Gruber – großzügig, lichtdurchflutet. Aufgewachsen ist sie im benachbarten Tittenkofen – auf einem Bauernhof. Noch ungeschminkt steht sie in der Tür. „Magst no schnell an Espresso, bevor ma an Massimo aus der Garage holen?“ Der Massimo – das ist Monis schnittiger ­Italiener, der Maserati, von dem sie immer geträumt und den sie sich letztes Jahr gegönnt hat. Den Espresso serviert sie mit einer Wiener Manner-Schnitte und einem Zuckerbeuterl, das ein knallgelber Smiley ist. Auf dem Esszimmertisch liegt ausgebreitet jede Menge Papier – Monis neues Soloprogramm „Wahnsinn“, mit dem sie ab Donnerstag auf Tour geht...

Bist scho aufgregt?

Monika Gruber: Na, i gfrei mi. Gscheit.

Was sind die Themen, die Dir wichtig sind – für Dein neues Programm?

Des sagt der Titel eigentlich schon aus: der Wahnsinn unserer Zeit. Das ist erst seit ein paar Jahren so ein Gefühl, das ich hab: Die Welt ist verrückt geworden, es ist nichts mehr normal. Was früher normal war, ist heut abartig oder reaktionär. Der Meinungskonsens hat sich gedreht. Wir haben eine Hysterie-Maschinerie und eine Empörungskultur – man regt sich über alles auf, und ich mein: Denkt’s doch mit Eurem g’sunden Menschenverstand einfach mal nach!

Was wär’ denn g’sund?

Der Kardiologe meiner Mama sagt: „Die Menschen entfernen sich von sich selbst.“ Das heißt, die Leute entfernen sich von ihrer Intuition, das zu tun, was früher als allgemein vernünftig galt. Ob jetzt bei der Erziehung oder in der Landwirtschaft. Heut ist alles durchgeknallt, die Leut wissen gar nicht mehr, was richtig und falsch ist, sind aber immer wahnsinnig empört und gleichzeitig im direkten Umgang mit anderen unhöflich, ja sogar beleidigend. Es fehlt die Tiefenentspannung, bei vielen auch der Humor. Es gibt immer mehr Dogmatiker, die zwar Toleranz fordern, aber selbst keine andere Weltsicht zulassen.

Monika Gruber schließt ihr Programm „Wahnsinn!“ mit zwei Münchner Groß-Auftritten ab. Zuvor haben wir Bayerns erfolgreichste Kabarettistin zum Interview getroffen.

Es muss halt heut alles politisch korrekt sein – wer eckt denn noch an? Wer vertritt denn noch eine richtige Meinung?

„Exotisch is das neue normal“

Diese geradezu hysterische Political-Correctness-Kultur der Amerikaner haben wir übernommen, diese ganze Transgender-Diskussion. Jetzt werdns dann bald Toiletten ham für Frauen, Männer, Transgender und andere Zwischenwesen, wo oaner in der Früh aufsteht und moant, heit mecht i mal a Schrankwand sei... Ja, soll er! Aber muss ma denn jedem Irrsinn an Weg bereiten? Exotisch is das neue normal. Und was früher normal war, is heut’ spießig oder reaktionär.

Ich mein, Du teilst ja manchmal scho gscheit aus auf der Bühne. Privat bist ja eher zurückhaltend. Was kann Dich treffen?

Wenn mir Freunde oder Herzensmenschen sagen, dass ich sie verletzt oder beleidigt habe. Das trifft mich.

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Monika Gruber (r.), ihr Manager Egon Bauer und Redakteurin Ulrike Schmidt (M.).

Zum Beispiel?

Eine Freundin hat sich mal beklagt: „Du kommst immer a viertel Stund z’spät; da komm i mir vor wie der letzte Depp, weil i des Gefühl hab, i bin dir des net wert. Denn wenn ma immer a viertel Stund z’spät kummt, kann ma a pünktlich kumma.“ Seitdem versuch’ ich, und das kost’ mir wahnsinnig viel Energie, dass ich pünktlich bin. Das schaff ich net immer, aber doch viel mehr als ­früher.

Und was hat Dich zuletzt getroffen?

Dass’ Lenerl, mei Nichte, an ihrem achten Geburtstag im Eck gsessen is und gsagt hat, die Tante Moni hätt’ sie vergessen. Da war ich gerade auf Tour und mein Kalender lag daheim. Ich schreib ja no ois mit Bleistift und verschiedenen Farben in mein Filofax rein und mach nix elektronisch, weil ich eine panische Angst hab’, dass ich mein Handy wieder im Klo versenk und dann alles weg ist. Und so hab’ ich den Geburtstag vom Lenerl vergessen, mein Vater hat dann am nächsten Tag angerufen. Das hat mir so leidgetan. Und das tut mir heut’ noch leid.

In einem Brief an Münchens Oberbürgermeister berichtet Monika Gruber von einem Eklat, der sie zu einer weitreichenden Konsequenz veranlasst.

Diese Empfindlichkeit tät man bei Dir auf der Bühne gar nicht vermuten, wo Du so eine lose Goschn hast... Wann teilst Du eigentlich im Privaten aus?

“Die Bühne ist ja mein Ventil“

Nur, wenn’s um Politik geht, wenn ich mich aufregen muss. Ansonsten wär’ das ganz anstrengend für mein Umfeld, und ich hätte meinen Freundeskreis schon ganz schön dezimiert, wenn ich privat so wär’ wie auf der Bühne. Brauch’ ich auch gar nicht, weil die Bühne ist ja mein Ventil. Da kann ich alles sagen, was ma net passt und was mi aufregt. Und auch, wenn ich ziemlich krachert rüberkomm’, glaub’ ich, bin ich scho ein ziemlich sensibler und feinfühliger Mensch. Aber da werd jetzt bei einigen a Lachsalve losgeh...

Ja, weil die kennen Dich ja nicht privat...

Klar, d’Leit moanan, dass du eins zu eins wie auf der Bühne bist. Aber des wär’ wahnsinnig anstrengend für alle.

Was unterscheidet denn die Gruberin auf der Bühne von der Moni daheim?

Dass ich privat gern mal mei Babbn halt. Das genieß ich total. Ich brauch a mei Zeit für mi. Ich kann sehr gut mit mir selber auskommen. Es gibt Abende, auch Tage, wo ich echt nur für mich sein muss. Da kann ich dann auch nicht reden. Ich denk dann schon an Leute, die ich lange nicht mehr gesehen habe, bei denen ich mich längst hätte melden müssen, aber ich bin dann wirklich so drauf, dass ich nicht reden kann. Des hat nix mit der Intensität der Freundschaft zu tun, da brauch ich dann einfach meine Ruhe.

Was noch?

Dass ich auf der Bühne Sachen aussprech’, die ich mir privat nie zu sagen trauen würde. Was auch nicht sein muss. Ich muss nicht alles sagen, was mir im Kopf so umgeht.

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