Tony Christie überrascht mit zauberhaftem Spätwerk

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Tony Christie verabschiedet sich mit seinem neuen Album vom Schlagerbarden-Image.

London - Wer an Tony Christie denkt, summt prompt „Is This The Way to Amarillo - Shalalalalalalala“. Jetzt macht der Brite aber richtig gute Musik und tourt damit durch Deutschland.

Tony „Is This The Way to Amarillo“ Christie ist eines dieser Stehaufmännchen des Musik-Business. Nie tot zu kriegen und alle zehn Jahre mit einem Comeback. Als der Brite gar keinen Plattenvertrag mehr bekam, wurde er in den 90ern Schlagerbarde in Deutschland. „Es war im wesentlichen nicht meine Musik, aber ich bereue es nicht“, sagt er über die Zeit mit Produzent Jack White. „Es war sehr erfolgreich.“ Was die wenigsten wissen: Er fing in den 60ern mal als ernstzunehmender Musiker an. Mit einem zauberhaften Spätwerk kehrt der 68-Jährige nun zu seinen Wurzeln zurück. Kritischste Szene-Kritiker feiern sein jüngstes Album „Now's the Time“. Und damit tourt er jetzt zu seinem 50. Bühnenjubiläum mal wieder durch Deutschland. Erstmals seit 15 Jahren.

„Erst einmal ist es nur eine kleine Tournee, eine Art Test-Ballon, ob sich die Deutschen noch an mich erinnern“, erzählt Christie im dpa-Interview in einer schummerigen Bar unter einem Londoner Nobel-Hotel. Er hofft, dass sie sein „neues Material“ mögen und „die Leute, die den Schlager-Kram gekauft haben, nicht enttäuscht sind“. Denn davon wird er nicht viel spielen. Reine Kommerz-Cds wie „Weihnachten mit Tony Christie“ zählt er selbst sicherlich nicht zu seinen besten.

Was das neue Material ist? „Ein großer Mix. Es ist ein bisschen Blues, ein bisschen Northern Soul, ein bisschen R' n' B“. Der „Guardian“ merkte schon an, dass dies wohl der beste Tony Christie sei, den es je gab. Und auch schon sein vorangegangenes Album „Made in Sheffield“ wurde mit Lob überhäuft. Darauf interpretiert Christie Songs angesagter Sheffielder Bands wie Arctic Monkeys oder Pulp neu. Er wurde 2009 auf den Glastonbury Festival dafür von tausenden jungen Leuten gefeiert.

„Ich dachte mir, dass ich jetzt in diesem Lebensabschnitt noch einmal Alben mache, auf die ich richtig stolz sein kann. Die einfach für jeden etwas sind. Und bei denen man nicht automatisch an "Amarillo" und so denkt.“ Ja, aber „Amarillo“, diesen mitreißenden Pop-Song mit Ohrwurm-Alarm von 1971, kennt jeder. Mit einer Neuveröffentlichung 2005 kletterte Christie sensationell erstmals auf Platz 1 der UK-Charts.

Mag er das Lied etwa auch nicht mehr? Doch doch, „das ist einfach ein großartiger Song, den die Menschen lieben“. Bei jedem Auftritt in den vergangenen vierzig Jahren schmetterte er ihn. „Ich wünschte, ich hätte fünf solcher Songs in meiner Karriere gehabt.“ Dass seine Laufbahn eine Achterbahnfahrt war, gibt er umumwunden zu - „hoch und runter, hoch und runter. Aber Leute - ich bin immer noch da!“ Deswegen liebt er auch die treuen deutschen Fans so: „Wenn die dich mögen, mögen die dich.“

Und sonst gab ihm auch seine Familie immer Kraft. „Ich habe drei Kinder, sieben Enkel. Und eine wunderbare Frau. Sue und ich sind im Februar 44 Jahre verheiratet.“ Seine Sue nennt er charmant „my little Hausfrau“, sie tourt stets mit und ist beim Interview dabei. Ebenso wie Sean, sein ältester Sohn und Manager: „Wir sind ein Familien-Business“, erzählt der. Keine Skandale? „Ich bin sehr langweilig“, sagte Christie.

Wegen der Familie zog Anthony Fitzgerald (wie sein bürgerlicher Name lautet) vor sechs Jahren auch zurück ins beschauliche Lichfield nahe Birmingham. Zuvor hatte er lieber das schöne Klima Spaniens genossen, drei Mal in der Woche Golf gespielt und neben Peter Maffays Steuerberater gewohnt.

Bleibt die Frage: Was macht der Brite Christie im Sommer während der Olympischen Spiele im eigenen Land? Er legt drei Tage mit der „MS Deutschland“ vor London an und singt für deutsche Olympia-High-Society.

dpa

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