Sacha Baron Cohen (Brüno) ließ sich von dem Berliner Designer inspirieren

Harald Glööckler: ein heißes Vorbild

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Es jodelt in der Lederhose: Designer Harald Glööckler

Berlin - Exzentrisch, sexistisch, provozierend, total durchgedreht und politisch völlig unkorrekt – der Komiker Sacha Baron Cohen schlägt wieder zu.

Am Donnerstag kommt er als schwuler, österreichischer Modejournalist Brüno ins Kino. Wieder – wie bereits als rassistischer, Journalist Borat  – mischt Cohen fiktive mit realen Szenen. Er konfrontiert sein Gegenüber mit radikal provokanten Meinungen – und entlockt ihnen entblößende Äußerungen. Ein Humor, der für Skandale sorgte. Und er treibt’s noch bunter: Im Leoparden-Porno-Outfit und im Latexhöschen ging Cohen die letzten Monate auf „Recherche“.

Sacha Baron Cohen ist Brüno

Dabei meldete er sich auch bei Harald Glööckler , Deutschlands extravagantester Modedesigner, Hauptfigur seiner Glamour-Welt in Glitzer-Gold, schwerem Brokat und überbordenden barocken Formen. Sein Label heißt passenderweise Pompöös, und jeder, der seine Erfolgs-Show beim Homeshopping-Sender HSE24 einmal gesehen hat, kann den tätowierten, beringten, Muskel bepackten Designer mit dem penibel gepflegten Vollbärtchen nicht mehr vergessen. Mit seinem schwulen Charme wickelt er seine Kundinnen reihenweise um den Finger.

Das gefiel auch Cohen: Der Komiker klingelte bei Glööckler in Berlin an, wollte ihn zum Dinner ins Promi-Restaurant Borchardt einladen. „Doch dann kam er zu mir, und wir gingen gar nicht mehr aus. Wir hatten hinreißende Gespräche über Gott und die Welt“, erzählt Glööckler der tz. „Er hat mich sehr genau studiert, außerdem war die ganze Zeit eine Kamera dabei.“ Gesten, Mimik, Ausdrucksweise – für Glööckler gehört Selbstinszenierung, Übertreibung und Show zum Geschäft. Cohen musste die Kamera einfach laufen lassen, Stoff dürfte er genug gesammelt haben. Hat Glööckler keine Angst, selbst „Opfer“ von Cohens bitterbösen Scherzen zu werden? „Nein, an diesem Abend waren weder Borat noch Brüno da, sondern nur der Mensch Sacha Baron Cohen.“

Zum Dank bekam der Designer am nächsten Tag einen riesigen Geschenkkorb vom Edelkaufhaus Galeries Lafayette samt Dankeskarte geschickt. „Außerdem hat er mich nach Los Angeles eingeladen“, erzählt Glööckler. Doch seine Arbeit geht vor. „Auch wenn viele das meinen, aber ich bin kein versponnener Künstler, der den halben Tag mit dem Champagner-Glas durchs Atelier torkelt.“ Seine deutsche Show läuft so glänzend, dass die britische Konkurrenz ihn gleich mit einem Dreijahresvertrag köderte. Und selbst Japan zieht nach. „Dort haben wir erst eine Show ausgestrahlt, aber bereits am nächsten Tag wurde ich auf der Straße ständig erkannt. Es war, als wäre ich über Nacht zum Star geworden.“ Wenn er Zeit findet, wird er sich Brüno natürlich im Kino ansehen, bisher kennt er nur Ausschnitte. „Die Modebranche ist noch viel, viel affektierter. Jetzt bekommt sie endlich mal einen Spiegel vorgehalten.“ Und Harald wohl auch.

Maria Zsolnay

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