US-Sängerin bezaubert bei "Arabs Got Talent"

Jennifer Grout
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Jennifer Grout steht im Finale von "Arabs Got Talent".

Beirut - Eine blonde Amerikanerin steht im Finale der Castingshow "Arabs Got Talent". Mit den schwierigsten Liedern des klassischen arabischen Repertoires überzeugte Jennifer Grout im Nahen Osten.

Jennifer Grout lebt in Boston an der Ostküste der USA, spricht nur Englisch und hat dennoch per Internet die schwierigsten Lieder des klassischen arabischen Repertoires erlernt. Am Samstag steht die 23-jährige Amerikanerin im Finale der im gesamten Nahen Osten ausgestrahlten Castingshow "Arabs Got Talent".

Bei ihrem ersten Auftritt überzeugte die langhaarige blonde Sängerin, die auf jegliche Schminke verzichtet, die Jury mit der Arie "Fern von Dir" der ägyptischen Diva Umm Kalthum. Dabei begleitete sie sich selbst auf der Ud, der orientalischen Laute. Als einer der Juroren, der ägyptische Schauspieler Achmed Helmy, sie auf Arabisch bat, ihren Namen zu nennen, verstand die Sängerin kein Wort. Aber beim Singen beeindruckte sie das Publikum dann mit einer bestechenden Aussprache und perfekter Beherrschung des Vierteltons, eines Charakteristikums der orientalischen Musik.

Die libanesische Sängerin Fairouz ist ihr Vorbild

In einer Musikerfamilie im US-Bundesstaat Massachusetts aufgewachsen, begann sie schon im Alter von fünf Jahren Klavier und Geige zu spielen. Vor drei Jahren stieß sie im Internet auf einen Artikel über die libanesische Sängerin Fairouz. Deren einzigartig bezaubernde Stimme ist noch heute täglich in Radiosendern vom Irak bis Marokko zu hören. "Das hat mich fasziniert und ich beschloss, die arabische Musik zu erkunden", erzählt Grout im Gespräch mit der AFP. Sie machte sich mit den Chansons von Umm Kalthum vertraut, die auch drei Jahrzehnte nach ihrem Tod noch als die schönste Stimme der Arabischen Welt gilt. Auch das Repertoire des syrischen Stars der 30er und 40er Jahre, Asmahan, oder des ägyptischen Sängers und Komponisten Mohammed Abdel Wahab eignete sich Grout an. In einer Talentshow wie "Arabs Got Talent", wo fast nur Popmusik interpretiert wird, fällt ihr Geschmack aus dem Rahmen.

Arabisch kann Grout nur aus dem Internet

Gefragt, warum sie klassische Chansons bevorzugt, antwortet Grout lächelnd: "Fragen Sie doch mal eine Opernsängerin, warum sie nicht lieber etwas von Britney Spears darbietet." Das Internet ermöglichte der jungen Amerikanerin, ihre Vorliebe für die Interpretation der alten Musik des Nahen Ostens zu entwickeln. Sie nutzte Musikvideos auf YouTube und Google-Übersetzungen der Texte. Arabischsprachige Freunde gaben ihr aber den letzten Schliff. "Selbstverständlich muss ich genau wissen, was ich da singe, um den richtigen Ausdruck rüberzubringen", erklärt Grout am Rande einer Probe in den Studios des Senders MBC, der die Fernsehshow im nördlichen Beiruter Stadtviertel Zouk Mosbeh ausrichtet. Zusätzlich nahm sie professionellen Ud-Unterricht, um sich bei manchen Stücken selbst auf der Laute zu begleiten.

Ein Werbegag des Senders?

Sollte sie im Televoting der Zuschauer das Finale der aktuellen Staffel von "Arabs Got Talent" gegen noch elf verbliebene Mitbewerber gewinnen, hofft Jennifer Grout auf das Medienecho, um ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen. "Dann warte ich auf Angebote und mit etwas Glück kann ich Konzerte geben. Das ist wirklich das, was ich gerne mein ganzes Leben lang machen würde", träumt die junge Frau.

In den sozialen Netzwerken der arabischen Länder ist die Seiteneinsteigerin schon ein großes Thema. Die meisten Kommentare sind voll des Lobs. Aber es melden sich auch Skeptiker, die nicht glauben können, dass sie kein Arabisch spricht. "Das ist doch nur ein Werbegag des Senders", lautet ein Kommentar auf YouTube. Aber Grout winkt ab und setzt ganz auf ihre Darbietung, um auch die Ungläubigen zu überzeugen: "Als ich das erste Mal auf der Bühne stand, erwartete das Publikum nicht viel, es gab sogar Gekicher. Aber dann, nach den ersten 30 Sekunden meines Vortrags, trat gebannte Stille ein und dann kam tosender Applaus."

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AFP

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