"Schlimme Tat"

Pistorius-Prozess: Urteil fällt am Dienstag

Oscar Pistorius
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Oscar Pistorius.

Pretoria - Das Finale im Pistorius-Prozess geht weiter: Das Strafmaß wird am kommenden Dienstag verkündet. Das teilte Richterin Thokozile Masipa zum Abschluss der Anhörungen mit.

Im Finale des Prozesses gegen den südafrikanischen Paralympics-Star Oscar Pistorius hatte die Staatsanwaltschaft eine Mindeststrafe von zehn Jahren Haft gefordert. Chefankläger Gerrie Nel wies am Freitag Forderungen der Verteidigung nach einem milden Urteil zurück. Die Tötung eines Menschen sei auch dann ein schlimme Tat, wenn sie fahrlässig erfolgt, erklärte Nel vor dem Obersten Gericht in Pretoria.

Für die Erschießung seiner Freundin Reeva Steenkamp durch eine geschlossene Toilettentür im Februar 2013 müsse Pistorius deshalb auch eine schwere Buße auferlegt werden, sagte Nel. Der 27-jährige Angeklagte war im September der fahrlässigen Tötung schuldig befunden worden.

Nel sagte, ein einfacher Hausarrest und die Pflicht zu gemeinnütziger Arbeit, wie von der Verteidigung vorgeschlagen, wären „schockierend unangemessen“. Wenn das Gericht den Angeklagten nicht so bestrafe, wie die Öffentlichkeit dies zu Recht erwarte, könne dies negative Rückwirkungen auf die gesamte Gesellschaft haben.

Zuvor hatte Verteidiger Barry Roux sich gegen eine Gefängnisstrafe für Pistorius ausgesprochen. Der Behindertensportler habe echte und tiefe Reue gezeigt und er leide zutiefst darunter, dass er in tragischen Umständen versehentlich seine Freundin erschossen habe.

"Keine Strafe kann schlimmer sein als das, was er seit 18 Monaten durchmacht", sagte Roux: Der ehemalige Sprintstar habe ungewollt einen "geliebten Menschen" getötet, habe seinen Status als Ikone, die meisten seiner Freunde sowie ein Großteil seines Vermögens verloren und sei von den Medien als "kaltblütiger Mörder" und verantwortungsloser Hitzkopf hingestellt worden. Pistorius weinte während dieser Schilderungen seines Anwalts.

Mehrmals berief sich Roux auf das südafrikanische Prinzip "Ubuntu" - Menschlichkeit - das vor allem nach dem Ende der Apartheid zu den Grundpfeilern von Nelson Mandelas "neuem Südafrika" zählte. Er bekräftigte, dass die Gefängnisse für Behinderte wie Pistorius kaum geeignet seien und verwies auf mehrere ähnliche Fälle, in denen Angeklagte nach dem von ihnen verschuldeten Tod von Angehörigen nicht in Haft mussten. Unter anderem wurde der frühere Rugbyspieler Rudi Visagie vor zehn Jahren freigesprochen, obwohl er seine eigene Tochter im Glauben, sie sei ein Einbrecher, erschossen hatte.

Pistorius vor Gericht: Bilder vom Prozess

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dpa/AFP

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