Interview vor dem Konzert in der TonHalle

Wise Guys: Vorfreude dank spezieller Münchner Stimmung

München – Am 29. Oktober gastieren die Wise Guys, Deutschlands erfolgreichste A-cappella-Band, in der TonHalle. Vor dem Konzert spricht Sänger Daniel Dickopf über das neue Album, neue Stilelemente und die Schwierigkeit von Open Airs in München.

15 Studio-Alben, unzählige Konzerte, über 25 Jahre Bandgeschichte – die Wise Guys haben schon fast Kult-Charakter. Trotz fehlender Würdigung in Radio und TV füllt die erfolgreichste A-cappella-Band Deutschlands die Hallen im gesamten deutschsprachigen Raum. Am 29. Oktober gastieren sie mit Ihrer frisch gestarteten Tour zum brandneuen Album "Läuft bei euch" (wir haben es probegehört und für gut befunden) im Rahmen des A-Cappella-Festivals "Vokal Total" in der TonHalle.

Wir sprachen mit Frontmann und Songwriter Daniel "Dän" Dickopf, der zusammen mit seinen Bandkollegen unserem Pressehaus einen Tag nach dem Konzert einen äußert interessanten Besuch abstatten wird.

Das neue Album „Läuft bei euch“ ist seit Anfang September auf dem Markt, die Album-Tour gestartet - da fragen wir einfach mal salopp: Wie läuft's bei Euch?

Daniel Dickopf: (lacht) Läuft super! Die Tour macht sehr viel Spaß.

Was erwartet die Fans auf der Album-Tour?

Daniel Dickopf: Sie ist eine Mischung. Es gibt viele Songs vom neuen Album, da sind zehn, elf Songs live dabei. Aber wir haben dazu auch ein paar ganz alte Oldies rausgesucht, teilweise aus dem vorigen Jahrtausend (schmunzelt). Da kommen vor allem die älteren Fans auf Ihre Kosten. Die ganz alten Sachen funktionieren aber auch erstaunlich gut beim neueren Publikum. Und trotzdem ist das neue Album sehr stark vertreten, das macht uns natürlich sehr, sehr viel Spaß. Es ist ein sehr witziger Mix.

Vor einigen Jahren habt Ihr verlauten lassen, dass Ihr keine a cappella mehr, sondern Vokal-Pop macht. Auf dem neuen Album aber gibt es sogar eine Hymne auf die A-cappella-Musik. Was stimmt denn nun?

Die Wise Guys Daniel Dickopf, Nils Olfert, Edzard Hüneke, Andrea Figallo und Marc Sahr (v.l.) gastieren am 29. Oktober in TonHalle.

Daniel Dickopf: Da steckt kein System dahinter. Wir sind fünf Leute und haben keine Boss, der uns die Richtung vorgibt. Wir haben uns ein paar Jahre an dem Begriff „a cappella“ gestoßen und gestört, weil dieser Begriff sehr oft in Verbindung gebracht wurde mit einem „Tralala“, mit „kleiner grüner Kaktus“, mit einer Art ganz leichter Unterhaltung. Es gibt viele Leute, die denken, das sind nur Jungs, die da stehen und bisschen lustige Liedchen singen. Da wollen wir deutlich drüber hinaus und tun das auch seit Jahren auf der Bühne, auch mit ernsthaften Texten. Da fanden wir den Begriff a cappella irgendwie etwas unpassend. Ein paar Jahre haben wir dann für uns Vokal-Pop eingeführt.

Wise Guys wollen nicht noch einmal mit Instrumenten agieren

Und wie kam es dann zur Rückkehr und zu besagter Huldigung auf dem Album „Läuft bei euch“?

Daniel Dickopf: Für mich ist der Song so ein bisschen ein Bekenntnis zum A cappella, weil ich es im Nachhinein etwas unglücklich finde, dass wir das damals gemacht haben. Das, was wir tun, die Darbietungsform, ist a cappella. Wir singen ohne Instrumente, das heißt nun mal a cappella. Und das ist ein klares Bekenntnis dazu. Auch dazu, dass wir als Band nicht mehr mit Instrumenten agieren wollen, was wir ja einmal mit dem Album „Zwei Welten“ 2012 gemacht haben.

Was ist das Besondere an dem neuen Album „Läuft bei euch“, was ist neu bei den Wise Guys?

Daniel Dickopf: Musikalisch sind wir den Weg weitergegangen, dass die Alben sehr viel lebendiger klingen. Der Sound ist moderner, die Beats sind besser, die Textverständlichkeit ist besser. Das liegt an unserem neuen Produzenten Andrea Figallo, unserem Bass, der letztes Jahr schon das Album „Achterbahn“ aufgenommen hat. Die ganze Arbeitsatmosphäre im Studio hat sich massiv verbessert gegenüber der Arbeit mit unserem alten Produzenten. Dadurch ist es musikalisch ein weiterer Schritt nach vorn, hin zu einer größeren Lebendigkeit und Dynamik.

Wise Guys prangern Mobbing und Gaffen an

Und inhaltlich, was hat sich da getan?

Das Album "Läuft bei Euch" stieg auf Platz 6 der Charts ein.

Daniel Dickopf: Inhaltlich finde ich zwei Sachen auffällig. Das Album heißt ja „Läuft bei euch“, das ist ein Anspielung auf das Jugendwort 2014 „Läuft bei dir“. Wir behandeln sehr viele Zeitgeist-Themen. Das sind durchaus auch Themen, die junge Leute betreffen. Da gibt es zum Beispiel das Thema Mobbing. Im Song „Tim“ geht es um eine wahre Geschichte von einem Jungen, der sich umgebracht hat, nachdem er auch im Internet massiv gemobbt worden ist. Das Lied „Gaffen“ ist auch so ein Thema. Das geht es um die Autobahn-Gaffer, die lieber erst ein paar Fotos machen oder gar keine Hilfe holen. Da sind einige Songs. Wir haben bestimmt fünf, sechs Songs, die sich um solche Phänomene des Zeitgeistes drehen. Das ist eigentlich neu. Wir gehen ein bisschen von der persönlichen, privaten Ebene mehr hin zu gesellschaftlichen Themen. Und das zweite ist, dass wir selbst in andere Rollen so richtig reinschlüpfen, das haben wir früher auch nicht so häufig gemacht. Bei „Gaffen“ sind wir die Gaffer. Beim Konzert merkt man, wie die Leute eigentlich lachen und auch bei dem Beat mitwippen, aber ihnen gleichzeitig das Lachen bisschen im Hals stecken bleibt, weil wir echt so tun, als fänden wir es total geil uns am Leid andere Leute zu weiden. Das ist ein Stilart, die wir so noch nicht hatten.

Wise Guys: "Vorfreude auf München ist immer groß!"

Am 29. Oktober kommt Ihr mit Eurer "Läuft bei euch"-Tour nach München, ihr macht im Rahmen des A-cappella-Festivals "Vokal Total" Station in der TonHalle. Wie groß ist die Vorfreude bei Euch?

Daniel Dickopf: Die Vorfreude auf München ist immer groß! Das ist das Schöne, dass ich das wirklich immer ganz reinen Gewissens sagen kann. Es gibt schon Städte, wo man nicht so ganz so gerne hinfährt. Nach München fahren wir aber sehr gerne, weil es uns schon in unseren Anfangstagen auffiel, wie gut das Münchner Publikum für uns ist.

Zeichnet das Münchner Publikum denn etwas Spezielles aus?

Daniel Dickopf: Wir haben wirklich das Gefühl, dass da diese Spanne der Begeisterungsfähigkeit da ist. Die Fans können bei einer Ballade richtig ruhig werden, dass man eine Stecknadel fallen hört, aber auch richtig Party machen bei den Nummern, die abgehen. Diese ganze emotionale Bandbreite, die wir auch von der Bühne aus vorleben, gehen die mit. Das haben wir in fast keiner anderen Stadt wie in München, das schätzen wir sehr.

Ein großes Kompliment, schließlich seid Ihr im gesamten deutschsprachigen Raum unterwegs!

Daniel Dickopf: Wir haben ein paar Lieblingsstädte. Da ist München, da sind aber auch Dresden, Hannover und Wien dabei. Bei unserem Heimspiel in Köln hängt das immer von der Location ab, aber das Open Air im Tanzbrunnen ist für uns immer das Beste, was es gibt.

Stichwort Open Air: Ihr habt schon vier große Freiluft-Konzerte in München gespielt (Bundesgartenschau 2005, Königsplatz 2006, Olympia-Reitstadion 2007 und Kirchentag auf der Theresienwiese 2010), jeweils vor über 10.000 Fans. Welche Erinnerungen habt Ihr noch daran, gab es ein absolutes Highlight?

Daniel Dickopf: Open-Air-Konzerte sind immer etwas ganz Besonderes. Und dank dieser erwähnten speziellen Münchner Stimmung waren das großartige Sachen. Das auf der Bundesgartenschau hab ich persönlich am schönsten in Erinnerung.

Open-Air-Konzerte für Wise Guys "fast nicht mehr zu stemmen"

Würdet Ihr gerne wieder ein Open-Air-Konzert in München spielen? Gibt es vielleicht sogar schon Überlegungen oder Pläne?

2005 begeisterten die Wise Guys über 10.000 Zuschauer auf der Bundesgartenschau in Riem.

Daniel Dickopf: Es ist bedauerlich, dass solche Open-Air-Konzerte für jemand wie uns, die zusammen mit unserem Team alles selbst organisieren, fast nicht mehr zu stemmen sind. Man hat so viel Risiko mit dem Wetter, in Bayern zusätzlich sehr viel Stress mit den Behörden und mit Sicherheitsvorkehrungen, die noch zehnmal schärfer sind als bei uns in Nordrhein-Westfalen. Und deswegen ist es uns zu riskant geworden. Beim Konzert am Königsplatz 2006 hatten wir auch eine fünfstellige Anzahl von Fans da und haben doch einen relativ satten Verlust gemacht. Deswegen ist das leider für uns in der Form nicht mehr zu stemmen. Das ergibt ja keinen Sinn, dass man ein tolles Konzert macht und dann aber Schulden aufhäuft.

Der Wunsch zu einer Wiederbelebung wäre aber da?

Daniel Dickopf: Wir haben immer wieder die Hoffnung, dass wir vielleicht über einen Veranstalter, der uns einlädt, so auftreten könnten. Ab und zu kommt ein Veranstalter und sagt, ich habe ein Festival hier, wollt ihr nicht da auftreten. So etwas wie auch auf dem Tollwood, in dem Zelt, das war schon super. Da hätten wir kein Risiko, dann würden wir solche Dinge sehr gerne noch mal machen. Weil die Erinnerungen daran sind ganz toll.

Wise Guys steigen dem Pressehaus aufs Dach

Wir werden Euch am Tag nach Eurem Stopp in der TonHalle auf dem Dach unseres Pressehauses begrüßen dürfen (die Videos davon gibt es hier auf tz.de). Ein Konzert über den Dächern von München – ist das auch für Euch alte Hasen etwas Besonderes?

Daniel Dickopf: Ja, auf jeden Fall! Da haben wir uns darüber unterhalten und haben uns schon überlegt, wie das wohl wird. So etwas auf einem Dach haben wir auch noch nicht gemacht. Da sind wir sehr gespannt. So toll der Beruf auch ist, im normalen Konzertablauf ist alles doch recht ähnlich. Da freut man sich schon auf so eine Abwechslung, das ist immer wieder schön.

15 Studio-Alben habt ihr bislang herausgebracht. Was sind die nächsten großen Projekte der Wise Guys?

Daniel Dickopf: Die aktuelle Tour führt uns noch eine ganze Weile durch den gesamten deutschsprachigen Raum. Wir wollen aber gerne eine Live-DVD machen, das ist einfach wieder an der Reihe. Wir haben ein Konzert im Konzerthaus in Wien im November, da werden wir einen Mitschnitt machen, der soll Anfang 2016 erscheinen. Unsere letzte Live-DVD, die ist fast sieben Jahre her, da waren wir noch in der ganz alten Besetzung (personelle Wechsel 2009 und 2013). Da ist das einfach mal wieder fällig.

Wise Guys planen für 2016 Jubiläumstour

Wie geht es nach der „Läuft bei euch“-Tour weiter?

Daniel Dickopf: Für den Spätsommer 2016 ist eine Jubiläums-Tour mit dem Untertitel „Das Beste aus 25 Jahren“ geplant. Das ist aber schwierig, da wir unser Gründungsjahr kaum festlegen können. Wir haben in der Schule angefangen, waren erst eine Rockband und haben uns aus einer Spaß-Kombo heraus entwickelt. Wir haben jetzt einfach gesagt, 1991/92/93 ist etwa unser Gründungsjahr als A-cappella-Band. Auf dieser Tour werden die ganzen Hits, die bei den Fans am beliebtesten sind, an einem Abend ins Programm kommen. Das geht dann bis mindestens Weihnachten 2016, wenn nicht sogar länger.

Interview: Florian Weiß

Rubriklistenbild: © fkn

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