Wirbel um Eurovision Song Contest

Nach Naidoo-Debakel: Hauen und Stechen in der ARD

Xavier Naidoo
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Xavier Naidoo wird nun doch nicht für Deutschland beim ESC antreten.

Berlin - Nach der Nullnummer von Ann Sophie beim ESC 2015 sorgt nun der Eklat um die Nominierung von Xavier Naidoo für negative Schlagzeilen. Die ARD distanziert sich öffentlich vom NDR.

Das größtmögliche deutsche Desaster beim Eurovision Song Contest gibt es ausgerechnet vor dem sechzigsten Geburtstag des Wettbewerbs im nächsten Jahr: Nach dem Null-Punkte-Flop Ann Sophie hat sich mit der Posse um Xavier Naidoo das zu den ESC-Gründerländern zählende Deutschland völlig bloß gestellt. Wer nun überhaupt noch Lust hat, beim Jubiläum für Deutschland zu singen, ist nicht absehbar - in der ARD hat außerdem ein Hauen und Stechen begonnen.

NDR

Der NDR korrigierte binnen zwei Tagen eine Entscheidung, auf die seine Verantwortlichen wochenlang hingearbeitet hatten. Zuerst war Naidoo bekniet worden, als einer der aktuell erfolgreichsten deutschen Musiker im Mai in Stockholm für Deutschland anzutreten - dann entschied sich der NDR laut ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber wegen der heftigen Kritik an dem 44-Jährigen für die Notbremsung. "Wir haben das falsch eingeschätzt." Naidoo selbst wäre trotz der Kritik weiter angetreten.

Homophobie-Vorwurf gegen Xavier Naidoo

Es geht um die Vorwürfe der Homophobie Naidoos vor allem wegen eines Liedtextes, um einen Auftritt bei der verfassungsfeindlichen und teilweise rechtsextremen Reichsbürgerbewegung und um diverse Verschwörungstheorien des Sängers. All diese Vorwürfe kannte der NDR vor der Kür Naidoos.

Womöglich wäre es gar nicht zu dem Eklat gekommen, wenn es beim herkömmlichen Vorentscheid geblieben wäre und das Publikum hätte entscheiden können, ob es Naidoo schickt. Doch durch die Entscheidung, den Mannheimer ohne Vorentscheid auszuwählen, gab es diese Option nicht. Beschädigt sind nun alle Beteiligten.

Während Künstler wie der Komiker Michael Mittermeier oder Til Schweiger sich auf die Seite von Xavier Naidoo schlugen - der Schauspieler nannte die Kritik an dem Sänger sogar "eine Form von Terrorismus" -, ging in der ARD ein ungewöhnlich offen ausgetragener Streit los.

ARD geht auf Distanz zum NDR

ARD-Programmdirektor Volker Herres bemängelte in der "Welt am Sonntag", die ARD hätte vorher intern diskutieren müssen, ob sich Naidoo "für eine Teilnahme am ESC disqualifiziert" habe. Herres scheint da eine andere Meinung zu haben als Schreiber - "Xavier Naidoo hat mehrfach Äußerungen getätigt, die man nicht gutheißen kann und missbilligen muss", sagte er.

Herres nannte keine Namen. Aber es ist klar, auf wen seine Kritik zielt: Seit Jahren ist NDR-Mann Schreiber für den Eurovision Song Contest verantwortlich. Schreiber muss nun verantworten, dass nach dem freiwilligen Verzicht von Vorentscheid-Sieger Andreas Kümmert vor dem diesjährigen ESC-Finale Deutschland schon zum zweiten Mal in Folge einen Starter schicken muss, der den Malus einer Notlösung hat.

Wie jetzt überhaupt der deutsche Starter ermittelt werden soll, ist außerdem unklar. Der NDR kündigte zwar an, dies "so schnell wie möglich" entscheiden zu wollen. Aber ob die ARD die Norddeutschen nach dem nun heftigen Streit noch einmal einfach so machen lässt? Und ob sie auch Schreiber weiter wie bisher machen lassen?

Schon die letzten drei deutschen Starts waren Flops. In den vergangenen Jahren konnten sich deutsche Künstler nur vorne platzieren, wenn Stefan Raab mit im Boot saß. Doch der will sich ja am Jahresende vom Fernsehen zurückziehen.

Schreiber erklärte zur Begründung des Verzichts auf Naidoo auch, die Diskussionen um diesen könnten dem ESC ernsthaft schaden. Doch es droht die Gefahr, dass daran auch die unfeine Entlassung kaum noch etwas ändern kann. Schon beim ersten Start 1956 bekam Deutschland mit dem Schlager "Im Wartesaal zum Glück" null Punkte, genau wie in diesem Jahr. Kummer ist die Schlagernation beim Musikwettbewerb also gewohnt. Anders als früher - zuerst mit Ralph Siegel und später mit Stefan Raab - scheint diesmal aber niemand da, der einen Ausweg kennt.

AFP

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