Ann Sophie bietet sich an - aus Spaß?

Nach Naidoo-Aus: Wer vertritt Deutschland beim ESC?

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Xavier Naidoo.

Hamburg - Gerade mal zwei Tage lang war Xavier Naidoo offiziell Deutschlands neuer Kandidat für den ESC. Ohne Vorentscheid und Abstimmung der Fans, auserkoren von den ARD-Verantwortlichen. Jetzt der Rückzieher - am Ende eines ohnehin schon desaströsen ESC-Jahres für Deutschland.

Andreas Kümmert wird zum Kneifer, Ann Sophie zur Null-Punkte-Letzten und Xavier Naidoo nun auch zum Debakel für Deutschlands ESC-Verantwortliche. Ausgerechnet ihn - einen der umstrittensten Sänger in Deutschland - hatte die ARD als Teilnehmer für den nächsten Eurovision Song Contest (ESC) auserkoren. Ohne die treuen Fans des stets schlagzeilenträchtigen Spektakels wie gewohnt bei einem Vorentscheid abstimmen zu lassen, sondern einfach bestimmt. Eine gewaltige Wutwelle setzte im Internet ein, zwei Tage lang schwappte sie über Naidoo und den NDR, der innerhalb der ARD für den ESC verantwortlich ist. Dann der Rückzieher: Naidoo singt nicht - die nächste Blamage für Grand-Prix-Deutschland fünf Jahre nach Lenas Sieg.

Prominente wie Schauspieler Til Schweiger, Musiker Rea Garvey, Pur-Sänger Hartmut Engler und Comedian Michael Mittermeier nahmen Naidoo gegen die nicht enden wollenden und teils heftigen Attacken in Schutz. Kritiker werfen dem 44-Jährigen unter anderem vor, ein Rassist und schwulenfeindlich zu sein.

Naidoo nicht zum ESC - Was der Sänger dazu sagt

„Dass Xavier Naidoo polarisiert, wussten wir“, sagt ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber schon am Tag der Bekanntgabe. Zwei Tage später wiederholt er die Formulierung, aber fügt hinzu: „Die Wucht der Reaktionen hat uns überrascht.“

„Wir haben das falsch eingeschätzt“, sagt er. Die Begründung: „Die laufenden Diskussionen könnten dem ESC ernsthaft schaden.“ Naidoo selbst sagt, die Entscheidung sei einseitig gefallen.

Der Eurovision Song Contest sei ein fröhliches Event, bei dem die Musik und die Völkerverständigung im Mittelpunkt stehen sollten, meint Schreiber. Fröhlich war der ESC aus Sicht der hiesigen Fan-Gemeinde aber schon lange nicht mehr. Beim Vorentscheid in diesem März verkündet Gewinner Andreas Kümmert, dass er lieber doch nicht im Finale in Wien auftreten will.

Die Zweitplatzierte Ann Sophie soll fahren. Zwar fragt sie damals in der Live-Sendung noch unsicher in die Runde, ob das Publikum sie überhaupt wolle, doch sie packt ihre Koffer - und kommt mit null Punkten und einem letzten Platz zurück. Nach der Absage für Naidoo zeigt sie Humor: „Dann fahr ich halt wieder“, schreibt sie auf Facebook und Twitter.

Ann Sophie war ein Newcomer - genau wie Lena Meyer-Landrut, die für Deutschland, nach langen Jahren des vergeblichen Wartens seit dem bis dahin einzigen Grand-Prix-Sieg 1982 mit Nicole, 2010 endlich mit „Satellite“ die ESC-Krone holte. Im Jahr danach trat Lena dann gleich noch einmal an und wurde Zehnte. Von den Top Ten blieben die deutschen ESC-Kandidaten danach meistens weit entfernt: Cascada schaffte es 2013 nur auf Rang 21, Elaiza 2014 auf Platz 18 und in diesem Jahr nun der letzte Platz für Ann Sophie. Nur Roman Lob kam 2012 als Achter noch unter die ersten Zehn.

Bei ihm hatte Stefan Raab - spätestens mit seinem Schützling Lena als ESC-Retter gefeiert - noch mitgemischt. „Was läuft schief beim deutschen Vorentscheid?“, fragten viele nach der Niederlage von Wien. Und nicht wenige riefen wieder einmal nach Raab. Doch der 49-Jährige, der mehrere Male an den deutschen Beiträgen beteiligt war und mit „Wadde hadde dudde da?“ selbst im ESC-Finale 2000 in Stockholm Fünfter wurde, hatte sich schon aus dem Grand-Prix-Geschehen zurückgezogen. Seine Produktionsfirma Brainpool blieb allerdings am Ball und produzierte etwa gemeinsam mit dem NDR den Vorentscheid. Doch Raab wird demnächst seine TV-Karriere beenden.

Naidoo erklärte am Samstag, die ARD sei vor einigen Monaten auf ihn zugekommen und habe ihn gebeten, für Deutschland beim ESC anzutreten. „Ich habe nach reichlicher Überlegung schließlich zugesagt, weil dieser Wettbewerb ein ganz besonderes Ereignis für mich gewesen wäre.“

Reichlich überlegen dürften sich das wohl die meisten seiner ebenso erfolgreichen Kollegen in Deutschland. Erst mussten renommierte Musiker bei den vergangenen beiden Vorentscheiden zuschauen, wie am Ende Newcomer, die sich zuvor nur über ein Clubkonzert für den Vorentscheid qualifiziert hatten, zum Finale fahren durften. Nun die heftige Diskussion um Naidoo.

„So schnell wie möglich werden wir entscheiden, wie der deutsche Beitrag für den ESC in Stockholm gefunden wird“, kündigt Schreiber an. Zumindest der Termin steht: Am 14. Mai 2016 steigt in Stockholm das Finale des 61. Eurovision Song Contest.

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