Ex-MDR-Intendant nahm sich das Leben

Jauch liest Abschiedsbrief von Udo Reiter vor

Günther Jauch Udo Reiter
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Günther Jauch liest die Erklärung Udo Reiters vor: Der Ex-MDR-Intendant hatte sich selbst das Leben genommen.

Berlin - "Dürfen wir selbstbestimmt sterben?": Kein einfaches Thema hatte sich Günther Jauch am Sonntag ausgesucht. Und hoch emotional war es dann auch - denn der Moderator las den Abschiedsbrief von Ex-MDR-Intendant Udo Reiter vor, der sich am 10. Oktober selbst das Leben nahm.

"Man musste damit rechnen, dass er es irgendwann wahr machen würde", sagte Thomas Gottschalk, den Günther Jauch in seine Sendung eingeladen hatte. "Aber ich bin entsetzt darüber, dass er es so früh getan hat."

Gottschalk war ein guter Freund Udo Reiters gewesen, vor zwei Jahren sogar sein Trauzeuge. Über das Thema Tod hatte er mit ihm immer wieder und immer heftigst diskutiert - denn während Udo Reiter zeitlebens über seine Selbstbestimmung im Tod gesprochen hatte, ist Thomas Gottschalk völlig anderer Meinung, verdrängt das Thema eher. "Udo Reiter hingegen hat das immer mit einer gewissen Leichtigkeit diskutiert. Es gehört zu seinem Leben dazu."

Der Journalist Udo Reiter saß 50 Jahre seines Lebens im Rollstuhl - ein Unfall mit 23 Jahren zwang ihn dazu. Damals dachte er bereits daran, seinem Leben ein Ende zu machen, besann sich aber - vor allem wegen seiner Familie - und lebte weiter. Er ging zum Bayerischen Rundfunk, führte dort den Nachrichtenkanal B5 aktuell ein, begründete später den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) mit und wurde auch dessen Intendant.

"Ich muss das Recht haben zu sagen, nein danke."

Thomas Gottschalk erzählte von vielen Treffen und von vielen Gesprächen. Der Tod sei dabei immer präsent gewesen. In einer Rückblende in der Sendung kam dann auch Udo Reiter selbst zu Wort - ein emotionaler Moment. Denn erst Anfang 2014 war er zu Gast bei Günther Jauch gewesen. Und hatte auch damals über das Thema Selbstbestimmung gesprochen. "Ich muss das Recht haben zu sagen, nein danke, das will ich nicht, es ist genug."

Für ihn war es nun genug. Denn zu seinem Leben im Rollstuhl seien nun auch erste Anzeichen einer Demenz gekommen - mit diesem Leid wollte der Journalist nicht mehr leben. Er erschoss sich am 10. Oktober dieses Jahres auf seiner Terrasse in Leipzig.

Danach blieb die Sendung weiter hoch emotional. Günther Jauch las eine Erklärung Udo Reiters vor, die dieser vor seinem Tod verfasst hatte. Seine Familie hatte dem ausdrücklich zugestimmt.

Facebook: "Reiter hat egoistisch gehandelt"

"Nach fast 50 Jahren im Rollstuhl haben meine körperlichen Kräfte in den letzten Monaten so rapide abgenommen, dass ich demnächst mit dem völligen Verlust meiner bisherigen Selbstständigkeit rechnen muss", schrieb Udo Reiter vor seinem Freitod. "Vor allem die Fähigkeit, aus eigener Kraft die Toilette zu benutzen und das Bett zu erreichen, und wieder zu verlassen, schwindet zunehmend. Parallel dazu beobachte ich auch ein Nachlassen meiner geistigen Fähigkeiten, das wohl kürzer oder später in einer Demenz enden wird."

Sehen Sie hier die gesamte Erklärung im Video.

Neben Thomas Gottschalk diskutierten außerdem SPD-Politiker Franz Müntefering, Bettina Schöne-Seifert (Medizinethikerin) und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, über das Thema "Udo Reiters letzter Wille – dürfen wir selbstbestimmt sterben?". 4,34 Millionen Menschen schalteten am Sonntagabend ein.

Auf der Facebook-Seite der ARD entwickelte sich eine heftige Debatte. "Herr Reiter hat absolut egoistisch gehandelt", meinte ein Nutzer. Eine Userin betonte dagegen: "Jeder sollte, jederzeit, über sein Leben und auch über seinen Tod entscheiden."

pak

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