Diskriminierung Homosexueller?

ARD erlebt Shitstorm wegen Toleranz-Themenwoche

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Unter dem Motto "Anders als Du denkst" widmet sich die ARD-Themenwoche vom 15. bis 21. November dem Thema Toleranz.

München - Die ARD wirbt für ihre Themenwoche "Toleranz". Doch mit den Plakaten hat der Sender den Zorn vieler Menschen auf sich gezogen. Der Vorwurf: Diskriminierung.

Eigentlich ist es gut und wichtig, dass sich die ARD vom 15. bis 21. November, also eine Woche lang, dem Thema Toleranz widmet. Doch die Poster, mit denen die ARD für ihr Programm wirbt, machen viele Menschen unglaublich wütend. Die schief gelaufene Werbekampagne könnte die Themenwoche ins Lächerliche ziehen, noch bevor sie überhaupt angefangen hat.

Eines dieser vier Plakate zeigt zwei Männer: Der eine küsst den anderen auf die Stirn. Darüber steht "Normal? Oder nicht normal?" Dass diese Frage überhaupt gestellt wird, verwundert manchen.

Usern ist Unterschied zwischen Toleranz und Akzeptanz wichtig

Auf Twitter schimpfen User, dass homosexuelle Menschen längst akzeptiert statt nur toleriert werden müssten. Über die Unterscheidung zwischen Toleranz und Akzeptanz haben übrigens die Patinnen der Themenwoche, Paralympionikin Anna Schaffelhuber und Tagesthemen-Moderatorin Pinar Atalay, im Interview mit der ARD nicht gegrübelt.

Usern ist die richtige Wortwahl dagegen extrem wichtig. Einer von ihnen schreibt in einer Facebook-Gruppe: "Ich bin Rollstuhlfahrer – mit abgeschlossenem Studium. Und ich spüre auf dem Arbeitsmarkt ganz deutlich den Unterschied ob ich 'geduldet' oder 'anerkannt' werde!"

Bloggerin: "Müssen nicht mehr über Toleranz diskutieren"

Auch die Bloggerin Katrin Hilger setzt über ihren aktuellen Blog-Post zur ARD-Themenwoche die Überschrift "Wir waren doch schon mal weiter, oder?" Sie bloggt, sie sei entsetzt: "Behinderung, andere Hautfarbe, Kinderfreudlichkeit, Schwulsein – müssen wir darüber noch diskutieren? (...) Ihr macht mich sprachlos, liebe Programmmacher. Ist das euer Weltbild? Darüber müssen wir nicht mehr diskutieren. Schon gar nicht über Toleranz." 

Ein User ärgert sich: "Man hätte vorher ruhig mal jemanden mit Verstand drüber schauen lassen sollen..." Ein anderer ist enttäuscht, dass die ARD das Normale in Frage stellt und glaubt, "wir fallen hier um ein Jahrhundert zurück".

Das Satire-Magazin quer vom Bayerischen Rundfunk hat sich eine Fortsetzung der Poster-Serie ausgedacht:

Auch Buzzfeed Deutschland spottet mit einer Eigenkreation über die Plakat-Reihe:

Q uelle: Screenshot Buzzfeed

Grünen-Politiker Beck wirft ARD Diskriminierung vor

Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, regte sich im Interview mit Handelsblatt.com  auf: "Ich erwarte von der ARD ein Überdenken ihres Diskriminierungs-Themenspecials." Er findet, die "öffentlich-rechtlichen Medien verlassen ihren gesetzlichen Auftrag, wenn sie Minderheiten in ihrer Existenz in Frage stellen."

Beck: "So was erwarte ich höchstens vom rechten Rand"

Beck, der homosexuell ist, sagt: "Die Kampagne der ARD fühlt sich an wie ein kalter Wind aus Russland. Dass ich mich als homosexueller Mann im Jahr 2014 in meiner Existenz in Frage stellen lassen muss, hätte ich höchstens noch von einem unverbesserlichen rechten Rand erwartet."

Die Redaktion der ARD-Themenwoche hat auf Twitter reagiert:

Hessischer Rundfunk reagiert, aber nicht richtig

Der Hessische Rundfunk (HR) hat seinen Text, in dem er die Themenwoche ankündigt, am Dienstagnachmittag um ein Update erweitert. Unter dem Artikel geht der HR nun auf die heftige Kritik an den Plakaten ein. Er rechtfertigt sich: "Wir haben die Fragen bewusst zugespitzt, um bei diesem abstrakten Thema die konkrete individuelle Betroffenheit deutlicher zu machen."

Trotzdem scheint er den Kern der Kritik nicht verstanden zu haben. Denn die umstrittene Frage im Teaser "Ist sich das knutschende schwule Paar in der U-Bahn eigentlich bewusst, wie viel Toleranz es seinen Mitreisenden abverlangt?" hat der HR unverändert gelassen.

sah

Miriam Sahli-Fülbeck

Miriam Sahli-Fülbeck

E-Mail:miriam.sahli@merkur.de

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