Branchentreffen wird nicht im TV gezeigt

Deutscher Fernsehpreis ehrt Günter Wallraff

Günter Wallraff
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Günter Wallraff wird beim Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet.

Düsseldorf - Bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises am Mittwoch wird Enthüllungsjournalist Günter Wallraff (73) geehrt, große Namen machen sich ebenfalls Hoffnungen. Nur die TV-Zuschauer müssen draußen bleiben.

Ein bisschen weniger Pomp wird es geben, dazu deutlich weniger Aufwand und kaum Zuschauer. Dafür sollen auch weiterhin die großen Namen der TV-Branche zusammenkommen, wenn am Mittwochabend (19.30) in Düsseldorf die Besten des Jahres mit dem Deutschen Fernsehpreis geehrt werden. Denn auch in seiner abgespeckten Form als selbsternanntes „Branchentreffen“ soll die jährliche Verleihung in mehr als 20 Kategorien die Schauspieler und Produktionen würdigen, die nach Meinung der Jury zu den besten gehörten. Kein normales Event, denn nach heftiger Kritik an der Vergabepraxis wurde der Deutsche Fernsehpreis 2015 gar nicht erst verliehen.

„Ein guter Branchenpreis bezieht seine Berechtigung vor allem aus der Anerkennung derjenigen, für die er gedacht ist und deren Talente und Leistungen er würdigen will“, sagt Tom Sänger, der Beiratsvorsitzende des Deutschen Fernsehpreises 2015/16, zur neuen Konstellation. „Der bisherige Kompromiss aus Branchenevent und TV-Show wurde zuletzt weder der Branche noch dem Publikum gerecht.“

Eine erste Entscheidung haben die Stifter bereits bekannt gegeben: Enthüllungsjournalist Günter Wallraff (73) ist Ehrenpreisträger in diesem Jahr. Wie kein Zweiter habe sich Wallraff in seinem über 50-jährigen Berufsleben um den investigativen Journalismus in Deutschland verdient gemacht, hieß es zur Begründung. „Die Entscheidung der Senderchefs und Intendanten, einem wie mir diesen Ehrenpreis zu verleihen, hat mich überrascht“, sagte Wallraff einer Mitteilung zufolge. Er rief die Fernsehmacher dazu auf, mehr in den engagiert-kritischen und aufklärerischen Journalismus zu investieren.

Mit sehr guten Chancen gehen bei der Neuauflage des Fernsehpreises vor allem zwei nominierte Produktionen ins Rennen: Die bei Zuschauern eher unpopuläre RTL-Serie „Deutschland 83“ mit Jonas Nay und der Sat.1-Krimi „Mordkommission Berlin 1“ mit Friedrich Mücke. Der historische Sat.1-Krimi wurde in sechs Kategorien nominiert, die RTL-Spionageserie immerhin in vier Kategorien. Beide Produktionen entpuppten sich bei der Ausstrahlung von der Einschaltquote her eher als Enttäuschung.

Große Chancen im Wettbewerb haben auch das KZ-Drama „Nackt unter Wölfen“ (ARD) nach dem Roman von Bruno Apitz und „Ein großer Aufbruch“ (ZDF) mit Matthias Habich als todkrankem, selbstverliebtem Mann, der noch einmal alle Freunde zu sich gebeten hat. Sie sind fünf Mal nominiert worden.

Fünf Frauen machen das Rennen um den Fernsehpreis für die beste Schauspielerin unter sich aus, auch bei den Männern macht sich ein Quintett Hoffnungen auf die Auszeichnung. Bei den Serien haben sich ausschließlich die Privatsender hervorgetan: Neben „Deutschland 83“ und „Weinberg“ wurde noch die Vox-Serie „Club der roten Bänder“ benannt. Kleinere Kanäle hätten im zurückliegenden TV-Jahr mit „Risikofreude“ überzeugt, sagte der Juryvorsitzende Lutz Carstens.

Stifter des Deutschen Fernsehpreises sind die Senderchefs der ARD, vom ZDF sowie von RTL und ProSiebenSat.1. Zu den Preisen in den Kategorien kommen ein Förderpreis und ein Preis für das Lebenswerk. Moderatorin Barbara Schöneberger ist selbst für einen Preis nominiert - in der Kategorie Beste Moderation Unterhaltung („Die 2 - Gottschalk & Jauch gegen alle“).

dpa

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