Das Tigerfell gibt es noch immer

Dinner for one: Das ist die Witwe des Butlers

Nora Harding
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Nora Harding, die Witwe von Freddie Frinton, und das legendäre Tigerfell.

London - Die tz hat in der Nähe von London die Witwe von Freddie Frinton entdeckt. Er spielte in "Dinner for one" den Butler. In der Wohnung seiner Frau liegt auch das berühmte Tigerfell.

Hat sich gut gehalten. Der Blick ernst und grimmig, die Augen funkelnd. Nur der Rücken sieht mitgenommen aus, der Hinterkopf ist ramponiert. Die Stelle, gegen die Freddie Frinton trat, wenn er als Butler James darüberstolperte. Dutzendmal, hundertmal, tausendmal. So oft, dass es auf keine Kuhhaut ging, geschweige denn auf ein Tigerfell.

Dinner for one oder der 90. Geburtstag, ein Stück Fernsehgeschichte, längst Silvester-Kult. May Warden und Freddie Frinton, die Schauspieler, sie sind lange tot, aber das Tigerfell hat überlebt. Das Fell hat seine Ruhe, im Wohnzimmer von Nora Harding auf dem Teppich. Der Tiger, sagt Mrs. Harding, ist längst Teil der Familie. Nora Harding ist Freddie Frintons Witwe.

Bushey im Nordwesten Londons, ein kleiner, verschlafener Vorort. Nora Harding lebt in einem grauen Mehrfamilienhaus, ein Zweizimmerappartement im zweiten Stock. Auch die vier Kinder sind da, die Kinder von ihr und Freddie. Und natürlich der Tiger, im Wohnzimmer. Im Fernseher läuft eine DVD, ohne Ton. Alte Super-8-Aufnahmen von Freddie Frinton. Man sieht ihn am Sandstrand im Urlaub herumrobben, als sei er in der Wüste am Verdursten, man sieht ihn mit einer Heckenschere einem Hund hinterherrennen. Er schien den Klamauk zu lieben. Auch im Privaten.

Frinton kaufte das berühmte Tigerfell in einem Kolonialwarenladen

Nora Harding, Jahrgang 1927, war im Krieg Sekretärin der britischen Armee in London, und dort, erzählt sie, lernte sie diesen Mr. Frinton kennen, einen Komiker, der die Soldaten auf Heimaturlaub bei Laune hielt. „Er sprach mich oft an und machte einen Witz“, erzählt Mrs. Harding, und diese Witze kamen so gut an, dass sie nach dem Krieg heirateten. Sie war 18, er schon 36, im Sommer 1945. Bald kamen die Kinder, zwei Töchter, zwei Söhne, Susan, Marilyn, Stephen, Michael, geboren zwischen 1946 und 1954.

„In dieser Zeit war Freddie schon wieder viel unterwegs“, sagt Nora Harding. Auf den Theaterbühnen der Küstenorte bis hinauf nach Schottland. Er zeigte viele Sketche, darunter auch Dinner for one, einen schon älteren Sketch aus den Zwanziger Jahren

1953 kam Frinton einmal nach Hause, voller Stolz über das Tigerfell, das er in einem kleinen Kolonialwarenladen gekauft hatte, in Bexhill bei Hastings. Der Tiger wurde sein ständiger Begleiter, und manchmal, sagt Mrs. Harding, wenn das kleine Auto voll war, dann habe er auf der Fahrt zum nächsten Auftritt das Fell aufs Dach gebunden und sei so quer durchs Land getuckert. „Er fuhr oft weg“, sagt Nora Harding, „aber er kam auch oft wieder heim.“ Vor allem an den Wochenenden, Samstagabend, wenn die Vorstellung weit weg von London vorbei war, fuhr er die Nacht durch zurück nach Hause. Es war immer sein Herzenswunsch, Sonntagfrüh da zu sein, die Kinder aufzuwecken und ihnen zum Frühstück Pfannkuchen zu machen. „Mit viel Sirup“, sagt Stephen, mit 60 Jahren der Zweitjüngste. „Mit sehr viel Sirup.“ Jeden Sonntag, jede Woche. The same procedure as every week.

Familie spielte "Dinner for One" manchmal am Küchentisch nach

Seine anderen drei Geschwister erzählen die Geschichte, wie sie manchmal abends beisammensaßen und sie zur Belustigung am Küchentisch Dinner for one nachspielten. Mama Nora als Miss Sophie, die vier Kinder als Sir Toby, Admiral von Schneider, Mr. Pommeroy, Mr. Winterbottom. Und Freddie als James. A little drop of Mulligatawny Soup? Please serve the chicken. Nur das mit dem Alkohol war im richtigen Leben ganz anders.

Im Sketch der angezwitscherte Butler James, war Freddie Frinton strikter Abstinenzler. Einer, der sich, wenn sich die Kollegen nach den Auftritten zur lustigen Zechtour im Pub versammelten, ins Hotelzimmer verkrümelte, einer, der immer seinen eigenen Klapptisch und sein eigenes Essen mitnahm. Vorsichtig, sensibel, eigen. Sie sagt: „He was not socialised.“ Er war nicht gern unter Leuten.

Am Tag als Frinton tot umfiel, plante er noch eine neue Show

1962 schließlich kam Peter Frankenfeld nach Blackpool, der Moderator suchte eine Nummer für seine Samstagabend-Show in der ARD. Er war begeistert von Frinton, holte ihn, May Warden und das Tigerfell im März 1963 nach Hamburg. Die TV-Zuschauer sahen den Sketch zunächst nur einmal, ab 1972 wurde er fester Bestandteil eines deutschen Silvestertags. Frinton bekam das nicht mehr mit. Er starb schon 1968.

Ihr Mann, sagt sie, plante eine neue TV-Show, als er am 16. Oktober nach Hause kam und plötzlich tot umfiel. Einfach so. Nora heiratete 1977 ein zweites Mal, John Harding, die beiden zogen nach Bushey, dann starb auch der zweite Mann, 2004.

"In unseren Gedanken lebt er für immer weiter"

Bis dahin hatte Frinton die Bildschirme auf der ganzen Welt erobert, insgesamt läuft Dinner for one regelmäßig in zwanzig verschiedenen Ländern. In Finnland etwa heißt der Sketch Illallinnen yhdelle, was lautmalerisch klingt wie eine Textzeile von James nach dem vierten Glas Portwein. Cheerio, Miss Sophie.

Nur in der Heimat zeigten sie ihn nie, in England kennt das Stück kaum einer. Vielleicht zeigt ihn die BBC ja 2017, am 9. Februar. Zu Nora Hardings 90. Geburtstag.

Später, zum Ende des Besuchs, sagt sie beim Abschied an der Tür: „Wir brauchen Freddie nicht im Fernsehen. In unseren Gedanken lebt er für immer weiter.“ Und fügt an, dass sie bald noch einmal umziehen werde. In eine Wohnung ein paar Dörfer weiter. Um näher zu sein an ihren Kindern. Manches wird sie zurücklassen. Aber das Tigerfell, das kommt natürlich mit.

Florian Kinast

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