Nach ZDF-Skandal

Ranking-Shows: Auch der NDR hat geschummelt

Hamburg - Nach Bekanntwerden einer verfälschten Online-Abstimmung beim ZDF hat der NDR im eigenen Haus nach ähnlichen Fällen geforscht. Und wurde fündig. Der DJV sieht die Glaubwürdigkeit gefährdet.

Nach dem Skandal bei der ZDF-Show „Deutschlands Beste!“ hat auch der Norddeutsche Rundfunk (NDR) Unregelmäßigkeiten bei einigen Ranking-Shows festgestellt. Betroffen seien Sendungen wie „Die spektakulärsten Rücktritte“, „Die beliebtesten Party-Hits“ und „Die schönsten Mühlen Norddeutschlands“. Seit 2011 sei in 9 von 58 Produktionen die Rangfolge von nichtrepräsentativen Online-Votings verändert worden. Das ergab eine am Freitag veröffentlichte Untersuchung, die der NDR nach Bekanntwerden der Vorgänge beim ZDF eingeleitet hatte.

Fehlende Bildrechte, schlechte Materiallage, dramaturgische Gründe

Der NDR berichtete, wie es zu den Manipulationen gekommen war. Zum Beispiel wurde in der Langfassung des Rankings „Die bedeutendsten Norddeutschen“ im Oktober 2011 der Platz acht von einer ein Jahr zuvor ausgestrahlten Kurzfassung geändert. Der Humorist Loriot wurde durch die verstorbene Kanzlergattin Loki Schmidt ersetzt. „Der Grund lag in fehlenden Senderechten für die verwendeten Loriot-Ausschnitte.“

Bei der Sendung „Die schönsten Gärten und Parks des Nordens“ im Dezember 2013 wurde der Elftplatzierte (Der Park „Planten un Blomen“, 81 Klicks) auf Rang zehn vorgezogen, auf dem tatsächlich der Rhododendronpark Ammerland (88 Klicks) gelandet war. Der Grund: „Für „Planten un Blomen“ stand besseres Bildmaterial zur Verfügung.“

Auch bei einzelnen Radiosendungen des NDR seien Votings nicht immer eins zu eins gezählt worden. Allerdings hätten die Verantwortlichen hier auf Beeinflussungsversuche durch Mehrfachabstimmung reagiert.

Glaubwürdigkeit gefährdet

NDR-Intendant Lutz Marmor bezeichnete die festgestellten Fälle als nicht hinnehmbar, „vor allem auch weil sie nicht transparent gemacht wurden, selbst wenn sie im Einzelfall in ihrer Tragweite überschaubar erscheinen mögen“. Es gebe neue Leitlinien zum Umgang mit Online-Votings. Arbeitsrechtliche Konsequenzen würden geprüft. „Zudem sollen Online-Votings im NDR künftig restriktiver eingesetzt werden.“

Der NDR-Rundfunkrat begrüßte die neuen Regeln. Seine Vorsitzende Ute Schildt sagte: „In einigen Fällen sind wichtige Grundsätze missachtet worden, und mehrmals mangelte es an der nötigen Sorgfalt.“

Der Journalisten-Verband DJV sieht angesichts der jüngsten Fälle Glaubwürdigkeit gefährdet. „Der aktuelle Fall beim NDR zeigt einmal mehr, dass Medien Votings oder andere Formen der Zuschauerbeteiligung ernster nehmen müssen. Sonst verspielen sie die Glaubwürdigkeit bei den Zuschauern“, sagte Sprecher Hendrik Zörner der Deutschen Presse-Agentur.

Vor vier Wochen hatte das ZDF Manipulationen bei der Show „Deutschlands Beste!“ eingeräumt. Redakteure hatten beim Zweiteiler im Juli eine repräsentative Forsa-Umfrage verfälscht und eingeladene Gäste hochgestuft. Im Zuge des Skandals war Unterhaltungschef Oliver Fuchs zurückgetreten, zwei Redakteurinnen wurden abgemahnt.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

auch interessant

Meistgelesen

Publikum lässt WWM-Kandidaten im Stich - 63.500 Euro futsch
Publikum lässt WWM-Kandidaten im Stich - 63.500 Euro futsch
WWM: Gewinner findet Millionärsleben anstrengend
WWM: Gewinner findet Millionärsleben anstrengend
Im Kinderprogramm: ZDF sendet aus Versehen Horrorfilm
Im Kinderprogramm: ZDF sendet aus Versehen Horrorfilm
Die Yottas: Das ProSieben-Protzpaar lernte sich in München kennen
Die Yottas: Das ProSieben-Protzpaar lernte sich in München kennen

Kommentare