Nach Auftritt bei Jauch

Abdul Adhim Kamouss entschuldigt sich 

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Der Auftritt von Abdul Adhim Kamouss in der Talksendung "Günther Jauch" polarisierte.

Berlin - Abdul Adhim Kamouss hat sich auf Facebook über den Jauch-Talk aufgeregt. Am Telefon gibt er sich jetzt versöhnlich: Er entschuldigt sich für seinen ARD-Auftritt.

Auf seiner Facebook-Seite rechtfertigt sich Abdul Adhim Kamouss seit Tagen für seinen Auftritt im ARD-Talk "Günther Jauch". Jetzt hat er sich offline geäußert. Ein Journalist des "Tagesspiegels", der den Imam seit zwei Jahren aus einer privaten interreligiösen Dialogrunde kennt, hat mit ihm telefoniert.

Dem Journalisten sagte Abdul Adhim Kamouss, dass es ihm leid tue, mit seinem Redeschwall in der Jauch-Sendung "ins Rutschen geraten" zu sein, die Kontrolle verloren und die "Schiene verlassen" zu haben, die er sich vorgenommen hätte.

Abdul Adhim Kamouss: "Wollte mich nicht provozieren lassen"

Der "Tagesspiegel" zitiert den Imam Abdul Adhim Kamouss mit den Worten: "Ich wollte mich nicht aufregen und provozieren lassen. Ich wollte sagen, dass für mich das Grundgesetz die Basis unseres Zusammenlebens ist, dass ich gegen Radikalismus bin, dass Deutschland demokratisch bleiben soll, wie es ist, und dass ich mich mit Ihnen gemeinsam an vielen Präventionsprojekten weiterhin beteiligen will."

Er hätte sich durch das gezeigte zwölf Jahre alte Video und durch die Talkgäste Bosbach und Buschkowsky – denen die Zuschauer mehr vertrauten, das verstehe er auch – zur Defensive verleiten lassen. Dabei hätte er das Wichtigste im Gespräch weggelassen. Es tue ihm "im Herzen leid", dass ihm Kritiker nun nachsagen, er sei ein schlechter Zuhörer.

Imam Kamouss äußert sich zu alten Predigten

Im Telefongespräch mit dem Zeitungsjournalisten beklagte sich Abdul Adhim Kamouss darüber, dass er in den Medien wegen sehr alter Predigten, in denen sein Wortschatz noch sehr beschränkt gewesen sei, "als Salafist abgeschrieben" werde. Ihm hätte in den ersten Jahren einfach die Erfahrung gefehlt.

Abdul Adhim Kamouss stellte im Gespräch klar, dass es 2009 ein Ermittlungsverfahren des Verfassungsschutzes gegen ihn gegeben hätte. Der Gutachter hätte seine Predigten auf "Hass", "Mordaufrufe" und "Antisemitismus" untersucht und hätte keine Predigt beanstandet. Deshalb sei das Verfahren eingestellt worden.

Islam-Prediger fand Jauch-Talk unseriös

Abdul Adhim Kamouss hatte auf seiner Facebook-Seite an den vergangenen Tagen weniger versöhnlich geklungen. In einem Post ärgerte sich der 37-Jährige über Kommentare der anderen Talkgäste. Dem Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky, war zum Beispiel ein gereiztes "Können Sie jetzt mal die Backen halten?" herausgerutscht.

Abdul Adhim Kamouss schrieb dazu: "Derartige Aussagen erwartet man nicht in einer seriösen Talkrunde bei ARD, und so war auch ich von der Niveaulosigkeit dieser Aussagen überrascht und enttäuscht."

sah

Miriam Sahli-Fülbeck

Miriam Sahli-Fülbeck

E-Mail:miriam.sahli@merkur.de

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