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"Kompromisslos und kämpferisch" - Film über Gustl Mollath im TV

Gustl Mollath
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Gustl Mollath

Nürnberg - Rund sieben Jahre lang saß der Nürnberger Gustl Mollath gegen seinen Willen in der Psychiatrie. In einem aufsehenerregenden Wiederaufnahmeverfahren wurde der 59-Jährige im vergangenen Jahr freigesprochen. Ein Film will den Menschen hinter dem Fall zeigen.

Sein Fall sorgte bundesweit für Aufsehen und brachte sogar die Gesetzgeber zum umdenken: Der Nürnberger Gustl Mollath war rund sieben Jahre lang gegen seinen Willen in der Psychiatrie eingesperrt. Ein Gericht hielt ihn für gefährlich, doch er kämpfte von Anfang an für seine Freilassung. Im Sommer 2014 schließlich kann er das Regensburger Landgericht nach einem Wiederaufnahmeverfahren als freier Mann verlassen.

Zwei junge Filmemacherinnen haben den 59-Jährigen eineinhalb Jahre lang begleitet. Sie wollten hinter die Fassade von einem der bekanntesten Justizopfer in Deutschland blicken. An diesem Dienstag (22.45 Uhr) ist die Dokumentation „Mollath - Und plötzlich bist du verrückt“ im Bayerischen Fernsehen zu sehen.

In 90 Minuten blicken die Regisseurinnen Leonie Stade und Annika Blendl Gustl Mollath über die Schulter und sprechen mit Freunden und Wegbegleitern. Mollath zeigen sie etwa barfuß am Strand, bei einem Autorennen in England, in der Kirche oder wenn er liebevoll seine Pflanzen versorgt.

Zuweilen wirkt Mollath im Film eigen - etwa wenn er im Bus seine Münzen wegen der seltenen Prägung nicht zum Bezahlen verwenden will und lieber Schwarz fährt. Auch seine Verbitterung ist zu sehen über die Ungerechtigkeit, die ihm angetan wurde. Dann wieder wirkt er extrem vernünftig, sehr humorvoll und selbstironisch. Als ihm etwa eine Frau einen kritischen Zeitungsartikel über ihn zeigen will, lehnt er lachend ab und sagt, wenn er so was lesen würde, „möchte ich fast verrückt werden und das möchte ich vermeiden“. Blendl erzählt: „Es gab viele witzige Szenen. Er hat sehr viel Humor und wir haben uns gut mit ihm amüsieren können. Das hätte man vielleicht gar nicht geahnt.“

So richtig nahe kommen ihm die Regisseurinnen dennoch nicht. Mollath lässt wohl niemanden an sich ran. Stade nennt ihn kompromisslos, kämpferisch und sehr genau. „Uns war es wichtig, auch diese Seiten zu zeigen. Denn ohne diese Eigenheiten wäre er nie aus der Psychiatrie raus gekommen.“

Mollaths Ex-Frau kommt in dem Film nicht selbst vor. „Wir haben uns darüber sehr viele Gedanken gemacht“, berichtet Stade. „Doch dann hätten wir sie zu gleichen Teilen integrieren müssen - und hätten kein Porträt mehr über ihn machen können.“ Zudem wollte sie auch nicht mehr in der Öffentlichkeit auftreten. Die andere Seite von Mollaths Geschichte wird daher durch die Journalisten Otto Lapp und Beate Lakotta erzählt.

Vor allem Lakotta sah den Fall Mollath stets kritisch - und wurde daher von Mollath-Unterstützern mehrmals wüst beschimpft. Dafür haben die Regisseurinnen kein Verständnis. Stade sagt: „Definitiv ist Gustl Mollath zum Opfer von etwas geworden. Das heißt aber nicht, dass man ihn deswegen zum Helden stilisieren muss.“

Mollath selbst wollte mit dem Film vor allem auf die Zustände in psychiatrischen Kliniken aufmerksam machen. „Ich hoffe, dass die Menschen motiviert sind, wissen zu wollen, was in diesen Anstalten los ist“, sagte er bei der Kino-Premiere im Sommer in München.

Seinen Fall vergleicht der Film mit nicht weniger als der Mondlandung. „Stell dir vor, du gehst auf eine Reise in eine fremde Welt“, sagt eine Sprecherin, während ein Astronaut im Raumanzug zu sehen ist. In diesem Fall geht die Reise jedoch in die Nervenheilanstalt.

dpa

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