Trotz Online-Konkurrenz

Medientage München: Fernsehen wird nicht verdrängt

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Zahlreiche Vertreter der TV-Branche sitzen am Mittwoch bei den Medientagen München zusammen.

München - Das Fernsehen wird immer schlechter, finden viele. Doch Experten bei den Medientagen München halten dagegen: Das Fernsehen würde durch die Online-Konkurrenz immer besser.

Das Fernsehen verschmilzt nach Ansicht des ARD-Vorsitzenden Lutz Marmor langsamer mit dem Internet als gedacht. „Die kurzfristige Entwicklung wird teilweise grob überschätzt“, sagte der Intendant des Norddeutschen Rundfunks (NDR) am Mittwoch zu Beginn der Medientage München. Für die TV-Sender bedeute das: „Nicht nur, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, sondern auch wer zu früh kommt. Denn das kostet dann auch enorm Geld.“

Trotz vieler neuer Konkurrenzangebote wie Internetkanälen und Video-Plattformen sei das Fernsehen in den vergangenen Jahren weiter gewachsen. „Tatort“ und „Tagesschau“ seien weiterhin starke Marken, über die viel geredet werde, sagte Marmor beim neu geschaffenen Fernsehgipfel der Medientage.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung von ProSiebenSat.1, Wolfgang Link, stimmte zu: „Die großen Shows werden immer noch zusammen geguckt. (...) Man verabredet sich noch zum Topmodel-Schauen.“ Live-Fernsehen werde wichtiger werden. „Die Menschen sehnen sich nach einer gewissen Gemeinsamkeit.“ Das Internet ermögliche aber viele Zusatzangebote, die das TV-Programm ergänzen: „Wir nutzen das als perfektes Pingpongspiel“, sagte Link.

Konkurrenz belebt den Markt

Die wachsende Konkurrenz durch Bewegtbilder im Internet ist nach Ansicht des Produzenten Nico Hofmann ein Ansporn für alle Anbieter: „Je mehr das Angebot wächst, desto dezidierter wählen die Zuschauer nach Qualität aus. (...) Das freut mich.“ Drehbücher online den Zuschauern zur Abstimmung zu stellen, bevor ein Film überhaupt gedreht werde, sei der falsche Weg. „Die größten Programmerfolge, die wir hatten, sind alle gegen heftigste Widerstände entstanden.“

Dies mache auch die Magie des Mediums aus, meinte Gary Davey vom Bezahlsender „Sky“. Die Zuschauer wüssten nämlich selber nicht, was sie sehen wollen - „bis sie es sehen“.

Bis Freitag diskutiert die deutsche Medienbranche in München über die Lage und die Aussichten von Sendern, Online-Medien und Zeitungen. Die Medientage stehen unter dem Motto „Kein Spaziergang - Wege zur digitalen Selbstverständlichkeit“.

Internetgiganten lassen Wirtschaft schrumpfen

Der Telekom-Chef Timotheus Höttges warnte zum Auftakt vor wachsenden Monopolen von Internetriesen wie Apple und Amazon: „Internetmärkte sind globale „The-Winner-takes-it-all-Märkte. Und das ist eine Gefahr.“ Die Monopole führten zu Wohlstandverlusten. „Die Internetgiganten häufen immense Vermögen an, und zwar außerhalb Europas. Sie lassen die Wirtschaft schrumpfen.“

Höttges warf Apple und Amazon vor, ihren Nutzern den Transport der Inhalte in andere System zu erschweren. „Die Inseln im Software-Bereich wachsen. (...) Und wenn auf diesen Inseln auch noch jeder Schritt überwacht wird, sind sie genauer betrachtet eher Alcatraz als Paradies.“

Die europäischen Anbieter sollten sich gemeinsam dagegen stellen, forderte Höttges: „Offene Plattformen sind die Antwort auf die großen Internetmonopole, die entstanden sind.“ Die Politik müsse zudem Überregulierungen beseitigen und gleiche Regeln für alle Anbieter schaffen. Um Google & Co. etwas entgegensetzen zu können, müsse auch das Kartellrecht überdacht werden.

dpa

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